Immer mehr Künstler bleiben dem «Fernsehgarten» fern – Kiewel ratlos
Einige Musiker verzichten konsequent auf einen Auftritt im «ZDF-Fernsehgarten». Gastgeberin Andrea Kiewel sieht die Promi-Flaute nicht als Zufallsproblem.

Das Wichtigste in Kürze
- Einige Musiker verzichten konsequent auf einen Auftritt im «ZDF-Fernsehgarten».
- Woran das liegt, kann sich Moderatorin Andrea Kiewel nicht erklären.
- Schlagersänger Roland Kaiser trat zuletzt 2016 auf, ihn vermisse die Gastgeberin sehr.
Woche für Woche sorgt der «ZDF-Fernsehgarten» in den Sommermonaten mit einem breiten Musikspektrum für Unterhaltung am Sonntagmittag. Der Dauerbrenner feiert in diesem Jahr sein 40. Jubiläum. Während die Quoten der sonntäglichen Kultshow beständig bleiben, ist beim Blick auf die Gästeliste ein Rücklauf festzustellen.
Denn: Immer mehr namhafte Künstler verzichten auf einen Auftritt in der Open-Air-Show. Eine Beobachtung, die Moderatorin Andrea Kiewel (60) bedauert – auch über den «Fernsehgarten» hinaus. «Es gibt ja kaum noch Musikshows mit richtigen Auftritten von Künstlern im deutschen Fernsehen», erklärt sie gegenüber «t-online».

Für die Gastgeberin, die die Sendung seit 26 Jahren präsentiert, geht es nicht um einzelne Absagen. Vielmehr stellt sie einen Wandel in der Musikbranche fest. Galten TV-Auftritte einst als Promotion-Pflichttermine für Künstler, erreichen sie ihr Publikum heute über Social Media, Streamingdienste und eigene Tourneen.
Der «Fernsehgarten» deckt mit seinen rund 20 Ausgaben pro Jahr verschiedenste Musikgenres ab. Ob Schlager, Pop oder Rock: Sowohl den rund 6000 Zuschauenden vor Ort wie auch dem Millionenpublikum vor den Bildschirmen wird ein abwechslungsreiches Portfolio angeboten.
Roland Kaiser fehlt seit zehn Jahren
Einige Stars zählen seit vielen Jahren zum Inventar der Kultshow, die regelmässig auch Newcomern die Bühne überlässt. In letzter Zeit jedoch scheint die prominente Gästeliste ausgedünnter. Einer der Namen ist Roland Kaiser, sein letzter Auftritt im «Fernsehgarten» liegt bereits zehn Jahre zurück.

Während der 74-Jährige bei Kiewels Kollegen Giovanni Zarrella (48) oder Florian Silbereisen (44) regelmässig seine Hits performt, meidet er die Open-Air-Show konsequent. Auch wenn über die konkreten Gründe nur spekuliert werden kann.
Kiewel, die Schlagerstar Kaiser «sehr vermisst», erklärt, dass es «nichts Persönliches» sei. «Es passt eben manchmal einfach nicht.»
Krach hinter den Kulissen
Auch Matthias Reim (68, «Verdammt, ich lieb' dich») stattete dem Format seit 2014 keinen Besuch mehr ab. Seine Begründung einst? Er wolle seine Musik nicht «zwischen Kochnischen und Akrobaten bei strahlendem Sonnenschein» präsentieren.
Andere Künstler rechneten gar öffentlich mit der Unterhaltungsshow ab. Roberto Blanco (88, «Ein bisschen Spass muss sein») etwa kritisierte die Vertragsbedingungen beim ZDF. Während «DSDS»-Sieger Pietro Lombardi (33) nach Streitigkeiten um seine Kopfbedeckung erklärte, nie mehr im «Fernsehgarten» aufzutreten.
Mittlerweile sind es aber nicht nur etablierte Stars, sondern auch Newcomer, die sich nicht (mehr) mit dem Image der Gute-Laune-Sendung identifizieren können. Das letztjährige deutsche ESC-Duo Abor & Tynna lehnte die Einladung öffentlich ab. Kiewel äusserte in der Show später ihren Unmut, deren Haltung fand die Moderatorin persönlich «zum Kotzen».
Kiewel verteidigt: «Sind sehr glücklich mit ihren Auftritten»
Dennoch sei der «Fernsehgarten» für viele Musiker weiterhin relevant, betont Kiewel. Als Beispiel nennt sie die traditionelle «Mallorca»-Ausgabe, die in den letzten Jahren jeweils als eine der ersten Shows komplett ausverkauft war. «In der High Season am Ballermann kommen Mickie Krause, Lorenz Büffel und Co. zu uns, oftmals mit beschwerlichen An- und Abreisen», erklärt Kiewel.

Ihre Schlussfolgerung: «Wäre der ‹Fernsehgarten› nicht relevant, nun ja, dann müsste ich singen. Will keiner, ich weiss.» Überhaupt stellt die Gastgeberin klar: «Die Sängerinnen und Sänger, die im ‹Fernsehgarten› performen, sind sehr, sehr glücklich mit ihren Auftritten.»
Aus welchen Gründen sich einzelne Stars dennoch fernhalten – und das auch konsequent, darüber möchte die 60-Jährige nicht urteilen. «Das müssen Sie die Künstler fragen», so Kiewel. Die Gage soll in dieser Diskussion allerdings keine Rolle spielen.

Für einen Auftritt im «Fernsehgarten» soll es eine Aufwandsentschädigung von 750 Euro geben, heisst es. Für namhafte Stars eine ziemlich mickrige Summe. Doch vielen geht es offenbar um mehr als um Geld, schreibt «t-online». Wichtig sei die Promotion, der Werbeeffekt und damit die Möglichkeit, sein Werk einer breiten Zielgruppe zu präsentieren.
















