IWF senkt Prognosen für Weltwirtschaft
Die blockierte Strasse von Hormus treibt Energiepreise in die Höhe – und zwingt den Internationalen Währungsfonds zu einer düsteren Neubewertung.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Blockade von Hormus und hohe Energiepreise sorgen für schlechtere Wachstumsprognosen.
- Im schlimmsten Fall droht der Weltwirtschaft mit rund zwei Prozent Wachstum eine Rezession
- Der IWF warnt vor Alleingängen und fordert gezielte, zeitlich begrenzte Massnahmen.
Noch zu Jahresbeginn schien eine vorsichtige wirtschaftliche Stabilisierung in Reichweite. Sinkende Inflation, moderate Zinspolitik, neue Investitionen in Technologie – Ökonomen weltweit sahen Anzeichen einer Erholung. Dann eskalierte der Krieg im Nahen Osten. Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran zeigen Energiepreise und Konjunkturindikatoren jedoch plötzlich deutlich nach unten. Selbst eine globale Rezession ist nicht mehr ausgeschlossen.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) schreibt anlässlich seines neuesten Ausblicks deshalb: «Erneut droht die Weltwirtschaft aus der Bahn zu geraten." Waren es vergangenes Jahr noch «höhere Handelsbarrieren und verstärkte Unsicherheit» – eine mildernde Umschreibung für die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump – belasten jetzt das eingebrochene Angebot von Rohstoffen infolge der blockierten Strasse von Hormus und die Unsicherheit durch den Krieg.
Alle Szenarien schlechter als erwartet
In seinem neuen «World Economic Outlook» arbeitet der IWF mit drei Szenarien – und alle fallen schlechter aus als noch vor wenigen Monaten erwartet. Im günstigsten Fall, einer raschen Deeskalation mit abklingenden wirtschaftlichen Störungen bis Mitte 2026, wächst die Weltwirtschaft im laufenden Jahr um 3,1 Prozent.
Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als bisher prognostiziert – ein Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung um rund 322 Milliarden Franken gegenüber früheren Erwartungen.

Hält der Ölpreis sein hohes Niveau, könnte das Wachstum auf 2,5 Prozent sinken. Im schlimmsten Szenario – dauerhaft hohe Energiepreise, anhaltende Versorgungsengpässe – wären noch rund zwei Prozent möglich. Nach IWF-Definition käme das einer weltweiten Rezession gleich.
Öl über 100 Dollar – und die Strasse von Hormus als Nadelöhr
Im Zentrum der Unsicherheit steht der Energiemarkt. Der Ölpreis stieg infolge des Konflikts zeitweise auf über 100 US-Dollar pro Barrel.
Besonders kritisch: die Strasse von Hormus, eine der wichtigsten globalen Transportrouten für Öl und Gas, ist blockiert. Das treibt nicht nur die Spritpreise, sondern über Transport-, Produktions- und Lebensmittelkosten auch die Inflation insgesamt in die Höhe.

Die Folge könnte ein neues geldpolitisches Dilemma sein: Notenbanken wären gezwungen, die Zinsen länger hoch zu halten oder gar erneut anzuheben – zusätzliche Bremsklötze für die ohnehin geschwächte Konjunktur.
«Schütten Sie kein Öl ins Feuer»
IWF-Chefin Kristalina Georgiewa mahnt zur Zurückhaltung. «Im Moment spricht vieles dafür, abzuwarten und die Situation zu beobachten», so die Bulgarin.
Gleichzeitig warnt sie vor nationalen Alleingängen: «Schütten Sie kein Öl ins Feuer.» Von breiten Eingriffen wie Preisdeckeln oder pauschalen Subventionen rät der IWF ab. Massnahmen sollten gezielt und zeitlich begrenzt sein.

Besonders hart trifft die Krise energieimportierende Länder sowie Schwellen- und Entwicklungsländer, wo steigende Preise unmittelbar auf Konsum und Produktion durchschlagen.
Schweiz: Solide, aber nicht immun
Für die Schweiz rechnet der IWF im laufenden und im nächsten Jahr mit einem BIP-Wachstum von je 1,3 Prozent. Die Inflation dürfte bei 0,5 Prozent bleiben – tief, aber auch die Schweiz bleibt von der globalen Schwäche nicht unberührt.
















