Felix Blumer: Das solltest du über die Eisheiligen wissen!
Kolumnist Felix Blumer arbeitete als SRF-Meteorologe. In dieser Zeit beobachtete er täglich die Wetterphänomene in unserem Land, natürlich auch die Eisheiligen.

Das Wichtigste in Kürze
- Vom 12. Mai bis zum 15. Mai spricht man von den sogenannten Eisheiligen.
- Richtig frostig wurde es in den letzten Jahren aber nur im Ausnahmefall.
- In diesem Jahr zeigten die Eisheiligen aber ihre Muskeln.
- Kolumnist Felix Blumer arbeitete von 2005 bis 2025 als Meteorologe bei «SRF Meteo».
Die Tage zwischen dem 12. und 15. Mai werden in der Meteorologie Eisheilige genannt.
Im Volksmund gilt, dass es zum Zeitpunkt der Eisheiligen den letzten Frost gibt oder wie das Sprichwort sagt: «Ehe nicht Pankratius, Servatius und Bonifatius vorbei, ist nicht sicher vor Kälte der Mai.»
Allerdings ist es auch am Wochenende immer noch kalt. Und zumindest Bodenfrost kann weiterhin nicht ausgeschlossen werden.
Auch Frau Holle mischt kräftig mit
Am vergangenen Wochenende gab es noch an vielen Orten in der Schweiz nahezu sommerliche Temperaturen.
Schon am Montag überquerten zahlreiche Fronten unser Land, und in der Nacht zum Dienstag, dem ersten Tag der Eisheiligen, sank die Schneefallgrenze an vielen Orten unter 1000 Meter. So wurden in Wildhaus/SG 3 Zentimeter Neuschnee gemessen und in Engelberg/OW sowie auf dem Ricken/SG waren es 1 Zentimeter.
Richtig viel Neuschnee gab es auf der Grimsel mit 24 Zentimetern und auf dem Grossen Sankt Bernard mit 28 Zentimetern.
Allerdings: Frau Holle ist keine Eisheilige, und Schnee ist auch kein Qualitätsmass für die Eisheiligen.
Frost ist des Bauers Feind!
Die Eisheiligen definieren sich nicht über den Schnee, sondern über Frost. Frost im Mai ist in der Landwirtschaft gefürchtet. Dabei bilden klare Nächte hinter Kaltfronten das Hauptrisiko.
So sorgte Servatius am Mittwoch dafür, dass die Eisheiligen ihrem Ruf voll gerecht wurden. Hinter der Kaltfront vom Dienstag gab es am Mittwochmorgen verbreitet Bodenfrost, lokal sogar Hüttenfrost, also Frost auf 2 Metern über Boden gemessen.
So gab es nebst anderen in Basel, Bern, am Flughafen Zürich oder in Luzern Bodenfrost. Luftfrost wurde aus den Juratälern oder auch aus Langnau im Emmental gemeldet, im Mittelland schrammte man an vielen Orten knapp am Frost vorbei.
Die Eisheiligen ziehen ihr Ding voll durch
Bis zum Wochenende bleibt es meist kühl, und die Schneefallgrenze verharrt in der Regel im Bereich zwischen 900 und 1400 Metern.
Besonders am Samstagvormittag ist Schneefall lokal bis gegen 700 Meter nicht ausgeschlossen.
Frostgefährdet sind besonders die Tage nach den Eisheiligen. An Orten, wo es in der Nacht länger klar ist, könnte es am Samstag- oder am Sonntagmorgen zumindest Bodenfrost geben.

Risiko von Frost: 5 Prozent
In den letzten Jahren war es zwar während der Eisheiligen oft kühl, Frost war aber eher die Ausnahme.
In Basel gab es seit 1960 während der Eisheiligen nicht einen Tag mit Luftfrost. Immerhin wurde seit 1981 an 11 Tagen Bodenfrost registriert.
Am Flughafen Zürich wurde seit 1960 ein einziger Tag mit Frost während der Eisheiligen aufgezeichnet und zwar am Tag der «Kalten Sophie» im Jahre 1995 mit -1,2 Grad. Seit 1981 gab es 9 Eisheilige mit Bodenfrost am Flughafen.
Das Fazit: Nur in rund 5 Prozent aller Fälle gibt es an einem der vier Tage tatsächlich Bodenfrost im Mittelland.
Fakt ist aber auch: Immer wieder tritt nach den Eisheiligen nochmals Bodenfrost auf, im Extremfall sogar noch Anfang Juni.

Eisheilige: Drei warme Brüder?
Im letzten Jahr gingen die Eisheiligen oft eher als Witz in die Annalen ein. Besonders warm war es in Basel im Jahre 1969 mit 31,6 Grad am Tag des Servatius und 31 Grad am Tag des Bonifatius.
Immerhin wurden seit 1960 genau 40 Sommertage, also Tage mit einem Höchstwert von 25 Grad oder mehr während der Eisheiligen verzeichnet.
Oder anders gesagt: In Basel ist die Chance auf einen Sommertag während der Eisheiligen grösser als das Risiko von Frost. Auch vor zwei Jahren war es in Basel während der Eisheiligen sehr warm mit einem Höchstwert von 26,3 Grad.

Sind die Eisheiligen kälter als der restliche Mai?
In diesem Jahr sind die Temperaturen am Nachmittag zwar unter dem langjährigen Mai-Durchschnitt, eine Abkühlung während der Eisheiligen geht aber doch eher Richtung Zufall.
Die durchschnittliche Nachmittagstemperatur beträgt in Basel im Mai genau 20 Grad. Seit der Jahrhundertwende lagen in Basel die Nachmittagstemperaturen 14 Mal unter dem Durchschnitt für den Monat Mai und 12 Mal über dem Schnitt.
Exakt gleich sieht es auch südlich der Alpen aus. In Lugano beträgt die Durchschnittstemperatur an einem Mai-Nachmittag 20,8 Grad.
Auch dort war es seit der Jahrhundertwende über die Eisheiligen 14 Mal zu kühl und 12 Mal zu warm. Von einer signifikanten Abkühlung während der Eisheiligen kann also nicht die Rede sein.
Zur Person
Felix Blumer (65) ist promovierter ETH-Abgänger. Schon seit 2005 führt er seine eigene Firma, die Blumer Communication & Consulting GmbH. Heute erstellt er Spezialwetterprognosen und Klimagutachten und engagiert sich gegen Windenergie an windschwachen Orten wie beispielsweise dem Zürcher Weinland.

Hintergrund zu den Eisheiligen
Wer waren eigentlich Pankratius, Servatius und Bonifatius?
Vom 12. – 15. Mai erleben wir Jahr für Jahr die Zeit der Eisheiligen. Jedes Kind kennt ihre Namen: Pankratius, Servatius und Bonifatius. Am 15. Mai folgt dann noch der Sophientag oder in der Welt der Meteorologie ganz einfach als «kalte Sophie» bekannt.
12. Mai: Pankratius
Der heilige Pankratius wurde im Jahre 290 n. Chr. geboren. Bereits im zarten Alter von 14 Jahren starb Pankratius den Märtyrertod unter Kaiser Diokletian in Rom. Der Name Pankratius stammt aus dem Griechischen und bedeutet der alles Besiegende. Pankratius wird als Patron der jungen Saat und der Blüten angerufen.
13. Mai: Servatius
Der 13. Mai wird Servatius von Tongern zugeschrieben. Gemäss den Aufzeichnungen von Gregor von Tours war der „Eisheilige Servatius“ der erste Bischof im belgischen Tongern. Auf einer Reise nach Rom erschien Servatius der heilige Petrus und sagte ihm den Hunneneinfall vorher. Bei seiner Rückkehr nach Tongern warnte Servatius die Bürger vor der drohenden Gefahr. Kurze Zeit später verstarb er im heute niederländischen Maastricht. Im Volksglauben wird Servatius bei Fussleiden, Frostschäden, Rheumatismus und Rattenplagen angerufen.
14. Mai: Bonifatius
Der 14. Mai ist dem Märtyrer Bonifatius von Tarsus gewidmet, der im 4. Jahrhundert getötet wurde. Sein Leichnam wurde an der Via Latina beigesetzt. In der orthodoxen Kirche wird der Namenstag von Bonifatius am 19./20. Dezember begangen.
15. Mai: Kalte Sophie
Die „kalte Sophie“ geht auf Sophia von Rom zurück. Sie wurde vermutlich im Jahre 304 während den diokletianischen Verfolgungen als Märtyrerin getötet. Papst Sergius II liess einen Teil der Reliquien in der Kirche S. Martino ai Monti beisetzen, ebenso Bischof Remigius von Strassburg im Kloster Eschau im Elsass. Sophia ist Patronin gegen Spätfröste und für das Gedeihen der Früchte verantwortlich. Das Sophienkraut ist ebenfalls nach ihr benannt.
11. Mai: Mamertus ist ein Scheinheiliger!
Mamertus wurde im Jahre 461 Bischof im gallischen Vienne geboren und verstarb im Jahre 477 gleichenorts. Mamertus wurde nur in Norddeutschland als Heiliger verehrt, bekam aber in der Schweiz und in Süddeutschland nie den Status eines Heiligen. Entsprechend kann der 11. Mai, der Tag des Mamertus, in der Schweiz nicht den Eisheiligen zugerechnet werden, das gleiche gilt im Übrigen auch für Österreich. Die Eisheiligen beginnen daher in der Schweiz erst am 12. Mai mit dem Tag des Pankratius. Wieso hält sich aber Mamertus als Scheinheiliger seit einigen Jahren in der Schweizer Meteorologie. Die Erklärung ist einfach: Seit Meteorologen, die in der Kirchengeschichte nicht bewandert sind, vom Deutschen Wetterdienst und aus den deutschen Medien gewisse Geschichten einfach abschreiben, wird auch in der Schweiz Mamertus als Eisheiliger genannt.
Und was ist mit der gregorianischen Kalenderverschiebung?
Sehr viele der Bauernregeln und Lostage stammen aus dem Mittelalter. Der genaue Zeitpunkt im Mittelalter ist allerdings meist nicht bekannt, schon gar nicht für die Regel der Eisheiligen. Einiges deutet darauf hin, dass die Eisheiligen erst im 17. Jahrhundert mit der kleinen Eiszeit an Bedeutung gewannen. Dies wäre also erst nach der Kalenderreform durch Papst Gregor XII im Jahre 1582 der Fall gewesen. Auf den 4. Oktober 1582 folgte damals direkt der 15. Oktober. Sollten die Eisheiligen tatsächlich auf die Zeit vor der Kalenderreform zurückgehen, würden die Eisheiligen in der Schweiz allerdings auf die Zeit zwischen dem 22. und 25. Mai fallen. Eine Auswertung der Bodenfrostdaten am Flughafen Zürich seit 1990 zeigte aber kein erhöhtes Auftreten in der Zeit zwischen dem 22. und 25. Mai. Dies im Gegensatz zu Österreich. Dort wurden in einer Untersuchung der ZAMG aus dem Jahre 2014 nach dem 20. Mai vermehrt Bodenfrostereignisse gefunden. Mit der allgemeinen Erwärmung werden aber die statistischen Erhebungen immer schwieriger, da in den letzten Jahren selbst Bodenfrostereignisse im Mai nicht mehr sehr zahlreich waren.












