Bundesrat

Bundesrat Pfister legt Armee-Einkaufszettel für 2026 vor

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Für 3,4 Milliarden Franken will der Verteidigungsminister unter anderem die Abwehr gegen Raketen und Drohnen verbessern.

Medienkonferenz mit Verteidigungsminister Martin Pfister zur Armeebotschaft 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verteidigungsminister Martin Pfister präsentiert die Armeebotschaft 2026.
  • Die angekündigten Beschaffungen im Bereich Luftabwehr und Cyber werden nun konkret.
  • Insgesamt beantragt der Bundesrat 3,4 Milliarden Franken.

Angriffe aus der Distanz und die sogenannten hybriden Konflikte sieht der Bundesrat als wahrscheinlichste Bedrohung an. In diesen Bereichen soll die Abwehr nun gestärkt werden. Nachdem Verteidigungsminister Martin Pfister die Pläne dazu schon skizziert hat, wird es nun konkret: 3,4 Milliarden Franken sollen gemäss der heute beschlossenen Armeebotschaft 2026 investiert werden.

Zusatzkredit für F-35A

Wie bereits vor zwei Wochen angekündigt, bestellt der Bundesrat zwar weniger Kampfjets als geplant. Aber wegen der aufgelaufenen Teuerung beantragt er dennoch einen Zusatzkredit: 394 Millionen Franken.

F-35 Start
Eine F-35 startet vom Flugplatz Emmen, im März 2022. - VBS/DDPS / Sam Bosshard

Damit werde der von der Stimmbevölkerung bewilligte Betrag eingehalten. Voraussichtlich ermögliche dies die Beschaffung von 30 F-35A-Kampfjets.

Ukraine-erprobte Flugabwehr

Fünf Einheiten des Luftverteidigungssystems mittlerer Reichweite IRIS-T SLM hat die Schweiz bereits bestellt. Nun sollen weitere beschafft werden, um einen grösseren Raum abdecken zu können. So könne man zusätzliche kritische Infrastrukturen schützen.

Iris-T SLM Flugabwehr
Eine Starter-Einheit des Systems Iris-T SLM ist auf der ILA Berlin 2024 ausgestellt, am 3. Juni 2024 auf dem Gelände der Diehl Defence. - keystone

IRIS-T SLM kommt unter anderem auch im Ukraine-Krieg zum Einsatz. Es hat sich dort als sehr effektiv erwiesen, unter anderem auch gegen Drohnen.

Dieser Kauf schlägt mit einer Milliarde Franken zu Buche. Für weitere 800 Millionen Franken sollen teils veraltete Fliegerabwehrsysteme kleinerer Reichweite ersetzt werden.

Drohnenabwehr und neues Radar

Apropos Drohnen: Militärische Verbände, die Zivilbevölkerung sowie kritische Infrastrukturen sollen vor Mini-Drohnen geschützt werden. Dazu hat die Armee ein Abwehrsystem evaluiert, will aber mit dem endgültigen Entscheid bis kurz vor der Beschaffung zuwarten. In der Armeebotschaft 2026 sind dazu 70 Millionen Franken budgetiert.

Mini-Drohne Armee
Ein Angehöriger der Schweizer Armee landet eine Mini-Drohne auf seiner Hand, im Rahmen eines Feldversuchs mit Mini-Drohnen auf dem Waffenplatz Bure JU. - VBS/DDPS / Alex Kühni

Rund doppelt so teuer (150 Millionen Franken) wird die Ergänzung zur Mini-Drohnenabwehr. Denn das Luftlagebild im unteren und mittleren Luftraum müsse verbessert werden. Das veraltete Taktische Fliegerradar TAFLIR müsse durch ein teilmobiles Radarsystem mittlerer Reichweite ersetzt werden.

Von Weltraum bis Cyberraum

Bedarf meldet die Armee auch beim Nachrichtenverbund, den Sensoren sowie der Führung und Vernetzung an. Deshalb will die Armee für 30 Millionen Franken weltraumgestützte Fähigkeiten aufbauen. Für 100 Millionen Franken sollen die Möglichkeiten zur Mitnutzung ziviler Datennetze erweitert werden.

Armee Pistolen Armeebotschaft 2026
In allen Truppengattungen sollen die Armeeangehörigen mit neuen Pistolen ausgestattet werden. - VBS/DDPS / Nicola Pitaro

Mehr Mittel brauche es auch bei der elektronischen Kriegsführung im Cyberraum und dem elektromagnetischen Raum. Hier beantragt Bundesrat Pfister 204 Millionen Franken.

Nicht zuletzt sollen in sämtlichen Truppengattungen die Armeeangehörigen mit neuen Pistolen ausgerüstet werden. Für 50 Millionen Franken und «zum persönlichen Eigenschutz».

Eine halbe Milliarde für Infrastruktur

Die Instandsetzung einer Kaverne für Flugzeuge, Schallschutzmassnahmen sowie «verschiedene Ausbauten» beantragt der Bundesrat im Immobilienprogramm. Weitere bauliche Massnahmen dienen der sicheren und krisenresistenten Telekommunikation.

F-35 Payerne Hangar
Ein F-35-Kampfjet fährt während einem Test- und Evaluationstag am Militärflugplatz Payerne VD an Hangars vorbei, am 7. Juni 2019. Diese müssen teilweise umgebaut werden. - keystone

Auch die F-35A-Kampfjets tauchen hier wieder auf: Für 89 Millionen Franken sollen bauliche Massnahmen im Zusammenhang mit der Kampfjet-Beschaffung finanziert werden. Insgesamt beantragt der Bundesrat mit dem Immobilienprogramm 562 Millionen Franken.

Kommentare

User #4036 (nicht angemeldet)

Klar doch: Die Drohne für 200 CHF wird dann mit einer Rakete für 2 Millionen abgeschlossen. Sehr schlau, unsere Militaria-Freaks.

User #2774 (nicht angemeldet)

Als ich das gelesen habe, dachte ich nur: Ist denn schon wieder Weihnachten? Wenn hier Milliarden verteilt werden, hätte ich dann bitte auch gerne etwas davon. Nach dem Desaster, das frühere Verantwortliche hinterlassen haben, sehe ich nicht ein, weshalb dafür nun Mehreinnahmen oder gar eine Mehrwertsteuererhöhung nötig sein sollen. Angesichts der aktuellen weltweiten Konflikte sollte man zuerst prüfen, was auf dem Markt überhaupt verfügbar ist, zu welchem Preis und in welchem realistischen Zeitrahmen. Solche Beschaffungen gehören über den normalen Haushalt finanziert – ganz ohne teure Extravaganzen.

Weiterlesen

Martin Pfister F-35 Patriot
216 Interaktionen
Mehrkosten
Martin Pfister Iris-T SLM
76 Interaktionen
Gegen Vorkasse
F-35 Finanzkontrolle Mehrkosten
75 Interaktionen
Gebäude für F-35
Rechtsschutz
13 Interaktionen
Kündigung erhalten

MEHR BUNDESRAT

2 Interaktionen
Bern
Engpässe Versorgung Medikamente
25 Interaktionen
Engpässe
Rüstung
290 Interaktionen
Wegen Iran-Krieg
Ukraine
29 Interaktionen
Bern

MEHR AUS STADT BERN

Bern
YB
7 Interaktionen
Wie geht es Hadjam?
Demo
36 Interaktionen
Krawall-Demo