SP-Vorstoss soll Ungleichheit im Gesundheitswesen verhindern

SP Luzern
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Die SP Kanton Luzern regt im Mai 2026 eine wissenschaftliche Prüfung des Gesundheitssystems an, um ungleichen Behandlungen in der Praxis entgegenzuwirken.

Frau, Arzt
Frauen haben andere Bedürfnisse in der Gesundheitsversorgung als Männer. - Depositphotos

Die SP Kanton Luzern fordert in einem Vorstoss eine Überprüfung möglicher Ungleichheiten in Diagnostik und Gesundheitsversorgung. Ziel ist eine Gesundheitsversorgung, in der alle Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder sozialem Hintergrund gleichwertig behandelt werden.

Der Vorstoss verlangt eine wissenschaftlich fundierte Prüfung, wie diagnostische Unterschiede reduziert und die Qualität der Versorgung für die gesamte Bevölkerung verbessert werden können.

Diagnostik ist nicht für alle gleich

Die medizinische Versorgung in der Schweiz ist grundsätzlich von hoher Qualität. Gleichzeitig zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen in gleichem Masse von dieser Qualität profitieren. Unterschiede bestehen unter anderem beim Zugang zur Versorgung sowie in Diagnostik und Behandlung.

«Eine gute Gesundheitsversorgung bedeutet nicht nur moderne Medizin, sondern auch, dass Krankheiten bei allen Menschen gleich gut erkannt werden», so Sara Muff, Kantonsrätin SP und Pflegefachfrau.

Wenn Symptome unterschiedlich wahrgenommen werden

Besonders relevant ist die Diagnostik. Studien zeigen, dass Symptome bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen teilweise anders eingeordnet oder später abgeklärt werden. Ursachen dafür können kommunikative Barrieren, unterschiedliche Krankheitspräsentationen sowie unbewusste oder sogar bewusst rassistische  Vorannahmen im medizinischen Alltag sein.

Historisch auf einen normierten Referenzkörper ausgerichtet

Der Vorstoss greift zudem ein strukturelles Problem auf: Medizinische Forschung, Ausbildung und klinische Leitlinien basieren historisch häufig auf einem normierten Referenzkörper, der sich primär an weissen, männlichen Patienten orientiert. Unterschiede hinsichtlich Hautfarbe, Geschlecht oder sozialen Lebensrealitäten wurden dadurch lange weniger systematisch berücksichtigt.

Die Folgen zeigen sich konkret in der Praxis. So wird beispielsweise ein Malignes Melanom bei Schwarzen Menschen zwar seltener diagnostiziert, jedoch häufiger erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt. Ein Grund dafür ist, dass dermatologische Lehrbilder und diagnostische Kriterien überwiegend auf helle Haut ausgerichtet waren.

Auch in anderen Bereichen zeigen Studien Unterschiede, etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronischen Schmerzsyndromen.

Versorgung verbessern statt Schuldzuweisungen

Für die SP ist klar: Es geht nicht um individuelle Vorwürfe gegenüber Gesundheitspersonal, sondern um strukturelle Verbesserungen im System. Der Vorstoss fordert deshalb eine Prüfung, wie auch Fachpersonen stärker sensibilisiert, diversitätssensible Leitlinien gestärkt und Zugangsbarrieren reduziert werden können.

«Wenn Erkrankungen aufgrund struktureller Hürden später erkannt werden, verschlechtert das nicht nur die Prognose für Betroffene, sondern führt langfristig auch zu höheren Gesundheitskosten, vor allem aber zu persönlichem Leid», so Sara Muff.

«Eine gute Gesundheitsversorgung bedeutet nicht nur moderne Medizin, sondern auch, dass Krankheiten bei allen Menschen gleich gut erkannt werden.»

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