Entführt und vergewaltigt: Sängerin Duffy packt in neuer Doku aus
Sängerin Duffy musste 2011 schwerste Zeiten durchstehen. Nach ihrem einmaligen Statement soll bald eine Dokumentation zu ihrem Vergewaltigungsfall erscheinen.

Das Wichtigste in Kürze
- Sängerin Duffy wurde 2011 Opfer von Entführung und Vergewaltigung.
- Bisher sprach die Britin nur einmal über die erschütternden Erlebnisse.
- Nun hat der Streaminganbieter Disney+ eine Doku zu ihrer Geschichte angekündigt.
Der 23. Juni 2011 markiert den wohl dunkelsten Tag im Leben von Duffy (41). Die Sängerin wurde entführt und vergewaltigt.
Neun Jahre dauerte es anschliessend, bis sie mit ihrem Schicksal an die Öffentlichkeit ging. Im Februar 2020 berichtete die Frau, die bürgerlich Aimee Ann Duffy heisst, auf ihrer Webseite erstmals von den furchtbaren Taten.
Diese hätten ihr «bereits ein Drittel meines Lebens genommen», schrieb sie damals. Nach diesem einmaligen Statement wurde es jedoch erneut ruhig um die Musikerin.
Streaminganbieter plant neue Doku
Doch jetzt, sechs Jahre später, werden die schrecklichen Wochen, die Duffy durchstehen musste, erneut zum Thema. Laut einem Bericht des US-Magazins «Variety» hat der Streaminganbieter Disney+ eine Dokumentation zur Biografie der Sängerin angekündigt.

Der Film werde «eine Retrospektive von Duffys Leben sein. Von ihrer Kindheit in Wales über ihren kometenhaften Aufstieg zum Ruhm. Bis hin zu ihrem Rückzug aus der Öffentlichkeit nach ihrem unfassbaren Erlebnis», erklärt Programmchefin Angela Jain.
Entsprechend gross ist die Verantwortung beim Produzententeam, wenn es um die Erzählung der schrecklichen Taten geht, das Thema ist heikel: «Sie hat uns ihre Geschichte anvertraut. Daher tragen wir eine grosse Verantwortung, damit sorgsam und einfühlsam umzugehen. Denn sie spricht zum ersten Mal über das, was ihr widerfahren ist.»
Somit wird es das erste Mal sein, dass die Sängerin nicht schriftlich, sondern vor Kameras über die Geschehnisse sprechen wird.
«Unter Drogen gesetzt und vier Wochen lang betäubt»
Sechs Jahre sind mittlerweile vergangen, seitdem die 41-Jährige erstmals über die erschütternden Details berichtete.
Nach jahrelanger Funkstille meldete sich Duffy damals auf einer Webseite, die sie extra für die Erzählung ihrer Geschichte erstellt hatte.

Gleich in der Einleitung warnte sie ihre Leser vor: «Bitte überspringen Sie die nächsten zwanzig Zeilen, wenn Sie den genauen Bericht über die Entführung nicht lesen möchten.»
Bis sie mit der Erzählung ansetzte: «Es war mein Geburtstag, ich wurde in einem Restaurant unter Drogen gesetzt und vier Wochen lang betäubt.»
«Er hatte mir angedeutet, mich töten zu wollen»
Was danach passiert war, konnte sich Duffy nicht mehr vor Augen führen: «Dann reiste ich in ein fremdes Land. Ich kann mich nicht erinnern, ins Flugzeug gestiegen zu sein, und kam erst in einem Fahrzeug wieder zu mir. Ich wurde in ein Hotelzimmer gebracht, und der Täter kam zurück und vergewaltigte mich. Ich erinnere mich an die Schmerzen und daran, wie ich danach im Zimmer um das Bewusstsein kämpfte.»

Wie sie die Phase damals überstanden hatte, konnte sich die Britin auch in ihren Schilderungen nicht erklären. Aber sie spürte eine besondere Kraftquelle: «Ich spürte die Anwesenheit von etwas, das mir half, am Leben zu bleiben.»
Da Duffy offenbar wusste, dass sie sich in unmittelbarer Gefahr befinde, versuchte sie, Ruhe zu bewahren: «Er hatte mir angedeutet, mich töten zu wollen.»
Den Weg zur Polizei nahm sie deshalb nicht auf sich. Zu gross war offenbar die Angst, dass sie sterben würde, «falls etwas schiefginge».
Duffy war nach Vorfall «stark suizidgefährdet»
Doch die psychischen Blessuren hinterliessen tiefe Spuren. Die Sängerin vereinsamte: «Ich sah manchmal wochenlang niemanden, (...) meine Haare waren so verfilzt, weil ich sie nicht kämmte, dass ich sie in meiner Trauer schliesslich ganz abschnitt.»
Schliesslich holte sie sich Hilfe bei einer Psychologin, um das Vergangene zu verarbeiten. «Ohne sie hätte ich es vielleicht nicht geschafft, ich war danach stark suizidgefährdet. Sie lernte mich kennen, sah mich als Person, erfuhr von mir und begleitete mich. Sie tat dies sehr einfühlsam», erinnerte sich die Sängerin.

Durch die jahrelange Abkapselung von der Gesellschaft fiel es der heute 41-Jährigen offenbar schwer, wieder einem Menschen gegenüberzustehen. Duffy gestand: «In den ersten acht Sitzungen konnte ich ihr nicht in die Augen sehen, Augenkontakt fiel mir schwer. Der Gedanke an eine Genesung schien mir fast unmöglich.»
«Jetzt wisst ihr es ... und ich bin frei»
Neun Jahre nach den erschütternden Taten entschied sich die Sängerin, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Grund für ihren Entscheid damals: Sie wollte nicht mehr länger schweigen. «Weil wir in einer Welt voller Leid leben und ich mich nicht länger dafür schäme, dass mich etwas tief verletzt hat.»

Die Offenlegung ihrer schrecklichen Erlebnisse empfand Duffy damals als Befreiungsschlag. Doch es sollte bei diesem einmaligen Statement bleiben, den Stress der Jahre wollte sie nun ganzheitlich ablegen: «Ich möchte zum ersten Mal ganz für mich allein erleben, wer ich wirklich bin. Einen Frieden spüren, den ich bisher nur halb empfunden habe.»
Zu diesem Zeitpunkt meinte sie fest entschlossen: «Ich kann dieses Jahrzehnt nun hinter mir lassen, dorthin, wo die Vergangenheit hingehört. Hoffentlich keine Fragen mehr wie ‹Was ist mit Duffy passiert?›, jetzt wisst ihr es ... und ich bin frei.»
Bald aber schlägt Duffy ihr dunkelstes Kapitel doch noch einmal auf ...
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