Kandidatinnen vergewaltigt?Vorwürfe gegen britische Hochzeits-Show

Luca Micheli
Luca Micheli

Grossbritannien,

Gegen die britische Datingshow «Married at First Sight UK» erheben mehrere Kandidatinnen schwerwiegende Vorwürfe. Die Rede ist von sexuellem Missbrauch.

Married at First Sight UK
An der britischen Datingshow «Married at First Sight UK» wird massive Kritik laut. - Channel 4

Das Wichtigste in Kürze

  • Gegen die britische Version von «Hochzeit auf den ersten Blick» werden Vorwürfe laut.
  • Drei frühere Kandidatinnen berichten von sexuellen Übergriffen während der Dreharbeiten.
  • Sender und Produktionsfirma hätten im Voraus nicht von den angeblichen Vorfällen gewusst.

In der Datingshow «Hochzeit auf den ersten Blick» treffen Singles nicht wie gewöhnlich bei einem Date, sondern direkt vor dem Traualtar aufeinander. Bevor sich das potenzielle Paar das Jawort gibt, wird es von einem Expertenteam aufgrund verschiedener Kriterien möglichst passend zusammengestellt.

Bei der britischen Version werden nun schockierende Vorwürfe öffentlich: Zwei Kandidatinnen erklären anonym, dass sie von ihren TV-Ehemännern vergewaltigt worden seien. Eine dritte Frau gab an, Opfer einer sexuellen Handlung ohne Zustimmung geworden zu sein. Dies zeigt eine Recherche der BBC-Investigativreportage «Panorama».

Die mutmasslichen Opfer werfen der Produktion von «Married at First Sight UK» vor, die Kandidatinnen nicht genug vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Laut «Panorama» wurde der verantwortliche Sender Channel 4 bereits vor Ausstrahlung der entsprechenden Folgen über die Vorwürfe der Protagonisten in Kenntnis gesetzt.

Channel 4
Channel 4, der ausstrahlende Sender von «Married at First Sight UK», reagiert auf die Vorwürfe der Protagonisten. - keystone

Abrufbar waren die Folgen dennoch bis zuletzt. Erst am Montag diese Woche zog der Sender die Reissleine und verbannte die Ausschnitte der mutmasslichen Opfer aus den Mediatheken und Social-Media-Angeboten.

Sender wehrt sich gegen Vorwürfe

Zu den Vorwürfen selbst: Laut dem BBC-Bericht erklärte eine Kandidatin, ihr TV-Ehemann habe sie vergewaltigt und ihr mit einem Säureangriff gedroht. Der Sex mit ihm sei bald gewaltvoll gewesen, und sie habe «immer wieder ‹Hör auf› gesagt».

Zunächst habe sie Angst gehabt, jemandem von den mutmasslichen Vorfällen zu erzählen, so die Frau. «Er sagte, wenn ich jemandem erzählen würde, was passiert ist, würde er jemanden beauftragen, Säure auf mich zu schütten.» Der Beschuldigte liess die Vorwürfe über seinen Anwalt bestreiten.

CPL
Die Produktionsfirma CPL bestreitet, vor der Ausstrahlung von den mutmasslichen Vorfällen gewusst zu haben. - Screenshot cplproductions.co.uk

Die Produktionsfirma CPL lässt über Anwälte verlauten, von der entsprechenden Kandidatin über die mutmasslichen Vorfälle nicht informiert worden zu sein. Es heisst, das Überschütten von Säure sei als beiläufige Bemerkung und nicht als Drohung gemeldet worden. Bei Unwohlsein der Frau hätte CPL sofort gehandelt, so die Anwälte.

Ausstrahlung trotz bekannter Vorfälle

Eine weitere Kandidatin berichtet von einer Vergewaltigung durch ihren TV-Ehemann. Laut eigener Aussage habe sie den Sender Channel 4 sowie die Produktionsfirma CPL im Voraus über die Vorfälle informiert. Dennoch seien ihre Folgen ausgestrahlt worden.

Hast du die Sendung «Married at First Sight UK» gesehen?

CPL bestreitet den Vorwurf jedoch. Die Kandidatin habe vor den Vergewaltigungsvorwürfen mitgeteilt, alle sexuellen Handlungen seien vollständig einvernehmlich gewesen. Das Unternehmen habe die Leitlinien befolgt und die Bedenken ernst genommen, erklären die Anwälte des TV-Produzenten.

«Strengste Schutzrichtlinien der Branche»

Eine dritte Frau mit dem Namen Shona Manderson beschuldigte ihren TV-Ehemann ebenfalls des sexuellen Fehlverhaltens. Die Kandidatin, die 2023 an dem Experiment teilnahm – berichtet, ihr Partner habe ohne ihre Zustimmung in ihr ejakuliert. Das habe zu einer ungewollten Schwangerschaft und einer Abtreibung geführt.

Shona Manderson
Shona Manderson nahm 2023 an «Married at First Sight UK» teil. Nun erhebt sie als eine von drei Frauen schwere Vorwürfe gegen ihren männlichen Drehpartner. - Instagram / @shoniemandy

Laut dem Sender Channel 4 wird das Dating-Experiment nach den «umfassendsten und strengsten Schutzrichtlinien der Branche» produziert. Dies beinhalte gründliche Hintergrundüberprüfungen, einen Verhaltenskodex, tägliche Rücksprachen mit den Mitwirkenden sowie ein spezielles Schutzteam.

Sender ordnet externe Überprüfung an

Bereits im April seien dem Sender «schwerwiegende Vorwürfe» gegen mehrere ehemalige «Married at First Sight UK»-Teilnehmer vorgelegt worden, berichtet der britische «Guardian». Channel 4 wies die entsprechenden Vorwürfe allerdings zurück.

Man habe nach den «welfare protocols», also den Leitfäden zum standardisierten Umgang mit Vorwürfen von Missverhalten, gehandelt, so die Begründung. Priya Dogra, die Geschäftsführerin von Channel 4, ordnete jedoch eine externe Überprüfung im Umgang mit den genannten «welfare protocols» an.

BBC
Priya Dogra, die Geschäftsführerin von Channel 4, bezieht Stellung zu den aktuellen Vorwürfen. - Screenshot BBC

«Ich möchte den Mitwirkenden, die nach ihrer Teilnahme an ‹Married at First Sight UK› sichtlich unter Stress standen, mein Mitgefühl aussprechen», erklärte Dogra in einer BBC-Stellungnahme nach Bekanntwerden der «Panorama»-Recherchen. «Das Wohlergehen unserer Mitwirkenden hat stets oberste Priorität.»

Kommentare

User #3892 (nicht angemeldet)

Teil des Marketing Konzeptes?

User #1594 (nicht angemeldet)

Laut einer aktuellen Studie macht es viel wacher, wenn man den Kaffee über die Tastatur schüttet, als wenn man ihn einfach nur trinkt.

Weiterlesen

Duffy
Nach Funkstille
-
Zum Muttertag
x
224 Interaktionen
KKS, Collien, Pelicot

MEHR IN PEOPLE

Sandra Safiulov
Veränderung
Donald Trump
Eingriff diese Woche
Filmfestival Cannes
Filmfestival
Kevin Spacey Cannes
1 Interaktionen
Mit Model

MEHR AUS GROSSBRITANNIEN

Easyjet
1 Interaktionen
Wegen Nahostkrieg
König Charles III.
13 Interaktionen
Fehlinformation
F-35
36 Interaktionen
Technische Probleme
Industrie DE
6 Interaktionen
London