Schweizer Technologie: Smarter Einkaufswagen für Blinde
Ein smarter Einkaufswagen soll sehbehinderten Menschen selbstständiges Einkaufen ermöglichen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die OST entwickelt einen autonomen Einkaufswagen mit KI.
- Das System führt Nutzer durch den Supermarkt und findet Produkte.
- Erste Tests laufen bereits in einer Migros-Filiale.
Einkaufen im Supermarkt ist für blinde und sehbehinderte Menschen oft eine grosse Herausforderung. Orientierung im Laden, wechselnde Produktplätze oder das Finden einzelner Artikel sind ohne Hilfe schwierig. Ein Forschungsprojekt der OST – Ostschweizer Fachhochschule will das nun ändern.
Mit dem Projekt VIRAS (Visually Impaired Robot-Assisted Shopping) entwickeln die Forschenden einen intelligenten Einkaufswagen, der Nutzer autonom durch den Laden führt – vom Erfassen der Einkaufsliste bis zum selbständigen Check-out und der Bezahlung. Anderen Kundinnen und Kunden sowie Hindernissen weicht der Wagen selbstständig aus.
Der smarte Einkaufswagen nutzt Kameras, künstliche Intelligenz und 3D-Karten, um sich im Supermarkt zu orientieren. Vor dem Einkauf wird eine Einkaufsliste per App erstellt oder per Barcode übernommen.
Anschliessend navigiert der Wagen automatisch zu den gewünschten Produkten. Mithilfe von KI erkennt der Einkaufswagen Regale und identifiziert Artikel per Bilderkennung. Akustische Hinweise helfen den Nutzern, das richtige Produkt zu greifen. Gleichzeitig verfolgt ein System die Handbewegungen und unterstützt Schritt für Schritt beim Zugriff ins Regal.
Der Wagen bewegt sich nur auf Befehl des Nutzers. Die Geschwindigkeit wird über eine Art «Gaspedal» gesteuert. Das soll Sicherheit und Kontrolle gewährleisten. Die Technik ist modular aufgebaut und kombiniert Sensoren, Sprachsteuerung und Echtzeit-Datenverarbeitung.
Mehr Selbstständigkeit im Alltag
Der Einkaufswagen soll Betroffenen ermöglichen, wieder selbstständig einzukaufen. Das Ziel: mehr Unabhängigkeit und bessere Teilhabe am Alltag. In der Schweiz sind rund vier Prozent der Bevölkerung von einer Sehbehinderung betroffen. Eine Umfrage zeigt, dass die grosse Mehrheit Interesse an einer solchen Lösung hat.
VIRAS wird derzeit unter realen Bedingungen in einer Migros-Filiale in Hinwil getestet. Ziel ist es, das System weiter zu optimieren und alltagstauglich zu machen.
Langfristig soll der Nutzerkreis erweitert werden: Neben blinden und sehbehinderten Menschen könnte der Einkaufswagen auch älteren Personen, Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder eingeschränkter Mobilität helfen.
Auch Kundinnen und Kunden ohne Einschränkungen könnten ihn künftig als Navigationshilfe nutzen, um Produkte schneller zu finden. Zudem sollen Funktionen zur Warenbestandskontrolle implementiert werden. Dazu zählt die Möglichkeit, die Produktverfügbarkeit in Echtzeit abzurufen.













