Vergewaltigung

Reality-TV-Skandal erschüttert Briten

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Grossbritannien,

Drei Teilnehmerinnen einer Reality-TV-Show werfen Mit-Teilnehmern Vergewaltigung vor. Die Politik und die Polizei sind aktiv geworden.

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Teilnehmerinnen der Reality-TV-Show «Married at First Sight» äussern schwere Vorwürfe. - pexels

Das Wichtigste in Kürze

  • Reality-TV-Teilnehmerinnen werfen ihren «Ehemännern» in der Show «Married at First Sight» Vergewaltigung vor.
  • Der Sender habe zu wenig für den Schutz der Kandidatinnen gemacht.
  • Die Polizei hat eine Person festgenommen, die Kulturministerin hat sich dazu geäussert.

Ein Reality-TV-Skandal erschüttert Grossbritannien und beschäftigt auch die Politik. Mehrere Teilnehmerinnen einer Show werfen Teilnehmern Vergewaltigung und sexuelle Belästigung vor.

Die Show «Married at First Sight» (zu Deutsch: Hochzeit auf den ersten Blick) verkuppelt Singles auf der Suche nach Liebe. Die Paare sehen sich am Hochzeitstag zum ersten Mal. Anschliessend gehen sie in die Flitterwochen und ziehen zusammen, was alles gefilmt wird.

In einer Investigativserie der «BBC» erzählten zwei Teilnehmerinnen, dass sie von ihren «Ehemännern» während der Dreharbeiten vergewaltigt worden seien. Eine von ihnen sagte auch, ihr «Partner» habe ihr gedroht, sie mit Säure zu überschütten.

«Du kannst nicht Nein sagen, du bist meine Ehefrau»

Eine der Kandidatinnen schildert den Vorfall: Sie sei mit ihrem «Ehemann» in der neuen, gemeinsamen Wohnung auf dem Sofa gesessen. Er habe Sex haben wollen, sie habe aber mehrfach Nein gesagt.

Seine Antwort: «Du kannst nicht Nein sagen, du bist meine Ehefrau.» Anschliessend habe er sie vergewaltigt. «Ich war wegen der Angst in einer Schockstarre», sagt das Opfer.

Influencerin Shona Manderson nahm 2023 an der Show teil und verzichtet gegenüber BBC auf Anonymität. Sie erzählt von nicht einvernehmlichen sexuellen Handlungen und wirft ihrem «Ehemann» sexuelles Fehlverhalten vor.

Kulturministerin enttäuscht von Reaktion des Senders

Die drei Frauen fordern mehr Schutz der Teilnehmerinnen während der Dreharbeiten. Der Sender habe sich nicht ausreichend um sie gekümmert, die Sicherheitsvorkehrungen seien mangelhaft gewesen. Eine der Betroffenen habe den Sender über die Vergewaltigung informiert, dennoch seien die Folgen ausgestrahlt worden.

Channel 4, der die Show ausstrahlt, wies die Vorwürfe als «völlig unbestätigt und umstritten» zurück. Als die BBC die Recherche im Mai dann ausstrahlte, nahm der Sender die Folgen von seiner Website. Zudem leitete er eine externe Untersuchung ein. Mittlerweile hat sich Channel-4-Chefin Priya Dogra auch entschuldigt.

Schaust du Reality-TV?

Das dürfte aber nicht ausreichen: Der Fall beschäftigt auch die Politik. Lisa Nandy, die britische Kulturministerin, sagte im Parlament, sie sei enttäuscht darüber, wie der Sender die Anschuldigungen handhabe. «Jede Person, auch in der Reality-TV-Industrie, hat das Recht, sich sicher zu fühlen und mit Würde behandelt zu werden.»

Wie «The Sun» berichtet, wurde Mitte Juni auch die Polizei aktiv: Sie nahm einen der Teilnehmer der Show wegen der Vorwürfe fest. Die Festnahme stehe im Zusammenhang mit einer laufenden Untersuchung, teilte sie mit. Der Mann sei gegen Kaution freigelassen worden, die Ermittlungen dauerten an.

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