Bundesrat

Engpässe: Bundesrat will Versorgung mit Medikamenten verbessern

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Im Gegenvorschlag zur «Versorgungsinitiative» sieht der Bundesrat den wirksameren Ansatz zur Bekämpfung von Versorgungsstörungen.

Medienkonferenz mit Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider zum Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Ja zur medizinischen Versorgungssicherheit».

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bundesrat präsentiert einen Gegenvorschlag zur «Versorgungsinitiative».
  • Mit diesem sollen Engpässe bei der Versorgung mit Arzneimitteln bekämpft werden.
  • Der Bund soll Medikamente selbst einkaufen und die Lage in Echtzeit überwachen können.

Immer wieder sind Medikamente von Engpässen betroffen, von bestimmten Antibiotika über Schmerzmittel bis zu Arzneimitteln gegen chronische Erkrankungen. Oft können diese nicht einfach ersetzt werden. Der Bundesrat sieht deshalb Handlungsbedarf, lehnt aber die Volksinitiative «Ja zur medizinischen Versorgungssicherheit» ab.

Medikamentenmangel Medikamente
Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung meldet regelmässig Versorgungsengpässe bei Medikamenten. (Symbolbild) - keystone

Diese sei zu wenig wirksam und zielgerichtet. Der Bundesrat schlägt jetzt einen neuen Verfassungsartikel als Gegenvorschlag vor.

Mit diesem soll der Bund mehr Kompetenzen erhalten, um die Versorgungssituation mit Arzneimittel aktiv überwachen zu können. Mit gezielten Massnahmen soll Versorgungsstörungen vorgebeugt beziehungsweise diese minimiert werden.

Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider präsentiert die ans Parlament überwiesenen Vorschläge.

Vielfältige Ursachen für Medikamentenknappheit

Für die seit Jahren regelmässig auftretenden Engpässe nennt der Bundesrat verschiedene Gründe. Unter anderem die Verlagerung der Produktion in wenige asiatische Länder und die Konzentration auf eine geringe Anzahl von Anbietern.

Macht dir der Medikamentenmangel in der Schweiz Sorgen?

Auch gebe es Störungen in den Lieferketten, gesetzliche Vorgaben oder eingeschränkte Verdienstmöglichkeiten im vergleichsweise kleinen Schweizer Markt. In den letzten Jahren habe man zwar bereits Massnahmen gegen die Engpässe beschlossen und umgesetzt. Trotzdem seien Versorgungsstörungen bestehen geblieben.

Deshalb wolle der Bundesrat mit einem umfassenden Ansatz koordinierte Massnahmen kurz-, mittel- und langfristig umsetzen.

Bessere Übersicht

Zu den kurzfristigen Massnahmen gehören zum Beispiel Erleichterungen bei den spezifisch schweizerischen Verpackungen. Bei Medikamenten, die in der EU und in der Schweiz zugelassen sind, sollen diese nicht mehr nötig sein.

Mehrsprachige Packungsbeilagen sollen durch einen QR-Code ersetzt werden. Auch sollen die Zulassungsverfahren für Arzneimittel vereinfacht werden.

Initiative
Die Einreichung der Initiative «Ja zur medizinischen Versorgungssicherheit». - keystone

Mittelfristig sei eine detaillierte Kenntnis der aktuellen Versorgungslage nötig. Dazu sollen Medikamente in verschiedene Klassen kategorisiert werden, je nach Bedeutung für die Versorgung.

Der Bund will in Echtzeit Daten zur Verfügbarkeit von Arzneimittel zur Verfügung haben. Dazu will er mit Apotheken, Spitälern, Arztpraxen und weiteren Akteuren zusammenarbeiten.

Diese Massnahmen will der Bundesrat prioritär angehen und dieses und nächstes Jahr die Arbeiten dazu starten.

Mehr Kompetenzen für den Bund

Einen neuen Verfassungsartikel – und damit auch eine Volksabstimmung – braucht es für die längerfristigen Massnahmen. Der Bund soll Kompetenzen für eine aktive Überwachung der Versorgungssituation in der Schweiz mit Arzneimitteln und medizinischen Gütern erhalten.

Antibiotika
Der Bund soll Medikamente selbst kaufen oder deren Herstellung in Auftrag geben können. - keystone

So könnten gezielte Massnahmen getroffen werden. Dazu zählen wirtschaftliche Anreize, aber auch der Kauf von gewissen medizinischen Gütern durch den Bund oder Aufträge zur Herstellung.

Der Gegenvorschlag lege im Gegensatz zur Initiative den Schwerpunkt dort, wo der Handlungsbedarf am dringendsten sei: bei den häufig genutzten Medikamenten. Im Sinne des «One Health»-Ansatzes soll er auch Tierarzneimittel umfassen.

Kommentare

User #6077 (nicht angemeldet)

Man muss das Problem lösen, nicht überwachen. Aber der Bundesrat macht das eben am liebsten. Man beobachtet.

User #5091 (nicht angemeldet)

Der Bund will Provilaktisch etwas tun? Im voraus? Der Bund? Hier bei uns???

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