Im vergangenen Jahr sind laut Unicef 41'000 Minderjährige vertrieben worden. Meistens werden ihre Bedürfnisse zu wenig erfüllt.
Flüchtlinge in Griechenland
Eine Gruppe unbegleiteter Kinder aus überfüllten griechischen Flüchtlingslagern tragen Schutzmasken, während sie mit einer Fähre im Hafen von Piräus ankommen. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge steigt.
  • Im vergangenen Jahr sind täglich 41'000 Kinder und Jugendliche vertrieben worden.
  • Auf die Bedürfnisse der Jungen und Mädchen wird meistens zu wenige eingegangen.

Mit der steigenden Zahl der Geflohenen und Vertriebenen weltweit steigt auch die Zahl der Minderjährigen, die aus ihrem Umfeld gerissen werden. Allein im vergangenen Jahr seien täglich 41'000 Kinder und Jugendliche vertrieben worden oder geflohen, schreibt das UN-Kinderhilfswerk Unicef in einem neuen Bericht.

Nach Angaben von Unicef wird zu wenig beachtet, dass Jungen und Mädchen unterschiedliche Motivationen und Bedürfnisse haben. Unicef beschäftigt sich in dem Bericht vor allem mit Jugendlichen, die ohne Familie unterwegs sind. Minderjährige Jungen verliessen oft ihre Heimat, weil von ihnen erwartet werde, Geld zu verdienen, während Mädchen oft fortgingen, um einer frühen Verheiratung zu entkommen.

Weitere Studien notwendig

Es sei zu wenig bekannt darüber, zu welchem Zeitpunkt und aus welchen Gründen Minderjährige sich allein auf den Weg machten oder wie stark sie selbst an der Entscheidung beteiligt seien. Dafür seien weitere Studien nötig.

Unter den 35,5 Millionen minderjährigen Migranten waren nach Unicef-Angaben im vergangenen Jahr 1,2 Millionen mehr Jungen als Mädchen. Die Differenz der Geschlechter wächst seit Jahren. In Europa seien im vergangenen Jahr neun von zehn unbegleiteten Minderjährigen Jungen gewesen. Das deute darauf hin, dass die Fluchtroute für Mädchen womöglich besonders gefährlich sei. Allerdings lägen aus anderen Regionen auch weniger Daten vor. Für 147 000 Minderjährige sei 2020 in europäischen Ländern Asyl beantragt worden. Gut 14 000 seien unbegleitet gewesen, 89 Prozent davon Jungen. Der weitaus grösste Teil kam aus Afghanistan: rund 5300 Jungen und 200 Mädchen.

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