Vergewaltigung

    «Seine Augen wurden schwarz»: Opfer schildert Weinstein-Vergewaltigung

    Vivian Balsiger
    Vivian Balsiger

    USA,

    «Ich wollte einfach nur überleben»: Jessica Mann schildert vor Gericht die mutmassliche Vergewaltigung durch den einstigen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein.

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    Harvey Weinstein soll Jessica Mann vergewaltigt haben. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Harvey Weinstein (74) steht in New York erneut vor Gericht wegen Vergewaltigungsvorwürfen.
    • Jessica Mann (40) schildert den sexuellen Missbrauch durch Weinstein.
    • Der Fall ist Teil der MeToo-Bewegung – über 80 Frauen erheben Vorwürfe gegen Weinstein.

    Um Harvey Weinstein (74) wird es einfach nicht ruhig.

    Der einstige Hollywood-Mogul steht schon wieder in New York vor Gericht. Wieder schwere Vorwürfe, wieder weltweite Aufmerksamkeit. Diesmal geht es um Vergewaltigung dritten Grades – jetzt entscheidet eine Jury aus zwölf Geschworenen über Schuld oder Unschuld.

    Im Zentrum: Jessica Mann (40). Eine Frau, die vom grossen Durchbruch träumte – und in einem Albtraum landete.

    Alles beginnt wie ein Hollywood-Drehbuch: Auf einer Verlobungsparty trifft die junge Frau Weinstein zufällig. Der mächtige Produzent zeigt sich charmant, macht Komplimente, stellt Ruhm und Rollen in Aussicht. «Du bist hübscher als Natalie Portman», soll er laut mehreren Medienberichten gesagt haben. Für die Nachwuchsschauspielerin die Chance ihres Lebens: «Ich dachte, ich wurde entdeckt», sagt sie gemäss «Bild»-Zeitung.

    Doch dann kippt die Stimmung.

    2013 kommt es zur Eskalation

    Weinstein lockt sie mit Castings, bittet sie immer wieder in Hotelzimmer. Anfang 2013, so Mann unter Tränen vor Gericht, sei es dort erstmals zu sexuellem Missbrauch gekommen. Monate später in New York: die mutmassliche Vergewaltigung.

    Trotzdem schweigt sie jahrelang. Erst 2018, als im Zuge von MeToo immer mehr Frauen ihre Stimme erheben, wagt auch sie den Schritt zur Polizei. Der Grund für ihr Schweigen: die Angst. «Ich wollte nicht alles riskieren, wofür ich so hart gearbeitet habe. Ich hatte Angst, auf eine schwarze Liste gesetzt zu werden», so Mann.

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    Harvey Weinstein wurde 2020 in New York zu 23 Jahren Haft verurteilt – doch das Urteil wurde aufgehoben und der Fall wird nun neu verhandelt. - keystone

    Und die Vorwürfe hören dort nicht auf: Auch in Los Angeles soll es Ende 2013 zu einer weiteren Vergewaltigung gekommen sein. Mann hatte Weinstein zuvor von ihrem neuen Freund erzählt – ein Moment, der alles eskalieren liess. «Seine Augen wurden schwarz», beschreibt sie die Szene.

    Was folgt, schildert sie erschüttert: Wienstein habe sie gepackt und gewaltvoll in ein Zimmer gezerrt. «Du schuldest mir noch einmal», soll er immer wieder gesagt haben.

    Daraufhin habe er ihr die Hose heruntergerissen. «Ich war wie gelähmt. Ich konnte mich nicht bewegen.» Er packt ihre Knöchel, zwingt sie zu sexuellen Handlungen und legt sich schliesslich auf sie. «Er hat mich mit seinem Gewicht erdrückt», sagt Mann völlig aufgelöst.

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    Jessica Mann (r.) war bereits 2020 als eine der Hauptzeuginnen im Weinstein-Fall vor Gericht. - keystone

    Und dann die nächste verstörende Wendung: Direkt im Anschluss soll Weinstein sich entschuldigt haben. «Tut mir leid, ich finde dich einfach so attraktiv», habe er gesagt. Gefolgt von der irritierenden Frage, ob «alles gut» sei und ob sie noch Freunde seien.

    Mann reagierte darauf aus reinem Überlebensinstinkt: «Ich sagte ja, ich wollte einfach nur überleben. Was hätte ich sagen sollen?»

    Mann sagte bereits 2020 vor Gericht aus

    Bereits 2020 sagte Jessica Mann als eine der Hauptzeuginnen im Weinstein-Prozess aus. Sie brach mehrfach in Tränen aus und erlitt eine Panikattacke – die Verhandlung musste unterbrochen werden.

    Im Prozess versuchten Weinsteins Verteidiger, ihre Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen. So habe Mann nach den Vorfällen 2013 weiter Textnachrichten geschrieben. Und auch per Mail nachgefragt, ob ihre Mutter Weinstein kennenlernen könne.

    Glaubst du, dass Harvey Weinstein ein weiteres Mal verurteilt wird?

    Der Fall Harvey Weinstein gilt als einer der zentralen Auslöser der MeToo-Bewegung, die 2017 entstand. Unzählige Frauen weltweit begannen, öffentlich über sexuelle Übergriffe durch Männer in Machtpositionen zu sprechen. Der Hashtag #MeToo verbreitete sich weltweit in sozialen Netzwerken.

    2020 zum ersten Mal verurteilt

    Auch juristisch zieht sich der Fall Weinstein bereits über Jahre: 2020 wird Weinstein in New York zu 23 Jahren Haft verurteilt. Doch 2024 folgt die überraschende Wende – das Urteil wird wegen Verfahrensfehlern aufgehoben, der Prozess neu aufgerollt. Deshalb muss er sich nun erneut vor Gericht verantworten.

    Parallel dazu wird er 2023 in Los Angeles erneut schuldig gesprochen – weitere 16 Jahre Haft. Insgesamt haben über 80 Frauen Vorwürfe gegen ihn erhoben. Weinstein selbst bestreitet bis heute alle Anschuldigungen.

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