Es gibt kein Entfliehen vor dem Fluch der bösen Tat: In diesem Mafia-Thriller wird Tobias Moretti als erfolgsverwöhnter Winzer von seiner schäbigen Vergangenheit eingeholt.
Der Südtiroler Winzer Matteo DeCanin (Tobias Moretti) prüft in seinem Weinberg mit seiner Tochter Laura (Antonia Moretti) den Reifegrad der Weintrauben. Foto: Martin Rattini/good friends Filmproduktions GmbH/ZDF/dpa
Der Südtiroler Winzer Matteo DeCanin (Tobias Moretti) prüft in seinem Weinberg mit seiner Tochter Laura (Antonia Moretti) den Reifegrad der Weintrauben. Foto: Martin Rattini/good friends Filmproduktions GmbH/ZDF/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Er führt ein exzellentes Weingut inmitten der idyllischen Südtiroler Landschaft.

Der Winzer Matteo DeCanin (Tobias Moretti) hat es zu Ansehen und Wohlstand gebracht.

Seine Frau Stefania (Ursina Lardi) kümmert sich um die zahlungskräftige Kundschaft und die 19-jährige Tochter Laura (Antonia Moretti) weiss sich bei ihren treu sorgenden Eltern gut aufgehoben.

Da taucht aus dem Nichts ein mysteriöser Fremder auf: Nino Sorrentino (Fabrizio Romagnoli) kommt aus Kalabrien und zugleich aus der Vergangenheit von Matteo. Die beiden kennen sich aus einem anderen Leben, das Matteo endgültig hinter sich lassen wollte. Damals, vor mehr als 20 Jahren, hiess er noch Lorenzo und machte bereitwillig die Drecksarbeit für die Mafia - Mord inklusive.

Jetzt soll er für Nino wieder einen Job erledigen, und wenn er nicht spurt, schwebt seine Familie, die von der Mafia-Vergangenheit nichts weiss, in Lebensgefahr. Und der Polizei kann sich Matteo natürlich auch nicht anvertrauen. Der Zweiteiler «Im Netz der Camorra» läuft am Montag (6.9.) und Dienstag (7.9) jeweils um 20.15 Uhr im ZDF.

Der österreichische Regisseur Andreas Prochaska («Das Boot»), der zusammen mit Ben von Rönne auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, hat mit einer hochkarätigen Besetzung einen Mafia-Thriller inszeniert, der vor alllem als grosses Drama um Schuld und Sühne funktioniert. Es ist die Geschichte vom tiefen Fall des angesehenen Winzers und Familienvaters, der inmitten seines Wohlstands von seiner schmutzigen Vergangenheit eingeholt wird. Eine Art «Jedermann» zwischen Weinreben, nur dass der Tod hier Italienisch spricht.

Die dramaturgische Fallhöhe ist immens: Gerade noch probiert er mit seinem Kellermeister die edelsten Tropfen, wenig später wird er von seinem ehemalige Mafia-Kumpel, der ihn völlig in der Hand hat, brutal gedemütigt. Natürlich läuft diese Konstellation auf einen blutigen Showdown hinaus.

Für einen so versierten Schauspieler wie Tobias Moretti ist die Rolle des gefallenen Erfolgsmenschen kein Problem. Nur lässt ihm das viel zu statische Drehbuch kaum Entfaltungsmöglichkeiten: Er muss immer die gleiche, besorgte Miene zum bösen Spiel machen, sein schlechtes Gewissen läuft wie ein Schatten vor ihm her und verdunkelt alles.

Viel interessanter ist der Part des Polizeiermittlers Adrin Erlacher (Harald Windisch) angelegt. Der kommt still und nachdenklich daher. Seine ätzende Chefin (Melika Foroutan) behindert ihn, so gut sie kann, aber Erlacher ist Stoiker, und geht seinen Weg. Er rettet die illegale Migrantin und Zeugin Akua Mbaye (Precious Mariam Sanusi) vor den Mafiosi, und kann doch den Tod seines Kollegen Bernatti (Lukas Watzl) nicht verhindern. Das ist dann echte Tragik, die aber nicht so pathetisch daherkommt wie im Fall des Winzers.

Trotz einiger Ungereimtheiten bleibt dieser Zweiteiler bis zum Ende spannend. Für Tobias Moretti waren die Dreharbeiten übrigens eine Premiere: Er stand zum ersten Mal zusammen mit seiner Tochter Antonia vor der Kamera. Und die macht ihre Sache als höhere Tochter, die ihre eigenen Geheimnisse hat, richtig gut. Bis zum bitteren Ende, wo auch sie für die Sünden des gefallenen Vaters einen hohen Preis zahlt.

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