Werbeverbot für Zigaretten, Alkohol – und bald auch Fleisch?
Mit dem Argument des Gesundheitsschutzes ist Werbung für gewisse Produkte in der Schweiz verboten. Könnte Fleisch bald dazugehören?

Das Wichtigste in Kürze
- In Amsterdam ist ab 2026 Fleischwerbung im öffentlichen Raum verboten.
- Könnte das auch in der Schweiz durchgesetzt werden?
- Immerhin gibt es auch hier Werbeverbote für Gewisse Produkte.
Es ist noch gar nicht so lange her, da war das völlig normal: An Bahnhöfen hingen Plakate mit einem verruchten Cowboy auf einem Pferd, lässig mit Zigarette im Mund. Ein Gefühl von Rebellion umgab ihn. Wer sich ebenso fühlen wollte, lief zum nächsten Kiosk und gönnte sich eine Schachtel Glimmstängel – und damit den Genuss von Freiheit.
Zigaretten haben natürlich wenig mit Genuss und Freiheit zu tun, sondern viel mit Mundgeruch, Sucht und Lungenkrebs. Deshalb ist Zigarettenwerbung in der Öffentlichkeit schweizweit verboten.
Auch andere Genussmittel geniessen keinen Freipass mehr. Alkoholwerbung ist stark reglementiert, und selbst über ein Werbeverbot für stark zuckerhaltige Lebensmittel wird diskutiert. Warum dieser Verbotswahn? Weil diese Produkte der Gesundheit schaden können.
Könnte es deshalb bald einem weiteren Lebensmittel an den Kragen gehen? Schliesslich wird auch dieses von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft.
Würde man den Durchschnittsschweizer auf der Strasse fragen, ob ein vermutlich krebserregendes Produkt öffentlich beworben werden sollte, würden die meisten wohl Nein sagen. Bis klar wird, um welches Produkt es sich handelt.
Kräftig beworben trotz Gesundheitswarnung
Die Rede ist natürlich von Fleisch. Genauer: Von rotem und verarbeitetem Fleisch wie Wurst, das laut WHO als noch riskanter gilt.
In Amsterdam wird Fleischwerbung ab Sommer 2026 in öffentlichen Räumen verboten sein. Auf Plakatwänden, an Bushaltestellen und auf digitalen Bildschirmen wird es dann kein Steak, kein verlockendes «Tsch Tsch» mehr geben.

Und die Stadt geht noch einen Schritt weiter. Bis 2050 will Amsterdam einen Anteil von 50 Prozent pflanzlicher Ernährung unter ihren Einwohnern erreichen.
Ob so etwas in der Schweiz funktionieren würde? Keine Fleischwerbung mehr im öffentlichen Raum und eine offizielle Strategie, die Bewohner zumindest teilweise zu veganisieren?
Aufschrei vorprogrammiert
Die Zahl der dagegen eingereichten Referenden würde wohl gleich zu einem Kollaps der Bundeskanzlei in Bern führen. Eine derart drastische Bevormundung würden sich viele Schweizer kaum gefallen lassen – selbst wenn es um die eigene Gesundheit ginge. Lieber sein Steak verteidigen, als dem Herzinfarkt vorbeugen.

Dennoch dürfen die Schritte in Amsterdam als Anstoss dienen. Die Steuermillionen für Werbung, die Proviande, die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft, jedes Jahr erhält, könnten auch in sinnvollere Kampagnen fliessen.
Zum Beispiel für Lebensmittel, die nicht von der WHO als krebserregend eingestuft werden. Linsen zum Beispiel oder heimischer Soja. Oder Erbsenprotein und Schweizer Hafermilch.
Moment mal, das sind ja alles vegane Lebensmittel! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Zur Person: Mirjam Walser (39) schreibt auf Nau.ch regelmässig zu Veganismus, Ernährung und gesellschaftlichem Wandel. Als Gründerin der Vegan Business School unterstützt sie Menschen dabei, vegane Unternehmen aufzubauen.








