Die Spitäler behandeln wieder mehr Patienten, die am Coronavirus erkrankt sind. Die Impfung wird nun allen Personen ab zwölf Jahren empfohlen.
Die Medienkonferenz mit Fachpersonen des Bundes, der Taskforce und der Kantone.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Intensivbetten werden Woche für Woche von immer mehr Covid-Patienten besetzt.
  • Es sind vor allem ungeimpfte Reiserückkehrer, wie die Krankenhäuser mitteilen.
  • Zudem landen 25 Prozent der Hospitalisierten auf der IPS – viel früher als im Frühling.

Die epidemiologische Lage in der Schweiz wird vom BAG als «besorgniserregend» eingestuft. Nur noch zwei Verdoppelungen der Hospitalisationszahlen stehen zwischen dem Höhepunkt der zweiten Welle und jetzt. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse von der heutigen Medienkonferenz.

– Neun von zehn schweren Erkrankungen wären mit einer Impfung gegen das Coronavirus vermeidbar, lautet die Einschätzung der Task Force. Zurzeit werden fast nur Ungeimpfte hospitalisiert. Zudem kommen 40 Prozent aus den Ferien zurück, viele waren zu Besuch in ihren Heimatländern in Südosteuropa.

Coronavirus Impfung Jugendliche Aarau
Auch Jugendliche und Kinder über 12 Jahre können sich gegen das Coronavirus impfen lassen, wie hier zum Beispiel an der Kantonsschule Aarau. - Keystone

– Ab dieser Woche empfiehlt die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) allen über 12 Jahren die Covid-Impfung. Die Behörden raten auch dem Spitalpersonal zuliebe zur Impfung: «Klatschen ist gut, impfen ist besser». Eine Booster-Impfung ist für die EKIF aber noch kein Thema.

– Aufgrund der aggressiveren Delta-Variante landen schon jetzt, ganz zu Beginn der vierten Welle, 25 Prozent der Patienten in der IPS. Das sei viel früher als in der zweiten oder dritten Welle. Ausserdem sei das Durchschnittsalter der Erkrankten auf etwa 54 Jahre gesunken.

Hier können Sie das Protokoll der Medienkonferenz lesen

15:27 Die Anwesenden würden darauf hoffen, dass der Anstieg der Kurve auf die Reiserückkehrenden zurückzuführen sei. Es könnte in ein paar Wochen eine Beruhigung eintreffen. Mathys relativiert jedoch, das Reisen sei nur einer der Unsicherheitsfaktoren. Betriebe, Schulen, Universitäten, alle diese Orte könnten auch zu Erhöhungen führen.

15:25 Rudolf Hauri zur Ausweitung des Covid-Zertifikats: Durchaus vorstellbar, zudem sei die Diskussion wichtig.

15:11 Laut Mathys ist der Zeitpunkt für neue Massnahmen kritisch: Sollten sie zu früh implementiert werden, drohe Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Sollten sie zu spät umgesetzt werden, wären die Folgen potenziell verheerend.

15:01 Würde eine Reisequarantäne wieder Sinn ergeben? Die Reisezeit sei fürs Erste um, antwortet Mathys. Ob der Bundesrat eine solche Massnahme später umsetzen würde, könne er nicht sagen.

Coronavirus Impfung
Die Behörden raten zur Impfung gegen das Coronavirus, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. - Keystone

14:53 Im Moment würden knapp 25 Prozent der Covid-Patienten in die IPS landen, sagt Karrer. Das sei deutlich früher als bei der zweiten Welle. «Delta ist virulenter – heisst krankmachender – als andere Varianten», so Karrer. Bei den Todesfällen kenne man die Auswirkung von Delta bisher nicht.

14:51 Berger will Auffrischimpfungen nicht zu früh verabreichen. Es fehlten noch genauere Daten zur Effizienz einer dritten Dosis für Personen mit einem funktionierenden Immunsystem.

14:46 Viele Infektionen finden aber auch in der Schweiz statt, würde eine Ausweitung der Zertifikatspflicht von der Task Force unterstützt? Die Politik entscheide da, sagt Karrer, aber es sei eine der möglichen Optionen. So müsste man vor allem nicht alle «gleichbehandeln», wie er sagt.

BAG, Gemeinde und Kantone wollen noch Migrantinnen und Migranten erreichen

14:39 Dass Personen mit Migrationshintergrund eine tiefe Durchimpfung aufweisen würden, sei nichts Neues, sagt Mathys. Die Task Force sieht hier die Kantone und Gemeinden in der Pflicht, weil sie jenen Personen viel näher stünden. Hauri bestätigt: «Man muss die Personen ansprechen», die Meinungsmacher in diesen Gemeinschaften seien wichtig.

Migranten Schweiz Coronavirus Impfung
In der Schweiz sind vor allem Personen mit Migrationshintergrund ungeimpft. Das liegt an der kulturellen und Sprachbarriere, aber nicht nur. - Keystone

Die Kantone und Gemeinden seien aber daran, an diese Personen heranzukommen. Es sei ein «rollender Prozess». Wichtig sei es, bei der Anmeldung oder Formalien zu helfen, sowie auch die Niederschwelligkeit der Impfung zu gewährleisten.

14:37 «Klatschen ist gut, impfen ist besser»: Die Task Force will zur Impfung gegen das Coronavirus bewegen, um das Gesundheitspersonal zu schützen.

14:34 Es gelte jetzt, eine Trendwende zu machen. Die Task Force rät dazu, Maske zu tragen und Abstand zu halten. Zudem müsse das Contact Tracing gut funktionieren können, wie auch die Schutzkonzepte gut durchdacht. An Grossevents mit Covid-Zertifikat könnten sich durchaus auch infektiöse Menschen tummeln, sagt Karrer.

14:33 Viele Hospitalisierte seien zudem aus ihren Ferien in Südosteuropa zurückgekommen. Die grosse Mehrheit seien ungeimpft. Die Impfkampagne erreiche diese Personen, meist mit Wurzeln im Balkan oder anderen Ländern, nicht genügend, so Karrer.

Karrer Task Force Coronavirus
Urs Karrer ist Vizepräsident der Covid-Taskforce und Chefarzt für Infektiologie am Kantonsspital Winterthur. - Keystone

14:30 Bei den Hospitalisierten sei die Gruppe der 40- bis 59-Jährigen stark vertreten. Dicht darauffolgend sei die jüngere Gruppe.

14:28 Das Wort hat jetzt die Task Force, Vize-Präsident Urs Karrer vertritt das Gremium. Er beobachte die Entwicklung auf seinem Spital mit Sorge, sagt Karrer. Das System sei nicht überlastet, aber das Personal sehr wohl. Zudem sei der Anteil schwer kranker Covid-Patienten höher als noch in anderen Wellen.

Impfung als Akt der Wertschätzung für Spitalpersonal

14:26 Die Impfung könne ein Akt der Solidarität und eine Geste der Wertschätzung gegenüber des Spitalspersonals sein, so Hauri. Denn wenn sich der Druck auf das Gesundheitssystem erhöhe, litten sie als erste.

14:24 Repetitives Testen auf das Coronavirus in Schulen zeugten von einer starken Verbreitung des Virus wegen der Sommerferien, so Hauri. Regelmässiges Lüften und Maskenpflichten seien aber wirksam.

Coronavirus
Rudolf Hauri, Kantonsarzt Zug, spricht während einer Medienkonferenz zur Situation des Coronavirus. - Keystone

14:21 Nun spricht Rudolf Hauri aus Sicht der Kantone. Es seien alle «stark betroffen», vor allem bei den im Spital liegenden Ungeimpften und Reiserückkehrern. Zudem würden Massnahmen wie Abstand halten und Maskenpflicht zunehmend missachtet.

14:18 Thema Booster Impfung: Diese wäre wichtig bei Personen, die eine Immundefizienz aufweisen.

14:17 Bei der Impfung für Schwangere sagt Berger, bisher seien keine Risiken beschrieben worden. Die EKIF sei im Austausch mit Expertinnen und Experten und prüfe eine Anpassung der Empfehlung.

Impfung gegen Coronavirus ab 12 Jahren empfohlen

14:13 Es sei wichtig, die Schulen offenzuhalten, sagt Berger. Er ruft aber auch alle Erwachsenen dazu auf, sich impfen zu lassen. «Sie schützen auch alle anderen, inklusive die Kinder», sagt er.

Christoph Berger
Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Impfkommission. - Keystone

14:11 Nun hat EKIF-Präsident Christoph Berger das Wort. Die Impfempfehlungen seien angepasst worden: «Die Impfung wird allen Jugendlichen ab zwölf Jahren empfohlen.» Die Delta-Variante sei «so ansteckend wie Windpocken», weswegen eine Impfung durchaus mehr Nutzen bringe als Risiko berge.

14:10 Es sei eine Verschlechterung der Lage zu erwarten, sagt Mathys. Die Durchimpfungsquote sei noch zu tief, eine «starke Welle» stünde möglicherweise bevor.

14:07 Die Situation auf den IPS sei angespannt, so der BAG-Beamte. Gut 56 Prozent der Bevölkerung habe sich nun aber gegen das Coronavirus impfen lassen. Das sei positiv, weil eine Impfung gegen eine Hospitalisierung schütze. So könne auch den Eintritt in die Normalisierungsphase gewährleistet werden.

Mathys BAG Coronavirus
Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim BAG, spricht während einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation des Coronavirus, 17. August 2021. - Keystone

14:03 Jüngere Menschen verzeichneten die höchste Inzidenz, doch die Inzidenzen der unter 10-Jährigen als auch der Älteren habe sich erhöht. Die Hospitalisationen befänden sich zwar immer noch unter den Niveaus der zweiten und dritten Wellen. Es fehle aber nicht mehr viel, so Mathys. Glücklicherweise blieben die Todesfälle bis anhin tief.

14:00 Patrick Mathys beschreibt zu Beginn die epidemiologische Lage, Prognosen seien «nur bedingt» machbar, sagt er. Zudem stufe das BAG das Geschehen als beunruhigend ein; Man dürfe die aktuelle Situation durchaus als vierte Welle des Coronavirus bezeichnen, da die Neuinfektionen wieder auf hohem Niveau seien.

Mehr zum Thema:

Bundesrat Ferien Daten Coronavirus