Die documenta 15 stand wegen antisemitischer Darstellungen in Kritik. Jetzt ziehen sich Hito Steyerl und Meron Mendel von der Ausstellung zurück.
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Hito Steyerls zieht sich von der documenta 15 zurück. - keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Meron Mendel und Hito Steyerl sind nicht mehr Teil der documenta 15.
  • Beide haben ihren Rückzug von der Kunstausstellung bekannt gegeben.
  • Die documenta gehört zu den wichtigsten Kunstausstellungen für Gegenwartskunst.

Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, wird der Schau nicht länger zur Seite stehen. Wegen antisemitischer Darstellungen wurde diese heftig kritisiert.

Später erklärte die deutsche Künstlerin Hito Steyerl ihren Rückzug von der Ausstellung. Mit ihr zieht eine der international wichtigsten Künstlerinnen ihre Arbeiten von der documenta ab. Über beide Rückzüge hatte zuvor der «Spiegel» berichtet.

Hito Steyerl hat kein Vertrauen mehr

Die in Berlin lebende Hito Steyerl gab ihren Entschluss in einer Mail an die Kunstausstellung in Kassel bekannt. Die 56-Jährige begründete ihren Schritt gegenüber der dpa in Berlin mit dem Rückzug Mendels von seiner Beratertätigkeit. «Ich werde mich nicht mehr an der documenta fifteen beteiligen», schrieb Steyerl. Sie habe kein Vertrauen in die Fähigkeit der documenta-Verantwortlichen, Komplexität zu vermitteln und zu übersetzen.

«Dies bezieht sich auf die wiederholte Weigerung, eine nachhaltige und strukturell verankerte inklusive Debatte rund um die Ausstellung zu ermöglichen. Sowie auf die faktische Weigerung, Vermittlung zu akzeptieren.» Das teilte Hito Steyerl mit.

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Aufsteller vor der Kunsthalle Fridericianum in Kassel werben für den Verkauf von Tickets für die documenta 15. Hito Steyerl zieht sich zurück. Foto: Uwe Zucchi/dpa - dpa

Zudem wolle sie das weiter andauernde Fehlen von organisatorischer Verantwortung nicht unterstützen. Das, in Bezug auf antisemitische Inhalte an einem zentralen Ort der documenta 15. Steyerl verwies auch auf «unsichere und unterbezahlte Arbeitsbedingungen für Teile des Personals», was im krassen Gegensatz stehe zur offiziellen Rhetorik.

Sie bitte das Produktionsteam, ihre Arbeit abzubauen, die Projektoren abzuschalten, die Pflanzen zu retten und alle Beschriftungen zu entfernen. Das schrieb die Künstlerin, die im Ottoneum eindrückliche Arbeiten gezeigt hatte.

documenta 15: Fehlende Rahmenbedingungen

Nur wenige Stunden zuvor hatte die Bildungsstätte Anne Frank Mendels Rückzug verkündet: «Vor mehr als zwei Wochen wurde eine Arbeit mit offen antisemitischer Bildsprache mitten in Kassel ausgestellt. Die documenta 15 hatte angekündigt, prüfen zu lassen, ob noch weitere Werke mit antisemitischen Motiven auf der Schau vertreten sind. Seit damals ist wenig passiert», teilte das Frankfurter Bildungs- und Beratungszentrum mit.

«Meron Mendel hat deshalb sein Angebot, die documenta 15 in der Sache zu beraten, zurückgezogen. Das, nachdem die Generaldirektorin weder geeignete Rahmenbedingungen geschaffen noch ein angemessenes Tempo an den Tag gelegt hat.»

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Meron Mendel zieht sich von der documenta 15 zurück. - keystone

Es gäbe auf der documenta 15 jede Menge Gutes. Aber bei der Auseinandersetzung mit dem aktuellen Antisemitismus-Skandal vermisse er den ernsthaften Willen, die Vorgänge aufzuarbeiten. So wird Mendel im «Spiegel» zitiert.

Die Leitung der documenta bezeichnete die Entscheidung Mendels als überraschend und erklärte, diese zu respektieren. Der Weg der Aufklärung und Aufarbeitung werde weiter konsequent fortgesetzt.

Im Austausch mit Kollektiven, Künstlerinnen und Künstlern habe die Künstlerische Leitung der documenta fifteen die Sichtung von Arbeiten übernommen. Anlassbezogen werde dabei die Einschätzung von Expertinnen und Experten eingeholt. Erste Ergebnisse lägen bereits vor.

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