Nach einem Nau.ch-Bericht zu mehreren Suizid-Szenen in der SRF-Serie «Wilder» schaltet sich die Uni Zürich ein. Jetzt gibt's eine Anpassung.
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Rosa Wilder versucht, den Suizid zu verhindern. - Screenshot SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Gleich zwei Mal zeigt SRF-«Wilder» ausführlich Suizid im Internet und TV.
  • Experten kritisierten SRF scharf und warnten vor Nachahmungstätern.
  • Nach einem Nau.ch-Bericht schritt sogar der Kanton Zürich im Leutschenbach ein.
  • Mit Erfolg: Nun steht ein Warnhinweis vor der Sendung.

SRF schockt in seiner erfolgreichen Krimiserie «Wilder» mit gleich zwei ausführlichen Suizidszenen. Eine davon dauert gar lange 15 Sekunden.

Experten warnten bei Nau.ch vor Nachahmungstätern.

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Die Noch-Ehefrau von Handwerker Zingg muss tatenlos zusehen, wie er von der Staumauer springt.
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Die Bus-Chauffeurin erleidet wegen des Sprung vors Fahrzeug einen Schock.
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Zingg kurz vor seinem Sprung von der Staumauer.
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Elias kurz vor seinem Sprung.

Trotz aller Warnungen beharrte man bei SRF auf den umstrittenen Szenen.

Bis jetzt. Denn: Nach dem Nau.ch-Bericht intervenierte sogar der Kanton Zürich am Leutschenbach. Mit Erfolg.

«SRF hat auf unser Anraten hin und nach einem konstruktiven Austausch am Anfang der Sendung eine Triggerwarnung eingefügt. Und am Schluss die Webseite ‹Reden kann retten› und die Nummer 143 eingeblendet.» Das sagt Annett Niklaus von der Präventionsstelle der Uni Zürich.

Vor der Sendung ist zu lesen, darin werde «Suizid thematisiert». Dies könne «für betroffene Menschen belastend sein». Das ist gelinde ausgedrückt. Denn die expliziten Darstellungen könnten sogar «seelisch gesunde Zuschauer traumatisieren», warnte Jörg Weisshaupt vom Verein für Suizidprävention Ipsilon.

Auch beim Kanton Zürich ist man noch nicht ganz zufrieden. «Aus suizidpräventiver Sicht wäre es wünschenswert, solche Szenen in keinem Film zu sehen», so Niklaus.

Beim Sender hält man die Brutalo-Szenen noch immer für nötig. Urs Fitze, Bereichsleiter Fiktion, rechtfertigt: «Die Szenen aus dem Film zu entfernen, stand nicht zur Diskussion.» Man wolle das Thema nicht «noch stärker tabuisieren».

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Brauchen Sie Hilfe?

Sind Sie selbst depressiv oder haben Sie Suizidgedanken? Dann kontaktieren Sie bitte umgehend die Dargebotene Hand (www.143.ch).

Unter der kostenlosen Hotline 143 erhalten Sie anonym und rund um die Uhr Hilfe. Die Berater können Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen. Auch eine Kontaktaufnahme über einen Einzelchat oder anonyme Beratung via E-Mail ist möglich.

Hilfe für Suizidbetroffene: www.trauernetz.ch

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