Tiefes Selbstbewusstsein erhöht Suchtrisiko für Trash-TV
Eine Studie zeigt: Wer ein tiefes Selbstbewusstsein besitzt, ist anfälliger für eine Reality-TV-Sucht. Auch bei intelligenten Menschen zeigt sich der Effekt.

Das Wichtigste in Kürze
- Menschen mit einem geringem Selbstwertgefühl tendieren eher zu einer Reality-TV-Sucht.
- Die Betroffenen entwickeln dabei eine Art emotionale Abhängigkeit von den Formaten.
- Anders als Vorurteile vermuten lassen, kann dies auch intelligente Menschen betreffen.
Die einen lieben sie, die anderen hassen sie: Trash-TV-Formate wie «Der Bachelor» oder «Dschungelcamp». Doch wie kommt es, dass die Meinungen zu Reality-TV so stark auseinandergehen?
Verschiedene psychologische Untersuchungen zeigen, dass zwischen geringem Selbstwertgefühl und übermässigem Reality-TV-Konsum ein Zusammenhang bestehen könnte.
Forscher der Frankfurt University of Applied Sciences und der Goethe-Universität Frankfurt haben untersucht, wie das Selbstwertgefühl den Fernsehkonsum beeinflusst.
Geringer Selbstwert begünstigt Reality-TV-Sucht
Das Ergebnis ist eindeutig: Menschen mit einem niedrigen Selbstwertgefühl entwickeln häufiger eine Art emotionale Abhängigkeit von Reality-TV-Formaten. Ein geringes Selbstwertgefühl könne demnach die «Sucht nach Reality TV» begünstigen.
Ein zentraler Mechanismus ist laut der Studie der soziale Vergleich. Die Psychologie spricht dabei von der sogenannten «Social Comparison Theory».
Menschen mit unsicherem Selbstwert neigen dabei besonders zu sogenannten Abwärtsvergleichen. Das bedeutet: Sie vergleichen sich mit Personen, die sie als chaotischer oder weniger kompetent wahrnehmen.
«So schlimm bin ich wenigstens nicht»
Genau das bietet Reality-TV in grosser Menge. Streit, Kontrollverlust, Eifersucht und öffentliche Blossstellung erzeugt beim Zuschauer kurzfristig das Gefühl: «So schlimm bin ich wenigstens nicht.»
Ein weiterer Faktor ist gemäss der Studie die Flucht vor dem eigenen Alltag.
Zudem erzeugt Reality-TV eine Art künstliche soziale Nähe. Zuschauer entwickeln emotionale Bindungen zu Kandidaten, wie die Forscher der Frankfurt University beschreiben: Demnach betrachten Zuschauer Medienfiguren teilweise wie «vertraute Freunde».
Der entscheidende Unterschied
Menschen mit stabilem Selbstwert schauen diese Formate häufig ironisch, bewusst dosiert oder als gemeinsames Erlebnis mit Freunden. Es dient bei ihnen einzig und allein zur Unterhaltung.
Bei Menschen mit geringerem Selbstwert übernimmt das Medium dagegen häufiger eine andere Rolle. Es wird zum psychologischen Rückzugsort. Der Konsum dient dann nicht der Unterhaltung, sondern dem emotionalen Ausgleich. Das ist der entscheidende Unterschied.
Auch das verbreitete Vorurteil, nur Menschen mit geringer Bildung würden Trash-TV schauen, ist aus psychologischer Sicht falsch. Entscheidend ist nicht die Intelligenz, sondern der emotionale Zustand.

















