Coronavirus

    Regine Sauter (FDP): «Der Bundesrat agiert im Blindflug»

    Regine Sauter
    Regine Sauter

    Zürich,

    Regine Sauter fordert vom Bundesrat eine wissenschaftliche Abstützung und eine verlässliche Teststrategie im Kampf gegen das Coronavirus. Ein Gast-Kommentar.

    Regina Sauter
    Regine Sauter, Nationalrätin (FDP, ZH). - zVg

    Das Wichtigste in Kürze

    • In Bezug auf die Corona-Erkrankungen herrscht Datenwirrwarr.
    • Es braucht repräsentative Tests und die Sicherstellung einer verlässlichen Datenbasis.
    • Das schreibt die Zürcher FDP-Nationalrätin Regine Sauter im Gastkommentar für Nau.ch.

    Darüber, ob und wie die ergriffenen Massnahmen gegen das Coronavirus wirken, lassen sich keine wirklich belastbaren Aussagen machen. Eine wissenschaftliche Begleitung der bundesrätlichen Politik fehlt bis jetzt. Doch damit die Gesellschaft möglichst bald zu einem «Normal-Zustand» zurückkehren kann, braucht es korrekte Daten.

    Deshalb fordert die FDP in ihrem Leitlinienpapier repräsentative Tests und die Sicherstellung einer verlässlichen Datenbasis. Die Schweiz muss nun den Blindflug bei Corona beenden.

    In Bezug auf die Corona-Erkrankungen herrscht Datenwirrwarr. Jedes Land erhebt andere Zahlen oder misst anders: Anzahl Infizierte total oder im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, Anzahl Tote pro Anzahl Infizierter oder im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung und so weiter.

    Coronavirus BAG Daniel Koch
    Links: Ein Wissenschaftler testet eine Laborprobe auf das Coronavirus. Rechts: Daniel Koch (BAG) an einer Medienkonferenz. - Keystone

    Auch die Strategie bezüglich der Informationsgewinnung, also um zu wissen, wer überhaupt mit dem Virus angesteckt ist, ist unterschiedlich: In einzelnen Ländern wird sehr zurückhaltend getestet, in anderen breitflächig. Statistisch repräsentativ wird nirgends vorgegangen.

    Blindflug beenden

    Auch der Bundesrat agiert diesbezüglich gewissermassen im Blindflug. Darüber, ob die ergriffenen Massnahmen zur Eindämmung des Virus wirken, respektive welche Massnahmen in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt, sind keine wissenschaftlich erhärteten Aussagen möglich. Denn eine wissenschaftliche Begleitung der bundesrätlichen Politik fehlt bis anhin.

    Die Strategie bezüglich des Testens von (potenziell) Infizierten wurde zudem mehrfach angepasst. Die Zahlen über die Entwicklung der Anzahl infizierter Personen sind darum mit Vorsicht zu geniessen. Es ist verständlich und war auch richtig, dass zu Beginn der Epidemie einfach reagiert werden musste. Und das bundesrätliche Kollegium meisterte die Situation gut.

    Es ist aber ebenso klar, dass nun nach vorne geschaut werden muss. Mit jedem Tag, an dem die Lockdown-Massnahmen gelten, wird der Schaden für die Volkswirtschaft grösser. Und auch die Gesellschaft muss zu einem «Normal-Zustand» zurückkehren.

    Bundesrat Alain Berset, rechts, diskutiert mit Bundespraesidentin Simonetta Sommaruga und Bundesrat Guy Parmelin, am Ende einer Medienkonferenz des Bundesrates ueber die Situation des Coronavirus, am Donnerstag, 16. April 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer) - keystone

    Menschen auf die Dauer zu isolieren, ist keine Lösung. Damit dies jedoch möglich ist, braucht es korrekte Daten. Es muss gesichert aufgezeigt werden können, wie sich die Infektionszahlen entwickeln und welche Massnahmen etwas bringen. Deshalb fordert die FDP in ihrem Leitlinienpapier repräsentative Tests und die Sicherstellung einer verlässlichen Datenbasis.

    Teststrategie anpassen

    Zum einen ist die Teststrategie anzupassen, es muss breiter und häufiger getestet werden. Die Kapazitäten lassen dies zu, heute sind sie nicht ausgeschöpft. Zum anderen braucht es eine wissenschaftliche Abstützung. So ist schwer verständlich, weshalb der Bundesrat erst relativ spät ein Expertengremium eingesetzt hat.

    Dass nun zwölf Schweizer Hochschulen aus Eigeninitiative ein breites Forschungsprogramm lancieren, das über die Corona-Immunität in der Bevölkerung Auskunft geben soll, ist sehr zu begrüssen.

    Länderübergreifende Zusammenarbeit

    Längerfristig ist eine länderübergreifende Zusammenarbeit in diesem Bereich unumgänglich und wichtig. Und zwar sowohl in Bezug auf die Forschung als auch die Bekämpfung neuer Erkrankungen. Pandemien machen nicht an Ländergrenzen halt.

    Umso wichtiger ist vor diesem Hintergrund, dass die Schweiz auch weiterhin in europäischen Netzwerken eingebunden ist. Ein Abseitsstehen und Kappen der heutigen Verbindungen wäre dumm, ein Alleingang nicht zielführend.

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