Die Stadt Arbon stellt sich die Frage, ob die Corona-Krise auch Chancen für die Kleinstadt bietet.
Arbon
Die Stadt Arbon. - Gemeinde Arbon

Für die Experten des Schweizer Raumplanungsverbands EspaceSuisse ist klar: Die Corona-Krise wirkt sich auch auf die Entwicklung von Städten und Ortskernen aus. Für die Zeit nach der Pandemie haben sie Thesen erarbeitet. Sie sind sich einig: Die Krise bietet auch Chancen – auch für eine Kleinstadt wie Arbon.

Eine globale Pandemie mit weitreichenden gesellschaftlichen Auswirkungen schlägt sich auch in der Entwicklung von Städten und Ortskernen in der Schweiz nieder. Zwar ist noch nicht völlig klar, was nach der Krise wirklich anders sein wird. Dennoch erkennen Experten bereits erste Trends.

Der Einkauf wandelt sich weiter

Für Paul Dominik Hasler, Netzwerk Altstadt/EspaceSuisse, steht fest: Der stationäre Handel muss sich noch mehr dem Druck aus dem Internet stellen. Zusammen mit der Corona-Krise wird das für einige Läden das Ende bedeuten.

Andere Geschäfte haben wegen Corona eine neue Kundschaft und Bedeutung gewonnen – und zugelegt. «Der lokale Einkauf kann dann überzeugen, wenn er gute Produkte, eine persönliche Beratung und ein angenehmes Umfeld bietet», sagt Hasler. «Gerade im Bereich Lebensmittel stellt dies eine Chance dar.

Die Aufwertung des Aussenraumes in der Altstadt, verbunden mit einer Handvoll innovativer Läden, ist eine Perspektive. Umgekehrt bleibt in der Arboner Altstadt das Problem der weit entfernten Grossverteiler.»

Das Arbeiten organisiert sich neu

Beim Arbeiten sieht Paul Dominik Hasler vielfältige Trends. Hier rechnet er mit einer Chance für Kleinstädte. «Statt dass die Leute zuhause ihr Büro einrichten, entstehen gemeinsame regionale Büros, also Co-Working-Bereiche», erläutert er. «Die Kombination von Arbeitsplätzen, Läden, Gastroangeboten und Kinderbetreuung ist attraktiv.» Kleinstädte wie Arbon könnten für die Region zum Arbeitsschwerpunkt werden.

Co-Working ist in leerstehenden Ladenlokalen möglich, was den Erdgeschossen eine neue Nutzung bescheren könnte. Es sei sogar denkbar, dass grosse Firmen regionale Büros einrichten, in denen man gemeinsam arbeitet. Auch dafür seien Regionalzentren aufgrund ihrer Erreichbarkeit gut geeignet.

Der Tourismus wird lokaler

Ein dritter Trend war in Arbon bereits deutlich spürbar: Der Tourismus erfährt derzeit einen starken Impuls durch Gäste aus dem Inland. Auch wenn das wieder abebben wird, bleibt doch für viele die Schweiz ein attraktives Reiseziel, vor allem in den Bereichen Wandern, E-Bike, Natur und Wellness.

Dabei sind laut Hasler kleine, individuelle Strukturen wie Ferien auf dem Bauernhof oder Bed & Breakfasts gefragt: «Die Altstadt Arbon eignet sich ideal, mehr sogenannte Parahotellerie anzubieten, also Übernachtungsmöglichkeiten ausserhalb von klassischen Hotels. Kombiniert mit lokalen Freizeitangeboten und Gastronomie liesse sich von April bis Oktober einiges an Lebendigkeit generieren.»

Natürlich werden genannte Effekte nicht von alleine Früchte tragen. Man muss sie erkennen und geschickt umsetzen. Hierzu befindet sich Arbon in diversen Strategieprozessen, in welchen die Altstadt, das attraktive Seeufer und die «Neue Stadtmitte» vernetzt werden sollen.

Der Prozess zur Erarbeitung der «Nutzungsstrategie Altstadt Arbon» ist angelaufen und wird von der Begleitgruppe engagiert unterstützt. Im Mai werden Workshops mit Gewerbetreibenden sowie Hauseigentümern aus der Altstadt durchgeführt.

Die Experten von EspaceSuisse sind zuversichtlich, im Herbst ein Set an Massnahmen für eine positive Entwicklung der Altstadt präsentieren und dieses mit der Bevölkerung diskutieren zu können.

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