Sam Urech (35) aus dem Zürcher Oberland ist Halleluja-Kolumnist. Er schreibt auf Nau.ch das Wort zum Freitag.
Sam Urech.
Sam Urech ist Kolumnist auf Nau.ch. - zvg

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«Alle Welt spricht von Corona und jetzt kommt der Stündeler mit dem Islam?» Ich gebe zu, das Thema ist gerade nicht ganz zuoberst auf dem Tagesmenü. Aber ich will heute trotzdem über den Islam reden. Und darüber, dass Angst davor Gift ist.

In Wetzikon gibt es fast ein Dutzend Freikirchen und sechs Moscheen. Während ich über jede Freikirche in der Stadt einen Vortrag halten könnte, war mir die muslimische Diaspora eher unbekannt.

Ich rief darum vor einigen Jahren bei einer nahen Moschee an und fragte, ob ich sie mal besuchen dürfe. Ich sei ein Christ, würde die Wetziker Muslime gerne besser kennenlernen, vorbeikommen und gemeinsam mit einem Freund ihr Gebäude putzen.

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Wir fuhren hin und wurden von sechs Männern empfangen. Sofort kam Tee, bald göttliches Essen. Wir durften keinen Besen anfassen, wurden bedient, wir haben gelacht, kontrovers über Fussball diskutiert.

«Eine Freundschaft mit dem Imam»

Der Leiter (Imam) dieser Moschee und ich haben uns wieder und wieder getroffen. Er ist ein äusserst intelligenter und witziger Typ.

Sam Urech
Sam beim Freitagsgebet, Sam und der Imam, Sams Sohn in der Moschee (v.l.n.r.). - zVg

Ich darf ihn alles fragen: Was denkt er zum IS? Warum hat Mohamed ein Mädchen geheiratet? Mein Imam-Freund wird nie wütend oder aggressiv, antwortet entkrampft.

Auch er hat Fragen an mich – zum Beispiel, wie ich als Christ die Chronik des Mittelalters verkrafte. Ich versuche genauso entkrampft zu antworten.

«Angst ist ein schlechter Ratgeber»

Er ist ein muslimischer Geistlicher – ich bin Christ. Unsere Glaubensansichten liegen weit auseinander. Muss ich deswegen Angst vor ihm haben? Natürlich nicht!

Das grösste Übel im Umgang mit Muslimen ist, sich vor ihnen oder dem Islam zu fürchten. Angst ist stets der schlechtestmögliche Ratgeber und zugleich optimaler Nährboden für Hass.

Hass führt derweil immer in die eigene Unfreiheit.

«Epochale Unterschiede»

Wie also dem Islam begegnen? Ganz freisinnig behaupten, es sei doch ohnehin alles das Gleiche und es spiele keine Rolle, ob man zu Allah oder zum Gott der Bibel bete?

Es gibt tatsächlich Parallelen zwischen den beiden Weltreligionen. Aber da sind meines Erachtens epochale Unterschiede. Hier drei Beispiele:

• Wie tickt Gott?

Im Islam ist Allah ein unnahbarer Alleinherrscher, der Leistung fordert. Der christliche Gott liebt derweil bedingungslos und ist eine dreieinige Gemeinschaft.

• Was zeichnet den Menschen aus?

Im Islam ist der Mensch ein Diener, der Allah gefallen und sich bewähren muss. Im Christentum ist der Mensch ein Gegenüber, das ohne Leistung geliebt wird.

• Wie sieht die Errettung aus?

Islam: Durch das Einhalten von fünf Geboten kommt man ins Paradies. Zweifel bleiben jedoch bei vielen Muslimen – reicht es wirklich?

Christentum: Nicht das Halten von Geboten rettet einen Menschen, sondern die Annahme von Jesus Christus, der durch seinen Tod am Kreuz den Weg zu Gott frei macht.

Ich lehne den Islam als Religion in aller Form ab. Nicht aber die Muslime! Es gibt sympathische Muslime und weniger erheiternde, es gibt mitdenkende und radikalere.

Wie bei Christen auch. Oder bei EHCW-Fans, Fasnachtsfreunden oder Ornithologen. Ob mir sympathisch oder nicht – ob meiner Meinung oder nicht: Menschen sind immer genau gleich wertvoll. Und gleich liebenswert.

Wann immer ich Menschen oder ihren Ansichten mit Furcht begegne, wird es ganz schwer, sie zu respektieren oder gar zu lieben.

«Auf Weihnachten verzichten?»

Müssen wir christliche Werte versenken, um die Muslime nicht zu provozieren? Zum Beispiel auf Weihnachten verzichten? Den Schweizerpsalm abändern oder gar das Schweizerkreuz ersetzen?

Schwachsinn! Wenn ich über Bord kippe, was mir wichtig ist, zeugt das nicht von Respekt anderen gegenüber, sondern von Angst, Feigheit und Kurzsicht.

Kurzsicht darum, weil Menschen, die ihre Ansichten und Werte nicht hochhalten, oft intolerant werden gegenüber solchen Menschen, die ihre Werte hervorheben.

«Für etwas sein – nicht gegen etwas!»

Anstatt den Islam zu bekämpfen, überlege ich mir lieber neu, was mir wichtig ist. Wenn ich darin sicher bin, macht mir anderes keine Angst mehr.

Wie der Imam, der in so vielen Themen unterschiedlich denkt als ich, Ziele verfolgt, die mir unangenehm sind und wir dennoch Freunde sein können.

Zum Autor:

Sam Urech ist 35-Jährig, verheiratet, Vater eines kleinen Jungen (2), hat viele Jahre beim Blick als Sportjournalist gearbeitet und ist heute Inhaber der Marketing Agentur «RatSam».

Sam liebt seine Familie, Guinness, Fussball, Darts. Den EHC Wetzikon, Preston North End und vor allem Jesus Christus. Sam schreibt wöchentlich auf Nau.ch über seine unverschämt altmodischen Ansichten.

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