Streit: Biontech-Gründer wollen mit neuer Firma starten
Die Gründer von Biontech verlassen das Unternehmen, um eine neue Firma zu starten. Nun kommt es zum Streit zwischen Biontech und dem Gründerpaar.

Das Wichtigste in Kürze
- Ugur Sahin und Özlem Türeci verlassen das von ihnen gegründete Unternehmen Biontech, bekannt für den Corona-Impfstoff, den es mit Pfizer entwickelte.
- Sie wollen ein neues Unternehmen gründen, um mRNA-Medikamente zu entwickeln.
- Nun kommt es jedoch zu Streitigkeiten mit Biontech, unter anderem wegen Patentrechten.
Spätestens Ende Jahr ist Schluss: Ugur Sahin und Özlem Türeci, die Gründer des Biotechnologie-Unternehmens Biontech, verlassen das Unternehmen. Biontech ist unter anderem für den mRNA-Impfstoff Comirnaty gegen das Coronavirus bekannt, den es gemeinsam mit Pfizer entwickelte.
Stattdessen planen sie, sich in einem neuen Unternehmen der Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis zu widmen. Seit vergangener Woche ist klar, dass die neue Firma den Namen Arife, was «die Wissende» bedeutet, tragen wird.
Şahin und Türeci wollen weiterhin Anteilseigner von Biontech bleiben und Teile der bisherigen Strukturen in die neue Firma übernehmen. Doch genau das sorgt offenbar für erhebliche Streitigkeiten.
Wie das «Handelsblatt» berichtet, streiten sich die Gründer von Biontech mit dessen Management. Dabei gehe es um Wirkstoffprojekte, Mitarbeitende und Patentrechte. Türeci soll dabei gar von einer «Enteignung der eigenen Firma» gesprochen haben.
Die beiden Biontech-Gründer seien von einem aussergewöhnlichen Forscherdrang getrieben, wie Mitarbeitende des Unternehmens beschreiben. Dafür spricht auch der Corona-Impfstoff, den das Unternehmen 2020 in kürzester Zeit entwickelt hatte.
Gründerpaar will Forschungsdrang folgen
Diesem Forscherdrang will das Gründerpaar von Biontech auch mit Arife folgen und wieder in der Frühphase an neuen mRNA-Verfahren forschen.
Dafür sollte Biontech bestimmte Rechte und Technologien beisteuern und im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung sowie erfolgsabhängige Zahlungen erhalten. Was genau die Gründer aus dem Unternehmen mitnehmen dürfen, entwickelte sich jedoch nach und nach zum Streitpunkt.
Mit Arife bauen sie nämlich ein eigenständiges Unternehmen auf demselben Forschungsgebiet auf. Doch dazu brauchen sie Rechte, Daten und erfahrene Leute. Die Patente und Entwicklungsdaten gehören jedoch nach wie vor Biontech.
Wechseln jetzt Hunderte Mitarbeitende zum neuen Unternehmen?
Nach Handelsblatt-Informationen ist es möglich, dass Hunderte Beschäftigte zu Arife wechseln. Für Biontech ginge damit Wissen verloren, das sich nicht einfach durch neue Einstellungen ersetzen lässt, weshalb das Unternehmen dagegen vorgeht.
Auch die Tatsache, dass Sahin und Türeci Aktionäre von Biontech bleiben, sorgt für Streitigkeiten.
Das Unternehmen steht aktuell so oder so vor Herausforderungen. Nicht zuletzt, weil die Nachfrage nach dem Covid-Impfstoff sinkt. 2025 musste Biontech rund 1,1 Milliarden Euro Verlust verzeichnen, im zweiten Quartal 2026 waren es 820,8 Millionen Euro.
Doch deshalb herrscht im Unternehmen nicht gleich Geldnot: Ende Juni verfügte Biontech über liquide Mittel und Wertpapieranlagen von insgesamt etwa 16,6 Milliarden Euro (15,7 Mrd. Franken).
Dennoch steht das Unternehmen jetzt vor der Herausforderung, aus teurer Forschung zugelassene Medikamente und ein dauerhaftes Geschäft zu machen.






















