Anthropic sperrt KI-Modelle auf Befehl der US-Regierung
Anthropic hat seine neuesten KI-Modelle weltweit gesperrt – auf Anordnung Washingtons aus Gründen der nationalen Sicherheit.

Die US-Firma Anthropic hat den Zugang zu ihren neuen KI-Modellen Fable 5 und Mythos 5 blockiert. Wie «ZDFheute» berichtet, erfolgte dies auf direkte Anweisung von Regierungsbehörden.
Betroffen sind alle Ausländerinnen und Ausländer – auch jene, die in den USA leben oder bei Anthropic selbst arbeiten. Da das Unternehmen seine Nutzer nicht nach Nationalität unterscheiden kann, musste es den Zugang für alle kappen.
Die US-Regierung begründet die Massnahme mit nationaler Sicherheit. Laut dem «ORF» glaubt sie, Kenntnis von einer Methode erlangt zu haben, mit der Sicherheitsbeschränkungen der Software umgangen werden können.
Anthropic wehrt sich gegen die Sperrung
Das Modell Mythos ist besonders gut darin, seit Jahrzehnten unentdeckte Software-Schwachstellen aufzuspüren. Diese Fähigkeit nutzen bisher US-Behörden und ausgewählte Unternehmen, um Sicherheitslücken in ihren Systemen zu stopfen, wie der «ORF» erklärt.
Anthropic prüfte den Bericht, der vermutlich den Ausschlag für die Anordnung gab, und kam zu einem anderen Schluss. Die eigenen Experten sehen darin nur eine eingeschränkte Möglichkeit, spezifische Programmcodes zu prüfen und Fehler zu korrigieren, berichtet «ZDFheute».
Diese Fähigkeit sei auch bei anderen Modellen wie GPT-5.5 des Rivalen OpenAI vorhanden, betonte Anthropic. Das Unternehmen zeigte sich laut dem «ORF» nicht einverstanden damit, dass deswegen Software für Hunderte Millionen Nutzer blockiert werde.
Ironie im Konflikt mit Washington
Anthropic-Chef Dario Amodei hatte sich kurz zuvor noch selbst für staatliche Kontrolle über gefährliche KI ausgesprochen. Doch das Unternehmen betonte, solche Entscheidungen müssten auf Basis transparenter Verfahren und technischer Fakten erfolgen, so «ZDFheute».
Das sei bei der aktuellen Anordnung nicht der Fall, erklärte Anthropic. Die Firma entschuldigte sich laut dem «ORF» bei ihren Nutzerinnen und Nutzern: «Wir gehen von einem Missverständnis aus und arbeiten daran, den Zugang so schnell wie möglich wiederherzustellen.»

Die IT-Chefin des US-Verteidigungsministeriums, Kirsten Davies, stellte sich hinter die Massnahme. Sie schrieb laut «T-Online» auf der Plattform X: «Manche Dinge sind einfach wichtiger als Umsatzzyklen, Clickbait und Unternehmensbewertungen vor einem Börsengang.»
Europas Sorge wächst
Der Schritt trifft Anthropic in einer heiklen Phase. Das Unternehmen hatte im Mai vertraulich Unterlagen für einen Börsengang eingereicht, berichtet «T-Online».
In Europa regte sich rasch Besorgnis über die digitale Abhängigkeit von US-Konzernen.
Der österreichische Netzpolitiksprecher Süleyman Zorba mahnte laut dem «ORF»: «Wer seine digitale Infrastruktur vollständig in fremde Hände legt, macht sich abhängig und erpressbar.»
















