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IWF senkt Prognosen für Weltwirtschaft

Simon Binz
Simon Binz, Keystone-SDA

USA,

Die blockierte Strasse von Hormus treibt Energiepreise in die Höhe – und zwingt den Internationalen Währungsfonds zu einer düsteren Neubewertung.

Die blockierte Strasse von Hormus führt zu teureren Spritpreisen und einer höheren Inflation. Deswegen schraubt der Internationale Währungsfonds (IWF) nun seine Erwartungen für die ...
Die blockierte Strasse von Hormus führt zu teureren Spritpreisen und einer höheren Inflation. Deswegen schraubt der Internationale Währungsfonds (IWF) nun seine Erwartungen für die ... - KEYSTONE/AP NY/Bill Foley

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Blockade von Hormus und hohe Energiepreise sorgen für schlechtere Wachstumsprognosen.
  • Im schlimmsten Fall droht der Weltwirtschaft mit rund zwei Prozent Wachstum eine Rezession
  • Der IWF warnt vor Alleingängen und fordert gezielte, zeitlich begrenzte Massnahmen.

Noch zu Jahresbeginn schien eine vorsichtige wirtschaftliche Stabilisierung in Reichweite. Sinkende Inflation, moderate Zinspolitik, neue Investitionen in Technologie – Ökonomen weltweit sahen Anzeichen einer Erholung. Dann eskalierte der Krieg im Nahen Osten. Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran zeigen Energiepreise und Konjunkturindikatoren jedoch plötzlich deutlich nach unten. Selbst eine globale Rezession ist nicht mehr ausgeschlossen.

Wie stark macht dir die Wirtschaftslage wegen des Iran-Kriegs Sorgen?

Der Internationale Währungsfonds (IWF) schreibt anlässlich seines neuesten Ausblicks deshalb: «Erneut droht die Weltwirtschaft aus der Bahn zu geraten." Waren es vergangenes Jahr noch «höhere Handelsbarrieren und verstärkte Unsicherheit» – eine mildernde Umschreibung für die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump – belasten jetzt das eingebrochene Angebot von Rohstoffen infolge der blockierten Strasse von Hormus und die Unsicherheit durch den Krieg.

Alle Szenarien schlechter als erwartet

In seinem neuen «World Economic Outlook» arbeitet der IWF mit drei Szenarien – und alle fallen schlechter aus als noch vor wenigen Monaten erwartet. Im günstigsten Fall, einer raschen Deeskalation mit abklingenden wirtschaftlichen Störungen bis Mitte 2026, wächst die Weltwirtschaft im laufenden Jahr um 3,1 Prozent.

Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als bisher prognostiziert – ein Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung um rund 322 Milliarden Franken gegenüber früheren Erwartungen.

Öltanker Öl Strasse Hormus
Schwarzes Gold unter Druck: Der Ölpreis ist seit Ausbruch des Iran-Kriegs zeitweise auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Experten warnen – hält das Niveau an, droht der Weltwirtschaft eine Rezession. - Keystone

Hält der Ölpreis sein hohes Niveau, könnte das Wachstum auf 2,5 Prozent sinken. Im schlimmsten Szenario – dauerhaft hohe Energiepreise, anhaltende Versorgungsengpässe – wären noch rund zwei Prozent möglich. Nach IWF-Definition käme das einer weltweiten Rezession gleich.

Öl über 100 Dollar – und die Strasse von Hormus als Nadelöhr

Im Zentrum der Unsicherheit steht der Energiemarkt. Der Ölpreis stieg infolge des Konflikts zeitweise auf über 100 US-Dollar pro Barrel.

Besonders kritisch: die Strasse von Hormus, eine der wichtigsten globalen Transportrouten für Öl und Gas, ist blockiert. Das treibt nicht nur die Spritpreise, sondern über Transport-, Produktions- und Lebensmittelkosten auch die Inflation insgesamt in die Höhe.

Strasse von hormus
Die Strasse von Hormus – das Nadelöhr der Weltwirtschaft: Rund 20 Prozent des globalen Ölhandels passieren die enge Meerenge zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel. Seit der Eskalation im Nahen Osten ist die Route blockiert – mit spürbaren Folgen für Energiepreise und Konjunktur weltweit. - keystone

Die Folge könnte ein neues geldpolitisches Dilemma sein: Notenbanken wären gezwungen, die Zinsen länger hoch zu halten oder gar erneut anzuheben – zusätzliche Bremsklötze für die ohnehin geschwächte Konjunktur.

«Schütten Sie kein Öl ins Feuer»

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa mahnt zur Zurückhaltung. «Im Moment spricht vieles dafür, abzuwarten und die Situation zu beobachten», so die Bulgarin.

Gleichzeitig warnt sie vor nationalen Alleingängen: «Schütten Sie kein Öl ins Feuer.» Von breiten Eingriffen wie Preisdeckeln oder pauschalen Subventionen rät der IWF ab. Massnahmen sollten gezielt und zeitlich begrenzt sein.

IWF
Kristalina Georgiewa führt derzeit die Geschäfte der Weltbank. Bevor die Bulgarin 2017 zur Weltbank zurückkehrte, arbeitete sie mehrere Jahre als EU-Kommissarin in Brüssel. - Keystone

Besonders hart trifft die Krise energieimportierende Länder sowie Schwellen- und Entwicklungsländer, wo steigende Preise unmittelbar auf Konsum und Produktion durchschlagen.

Schweiz: Solide, aber nicht immun

Für die Schweiz rechnet der IWF im laufenden und im nächsten Jahr mit einem BIP-Wachstum von je 1,3 Prozent. Die Inflation dürfte bei 0,5 Prozent bleiben – tief, aber auch die Schweiz bleibt von der globalen Schwäche nicht unberührt.

Kommentare

User #2439 (nicht angemeldet)

Wir müssen uns auf ein einfacheres Leben einstellen. Der Luxus ist nicht lebensnotwendig, nur dekadet.

User #6472 (nicht angemeldet)

Sehr gut, dann lehren die studierten und alle meckerer schätzen.

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