Neue Epstein-Chats aufgetaucht: «Kuss aus der Schweiz»

Luna Gerber
Luna Gerber

Genève,

Die Schweiz als Knotenpunkt im Epstein-Netzwerk: Neu erschienene Dokumente zeigen, dass der Sexualstraftäter zu jungen Frauen aus der Schweiz Kontakt hatte.

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Neue Enthüllungen zeigen: Jeffrey Epsteins Missbrauchssystem reichte bis in die Schweiz. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeffrey Epstein hielt systematisch Kontakt zu Frauen aus der Schweiz
  • Epstein finanzierte Ausbildung, Reisen und Aufenthalte und schuf so Abhängigkeiten.
  • Nachrichten belegen intime Kontakte, problematische Inhalte und ein persönliches Treffen.

Das US-Justizministerium hat neue Ermittlungsakten zum Missbrauchsskandal um Jeffrey Epstein (ƒ66) freigegeben. Sie zeichnen ein Bild, das über die Schauplätze in den USA hinausreicht.

Die Schweiz spielte in Epsteins System eine grössere Rolle als bislang bekannt. Der «Sonntagsblick» berichtet nun über neue brisante Chats.

Im Material finden sich zahlreiche Hinweise darauf, dass der verurteilte Sexualstraftäter jahrelang enge Verbindungen in die Schweiz pflegte. Dies betrifft insbesondere junge osteuropäische Frauen.

Finanzielle Abhängigkeit als Methode

Ein zentrales Muster zieht sich durch die Dokumente: Epstein band junge Frauen gezielt finanziell an sich. Ausbildung, Reisen, Unterkunft. Sämtliche Kosten übernahm er, um Abhängigkeiten zu schaffen.

Besonders deutlich wird dies am Beispiel einer jungen Russin. Ihr sechswöchiger Sommerkurs an einer exklusiven Schule am Genfersee wurde vollständig von Epstein finanziert. Die Kosten beliefen sich auf 34’510 Franken.

Die Zahlung lief nicht direkt über Epstein selbst, sondern über seinen langjährigen Buchhalter Richard Kahn.

In vielen Fällen führte Epstein die Korrespondenz nicht selbst. Seine langjährige Assistentin Lesley Groff übernahm häufig die organisatorische Abwicklung: Visa, Flüge, Hotels, Termine.

Eine Frau aus Moskau schrieb Groff, der «Sir» habe ihr geraten, sich wegen finanzieller Fragen direkt an sie zu wenden. Sie benötige Geld für ein Ticket in die Schweiz, ein Hotel sowie zusätzliche Mittel für Schulmaterial, Verpflegung und Ausflüge.

Die Anrede «Sir» taucht in den Akten immer wieder auf. Dies weise laut Ermittlern auf ein starkes Machtgefälle hin.

Persönliche Treffen und Reisen

Mehrere Nachrichten belegen, dass es auch zu persönlichen Begegnungen kam.

In einem SMS teilt eine Frau Epstein mit, sie habe soeben ein Visum für die Schweiz erhalten. Epstein antwortet umgehend und kündigt an, sie noch am selben Tag zu treffen.

Nach ihrer Ankunft bedankt sich die Frau überschwänglich für das «Abenteuer». Wenige Tage später schickt sie ihm ein Foto vom Genfersee und schreibt, sie habe das alles ihm zu verdanken.

Intime Mails und problematische Zitate

Besonders brisant: In einer Nachricht aus dem Oktober 2014 wird er aus der Schweiz mit einem literarischen Zitat aus Nabokovs «Lolita» angesprochen. Ein Roman, der sich mit sexualisierter Gewalt an Minderjährigen befasst.

Die Absenderin spricht von «Assistentinnen», mit denen er «machen könne, was er wolle». «Mein gefährlicher Jeffrey», schreibt sie.

Und beendet die Nachricht mit den Worten: «Kuss aus der wunderschönen Schweiz».

Müssen Schweizer Behörden die neuen Epstein-Dokumente aktiv untersuchen?

Weitere Nachrichten zeigen vertraute, unterwürfige Töne: Frauen berichten von ihrem Alltag in der Schweiz, von Konzerten in Lugano, von Schulbesuchen oder schicken ihnen Fotos und Herz-Emojis.

Wie der «Sonntagsblick» festhält, ist das tatsächliche Ausmass der Schweizer Verbindungen im Fall Epstein schwer abzuschätzen. Zahlreiche Namen sind in den Akten geschwärzt, da US-Gesetze den Schutz der Opfer vorschreiben.

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