Xenia Tchoumi

«Zeig mir, wie man Geld macht»: Xenia Tchoumi schrieb Epstein

In den jüngst veröffentlichten Epstein‑Dokumenten taucht der Name von Xenia Tchoumi über 80 Mal auf – inklusive Nachrichten, in denen sie um Finanztipps bat.

Xenia Tchoumi
Xenia Tchoumi schrieb Jeffrey Epstein an und wollte Finanztipps. - Instagram/Department of Justice

Das Wichtigste in Kürze

  • In den neuen Epstein‑Files wird Vize-Miss-Schweiz Tchoumi in rund 80 Dokumenten genannt.
  • Frühe E‑Mails zeigen, dass sie Jeffrey Epstein um Rat beim Geldverdienen bat.
  • Die Nachrichten stammen aus Dezember 2010 und Januar 2011.

In den Akten, die im Zuge der Epstein‑Files veröffentlicht wurden, taucht der Name der schweiz‑russischen Unternehmerin und Influencerin Xenia Tchoumitcheva auf – heute besser bekannt als Xenia Tchoumi.

Insgesamt ist sie in 81 Dokumenten erwähnt, darunter zahlreiche E‑Mails aus den Jahren 2010 und 2011.

Sie war jung und suchte jemanden, der ihr weiterhilft

Damals war sie Mitte 20, als sie offenbar einen Mann suchte, der ihr im Dschungel der Finanzen weiterhilft: Jeffrey Epstein, später verurteilt wegen schwerer Verbrechen und bekannt für sein weit verzweigtes Netzwerk.

In einer E‑Mail, die jetzt öffentlich ist, schrieb Tchoumi an Epstein: «Zeig mir, wie man Geld verdient.» Darüber berichtet heute «20 Minuten».

Daraufhin antwortete Epstein, er könne ihr via Skype seine «zwei wichtigsten Lektionen» beibringen – ob die Gespräche je stattgefunden haben, ist nicht belegt.

Mentor oder nur Kontakt?

Die Korrespondenz liest sich streckenweise wie von einer jungen Frau, die nach Orientierung sucht.

Tchoumi beginnt eine E‑Mail mit «My dear» – und bekommt daraufhin einen Tipp von Epstein: «Sprich niemanden mit ‹my dear› an.»

Sie entschuldigt sich, nennt ihn später «Boss» oder «Mentor» – letzteres allerdings einmal falsch geschrieben und von Epstein berichtigt.

Treffen in New York? Angeblich geplant

Einige E‑Mails deuten darauf hin, dass Tchoumi Ende Januar 2011 nach New York reisen wollte. Epstein schreibt demnach, sein Auto werde sie abholen, und erwähnt ein Abendessen. Ob es tatsächlich zu einem Treffen kam, bleibt unklar.

Xenia Tchoumi
Moderatorin Xenia Tchoumitcheva an den Miss-Schweiz-Wahlen im Centro Esposizioni in Lugano, am Samstag, 24. September 2011 - keystone

Im Februar 2011 endet der schriftliche Austausch. Später taucht ihr Name noch vereinzelt in LinkedIn‑Updates auf, aber keine weiteren E‑Mails sind in den Files enthalten.

Wer ist Xenia Tchoumi?

Tchoumi wuchs in Lugano auf, nachdem ihre Familie aus der ehemaligen Sowjetunion in die Schweiz zog. Sie ist als Model, Influencerin und Unternehmerin bekannt und war 2006 Zweite bei der Miss‑Schweiz‑Wahl.

Xenia Tchoumi
Xenia Tchoumi wurde neben Christa Rigozzi Zweite bei der Miss Schweiz-Wahl. - keystone

Heute hält sie Vorträge über Unternehmertum und Social‑Media‑Strategien und wohnt in London.

Wichtig: Die Erwähnung in den Epstein‑Files bedeutet nicht, dass sie von seinen Straftaten wusste oder daran beteiligt war. Die Dokumente zeigen lediglich, dass es Kontakt gab.

Epstein bekannte sich 2008 in Florida schuldig wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen.

Das sagt Xenia über Epstein

Gegenüber Nau.ch bezieht Xenia nun exklusiv Stellung: «In meinen frühen Zwanzigern, ganz am Anfang meiner beruflichen Laufbahn, wurde ich per E-Mail einer Reihe von Personen vorgestellt, die als potenzielle Mentoren im Bereich Finanzen und Wirtschaft präsentiert wurden. Einer dieser Kontakte war er (Epstein, Anm. d. Red.), über den ich zu diesem Zeitpunkt keine substanzielle Kenntnis hatte, abgesehen von dem, was mir über ihn vermittelt wurde.»

Xenia weiter: «Meine Interaktion mit ihm war kurz und beschränkte sich auf den E-Mail-Austausch. Ich suchte nach Investitions- und unternehmerischer Beratung. Sehr schnell fühlte ich mich in der Dynamik unwohl und zog mich zurück. Es gab keine fortlaufende Beziehung, Zusammenarbeit oder irgendeine Form weiterer Einbindung.»

Xenia hatte nur Email-Kontakt mit Epstein

Weiter schreibt sie: «Erfahrungen wie diese sind auch der Grund, weshalb ich mich stets zur Schwierigkeit geäussert habe, mit der junge Frauen beim Aufbau einer Karriere in männlich dominierten Umfeldern konfrontiert sind. Gerade zu Beginn eines beruflichen Werdegangs ist die Grenze zwischen Mentorship und Machtungleichgewicht oft unklar, und von Frauen wird erwartet, dieses Risiko allein zu navigieren.»

Xenia sagt, sie sei dankbar, dass ihr das digitale Unternehmertum später ermöglichte, eine unabhängige Karriere aufzubauen, ohne auf hierarchische Strukturen oder Gatekeeper angewiesen zu sein. «Dies bildet die Grundlage meines langjährigen Engagements für weibliche Autonomie, finanzielle Unabhängigkeit und selbstbestimmte berufliche Wege.»

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