Jetzt wollen Arbeitgeber Bewerber bei KI enttarnen
HR-Abteilungen haben zunehmend Mühe, die Authentizität von Bewerbungen zu erkennen. Ein Jobinserat bittet um KI-Transparenz.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Schweizer Stiftung setzt in einem Jobinserat auf KI-Transparenz.
- Die Stiftung stellt fest, dass sich Lebensläufe wegen KI zunehmend ähneln.
- Von einer pauschalen KI-Deklarationspflicht hält der HR-Verband HR Swiss jedoch nichts.
Künstliche Intelligenz bringt Bewerbungsdossiers zum Glänzen. So nutzen rund zwei Drittel KI-Tools, um ihre Bewerbungsunterlagen zu erstellen oder zumindest zu optimieren. Dies zeigt eine aktuelle Studie der Arbeitsmarktbeobachtung Amosa.
Doch das gefällt nicht allen: Erste Firmen wollen Bewerberinnen und Bewerber jetzt enttarnen. Ein Jobinserat bittet die Bewerbenden etwa, «im Sinne der Transparenz» den Einsatz von KI-gestützten Hilfsmitteln anzugeben. Konkret will das HR erfahren, «ob und in welchem Umfang» bei der Erstellung der Bewerbungsunterlagen KI eingesetzt wurde.
Das Inserat stammt von Mercator Schweiz, einer Stiftung mit Sitz in Zürich, die gemeinnützige Projekte fördert. Für die kürzlich ausgeschriebene Stelle als Portfoliomanagerin oder Portfoliomanager im Bereich Digitalisierung setzt sie erstmals auf KI-Transparenz.
«Wenig originell paraphrasiert»
Francesca Giardina ist Themenverantwortliche Digitalisierung und Gesellschaft bei der Stiftung. Offensichtlich festzustellen sei der Einsatz von KI-Tools bei den Lebensläufen, sagt sie zu Nau.ch. Denn diese ähnelten sich in den Formulierungen und der Gestaltung immer mehr.
«Auch sehen wir zuletzt öfter, dass in den Motivationsformulierungen Teile unserer Webseite wenig originell paraphrasiert in den Ausführungen vorkommen.» Dies sei in einem Umfang der Fall, den sie vor ein, zwei Jahren so noch nicht hätten feststellen können.
Mit der KI-Transparenz wolle die Stiftung einerseits mehr über den Einsatz von KI im Berufsalltag lernen, sagt Giardina. Andererseits wollten sie damit erfahren, ob die Kandidatin oder der Kandidat ihren Einsatz von KI einordnen könnten. «Denn die ausgeschriebene Stelle hat einen direkten Bezug zum bewussten und reflektierten Einsatz von Technologien.»
Herausfordernd für HR-Personal
Das Beurteilen von Bewerbungen ist für das HR-Personal schwieriger geworden. «Für uns wird es anspruchsvoller zu erkennen, wie stark eine Bewerbung tatsächlich die individuelle Persönlichkeit, Kommunikationsfähigkeit oder Eigenleistung widerspiegelt.» Dies sagt Jessica Silberman Dunant, Präsidentin des Schweizer HR-Verbands HR Swiss.
KI könne Bewerbungen sprachlich stark verbessern und vereinheitlichen, sagt Silberman Dunant. Dadurch würden Unterlagen professioneller, aber teilweise leider auch austauschbarer und weniger individualisiert.
HR Swiss begrüsst Transparenz im Bewerbungsprozess grundsätzlich. Voraussetzung sei, dass die Angabe über den Einsatz von KI-Tools kein diskriminierendes Kriterium darstelle, sagt Silberman Dunant.
«Könnte verunsichern»
Eine pauschale Pflicht zur Deklaration von KI befürwortet HR Swiss aber nicht. KI sei ein etabliertes und zudem auch total legales Arbeitsmittel geworden, sagt die Verbandspräsidentin.
Auch werde es im Berufsalltag vieler Funktionen selbstverständlich eingesetzt. «Eine verpflichtende Offenlegung könnte Bewerbende verunsichern oder zu strategischen Antworten führen, ohne einen echten Mehrwert für die Auswahlentscheidung zu bringen.»
Dennoch sieht der Verband auch Grenzen für den Einsatz von KI.

«Nicht geeignet ist KI unserer Meinung nach dort, wo persönliche Erfahrungen, Motivation oder konkrete Leistungen beschrieben werden sollten.» Eine Bewerbung sollte laut Silberman Dunant immer die individuelle Stimme der Bewerberin oder des Bewerbers behalten.
Der Schweizerische Arbeitgeberverband erachtet es als nachvollziehbar, dass Arbeitgeber aus Gründen der Transparenz wissen möchten, ob KI eingesetzt wurde.
«KI kann sehr professionelle und formal einwandfreie Bewerbungen erzeugen, die sich stark ähneln», sagt Mediensprecher Stefan Heini. Für Arbeitgeber werde es dadurch schwieriger, allein anhand der Unterlagen Rückschlüsse auf Persönlichkeit, Motivation und individuelle Ausdrucksfähigkeit zu ziehen.
«Persönliche Gespräche, Arbeitsproben oder andere Auswahlinstrumente gewinnen deshalb an Bedeutung.»













