Die stark steigenden Gaspreise infolge des Ukraine Krieges führen bei Betrieben und Haushalten zu erheblichen Mehrkosten.
Lyss
Im Container bei der Autobahnausfahrt Lyss-Nord wird das Gas für die gegenüberliegende Tankstelle verdichtet. - Zvg

Die Seelandgas AG betreibt in Lyss und Umgebung ein Netz von Gasleitungen, das Betriebe und Haushaltungen versorgt. Betriebe mit energieintensiven Prozessen wie Feintool, Zuckerfabrik Aarberg oder GZM sind auch die Aktionäre der Seelandgas AG. Diese Unternehmen beziehen den grössten Anteil des durch die Seelandgas vertriebenen Erdgases.

Die Gaspreise haben sich im Vergleich zum Vorjahr vervielfacht. Das führt zu massiven Mehrkosten bei den Gasbezügern. Trotzdem halten die meisten Betriebe an Gas als Energieträger fest, da Erdgas als Prozessgas ein unverzichtbarer Energieträger für die Industrie darstellt. Erdgas hat eine sehr hohe Energiedichte und kann so universell eingesetzt werden. Bisher will nur einziger Betrieb auf andere Energieträger umsteigen, erklärte der Geschäftsleiter Andreas Mori auf Anfrage.

Erdgas ökologischer als Öl

Seelandgas betont auch den ökologischen Aspekt von Erdgas. Erdgas wird unterirdisch in Rohrleitungen zum Kunden transportiert. Die Kundschaft bezahlt nur das Gas, das bezogen wurde. Würde der Energieträger Erdgas im Versorgungsgebiet der Seelandgas AG durch Öl ersetzt, wären dafür über 1’200 LKW-Fahrten mit je 30’000 Liter Tankwagen-Inhalt pro Jahr nötig.

Obschon die Gaspreise explodieren, will Seelandgas ihr Netz weiter ausbauen, denn aktuell werden neue Haushalte ans Gasnetz angeschlossen. Die Seelandgas kauft ihr Gas nicht direkt im Ausland ein, sondern bezieht es von Grosshändlern wie dem Gasverbund Mittelland AG.

Folglich hat die Seelandgas AG kaum Spielraum in der Preisgestaltung. Rund 35 Prozent des Erdgases in der Schweiz kommt via Deutschland aus Russland. Wird die Gaslieferung aus Russland gestoppt, wird die Nachfrage bei den übrigen Gaslieferanten wie zum Beispiel Norwegen entsprechend ansteigen. Der Verband der Schweizerischen Gasindustrie sieht den Kauf von Flüssiggas aus Katar als Möglichkeit.

Biogas-Anteil bei Lysser Heizgas soll fortlaufend erhöht werden

Allerdings ist diese Gasproduktion aufwendig und teuer, weniger umweltfreundlich und das verflüssigte Gas muss mit Schiffen nach Europa transportiert werden. Ein anderer Weg ist der Ausbau der Biogas-Produktion. Zur Zeit werden dem Lysser Heiz-Gas bereits 25% Biogas beigegeben.

Geschäftsleiter Andreas Mori sieht es als realistisch, diesen Anteil innert Jahresfrist noch um 5 bis 10% zu erhöhen. An der Erdgas-Tankstelle in Lyss werden aktuell 40% Biogas beigemischt. Auch dies ein wesentlicher Teil, um die Gemeinde Lyss auf dem Weg zum Energie Label Gold zu unterstützen. Die Verfügbarkeit von Gas aufrecht zu erhalten wird in den kommenden Monaten eine Herausforderung bleiben – in ganz Europa, nicht nur in Lyss.

Mehr zum Thema:

Energie Lyss