Tabak-Gegner fordern: Zigis in der Schweiz sollen 15 Stutz kosten
Ein Bericht stellt der Schweiz in Sachen Tabak- und Nikotin-Prävention ein miserables Zeugnis aus. Nun gibt es Forderungen für Zigi-Päckli-Preise von 15 Stutz.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Schweiz landet im «Tobacco Control Scale 2025» auf Platz 36 von 37.
- Sucht-Experten und Tabak-Gegner fordern nun Massnahmen.
- Eine davon: Zigis müssten viel teurer werden. Im Schnitt 13 bis 15 Franken.
- Zudem schlagen Experten Alarm wegen Snus und Lutschtabak. Junge fahren darauf ab.
- Die Tabak-Lobby wehrt sich.
Sackschwaches Zeugnis im «Tobacco Control Scale 2025»!
Die Schweiz landet im internationalen Ranking auf Platz 36 von 37. Nur Bosnien schützt seine Bürger noch schlechter vor Tabak- und Nikotinprodukten, sagt Der Bericht.

Verschiedene Faktoren wie Preis, Prävention oder Verbote im öffentlichen Raum werden miteinbezogen.
Regeln der WHO? Schweiz im Alleingang
Auffallend: Die Schweiz rutscht seit zehn Jahren immer weiter ab. 2013 war es noch Platz 18, 2016 Platz 21 und 2019 Platz 35. Dass man bald vorrückt, ist aktuell nicht absehbar.
Als eines der wenigen Länder hat die Schweiz nämlich die WHO-Tabakkonvention von 2005 noch nicht ratifiziert. Deren Ziel ist es, den Tabakkonsum weltweit zu reduzieren. So etwa mit einem umfassenden Werbeverbot.
Wolfgang Kweitel von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz schlägt Alarm. «9200 Personen sterben in der Schweiz jährlich durch den Tabakkonsum. Wir sehen ein politisches Versagen.»
Ein Päckli Zigis soll im Schnitt 13 bis 15 Franken kosten
Unbedingt ansetzen müsse man beim Preis. «Die auf die Produkte erhobene Tabaksteuer ist in der Schweiz sehr tief, insbesondere auf neue Tabakprodukte.»
Bei Vergleichen würde oftmals ausgeblendet, dass die Schweiz ein deutlich höheres Einkommensniveau habe. «100 Euro haben für den durchschnittlichen EU-Bürger dieselbe Bedeutung wie 173 Euro für einen Schweizer.»
Wieviel Geld ist in der Schweiz für ein Päckli Zigis angebracht?
«Sicherlich sollte die Tabaksteuer so angepasst werden, dass Verkaufspreise unter zehn Franken nicht mehr möglich sind. Der durchschnittliche Verkaufspreis würde sich dadurch in Richtung 13 bis 15 Franken bewegen.»
«Riesiger» Einfluss der Tabaklobby
Für Markus Meury von Sucht Schweiz kommt das schlechte Ergebnis nicht überraschend. Die globale Tabakindustrie hat hier wichtige Firmensitze, der Einfluss auf die hiesige Tabaklobby sei «riesig».
Die Folge: «Im europäischen Vergleich geht die Raucherquote weniger stark zurück als in den anderen Ländern. Gleichzeitig stehen der Tabakindustrie viele Türen offen, die Jugendlichen mit neuen Produkten in den Nikotinkonsum hineinzuziehen.»
Wo hinkt die Schweiz nebst den Kosten denn besonders nach?
Zum Beispiel seien die Behandlungen zum Ausstieg teuer und würden nicht von der Krankenkasse übernommen, so Meury. Nikotinprodukte seien sehr einfach zugänglich. Und bis Januar 2027 sei Tabakwerbung weiter erlaubt: Jugendliche würden «überschwemmt».
Neue Produkte: Teenies lieben es süss und fruchtig
Zigis sind zwar weiter am beliebtesten. «Wesentlich dramatischer» ist die Situation aber bei den sogenannten «neuen Produkten», unterstreicht Kweitel.

«Dort müsste die Tabaksteuer noch viel dringlicher angepasst werden. Diese beträgt dort aktuell nur ein Bruchteil der üblichen Tabaksteuer. Die Gewinne für die Produzenten in der Schweiz mit ihrer oftmals minderjährigen Kundschaft sind obszön.»
Gerade bei den Jugendlichen (15 bis 17 Jahre) sehe man einen Wendepunkt durch das Aufkommen von «Alternativen».
Einstiegsprodukte normalisieren Nikotinabhängigkeit
«Snus und Lutschtabak zeigen sich zunehmend als Einstiegsprodukte, die Nikotinabhängigkeit normalisieren. Gerade bei Personen, die nie geraucht hätten.»
Bekannt sind die Markennamen «Zyn» von Philip Morris oder «Velo» von British American Tobacco.
Ein wichtiger Faktor: Das «Geschmacksmarketing». Ob E-Zigis oder Lutschtabak – für alle ist nun etwas dabei. 15- bis 17-Jährige mögen es am liebsten fruchtig oder süss, Erwachsene greifen zu Tabakgeschmack.
Nau.ch hat auch die Gegenseite, die Vereinigung des Schweizerischen Tabakwarenhandels «Swiss Tobacco» kontaktiert und um eine Einschätzung zum Ranking gefragt. Müssen Zigis teurer werden? Sind Massnahmen nötig?
Der Verband liess die Anfrage bis zur Artikel-Veröffentlichung unbeantwortet.

















