Studie: PFAS im Blut von allen 630 getesteten Menschen nachgewiesen
Bei einer Schweizer Studie wurden bei allen 630 untersuchten Personen PFAS im Blut nachgewiesen. Alter, Geschlecht und Ernährung beeinflussen die Belastung.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Schweizer Studie hat bei allen 630 untersuchten Personen PFAS im Blut nachgewiesen.
- Besonders Männer, ältere Menschen sowie Fleischkonsumenten weisen höhere Werte auf.
- Vegetarische und pflanzenbetonte Ernährung geht mit einer geringeren Belastung einher.
PFAS, die sogenannten «Ewigkeitschemikalien», sind in der Schweiz weit verbreitet.
Das Ausmass überrascht dennoch: Eine Studie von Unisanté weist bei sämtlichen 630 untersuchten Erwachsenen aus den Kantonen Waadt und Bern PFAS im Blut nach!
Unisanté ist das Universitätszentrum für Allgemeinmedizin und öffentliche Gesundheit in Lausanne. Die Untersuchung wurde im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) sowie des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) durchgeführt.
Die Forschenden analysierten Blut- und Urinproben und untersuchten insgesamt 30 verschiedene per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS).
Ernährung spielt entscheidende Rolle
PFAS werden wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften seit Jahrzehnten in zahlreichen Produkten eingesetzt.
Sie werden in der Umwelt und im menschlichen Körper nur sehr langsam abgebaut werden. Deshalb reichern sie sich über die Jahre an.
Die Studie bestätigt frühere Forschungsergebnisse: Die Ernährung ist der wichtigste Aufnahmeweg für PFAS – Noch vor Trinkwasser oder Luft.
Besonders hohe Belastungen fanden die Forschenden bei älteren Männern, die häufig Fleisch und Fisch essen.
Vor allem Lachs sowie einheimische Süsswasserfische standen mit erhöhten PFAS-Werten in Zusammenhang.
Die Stoffe gelangen über belastete Gewässer und die Nahrungskette in die Fische.
Deutlich niedrigere Konzentrationen wurden dagegen bei Vegetariern und Veganern gemessen.
Auch eine pflanzenbetonte Ernährung mit viel Hülsenfrüchten, Nüssen, Obst und Gemüse war mit geringeren PFAS-Werten verbunden.
Frauen wiesen insgesamt ebenfalls tiefere Belastungen auf. Als mögliche Erklärung nennen die Forschenden die Menstruation, über die PFAS teilweise aus dem Körper ausgeschieden werden könnten.
Teilweise über Richtwert
Besonders häufig wurde die mittlerweile verbotene Chemikalie PFOS nachgewiesen.
Der Medianwert lag bei 6,6 Nanogramm pro Milliliter Blutserum. Damit überschritt rund die Hälfte der Teilnehmenden den gesundheitlichen Orientierungswert von 5 Nanogramm pro Milliliter. Diesen hatte die deutsche Human-Biomonitoring-Kommission festgelegt.
Der Wert, ab dem ein erhöhtes Gesundheitsrisiko angenommen wird, wurde jedoch bei keinem Studienteilnehmer erreicht.
Neben der Ernährung identifizierte die Studie weitere mögliche Einflussfaktoren. Dazu gehören Alkoholkonsum, Skiwachs, Imprägniersprays sowie bestimmte berufliche Tätigkeiten.
«Vorsorgeprinzip anwenden»
Welche gesundheitlichen Folgen die gemessenen Konzentrationen konkret haben, lässt sich mit der Studie nicht beantworten.
«Wenn man unsere Ergebnisse aber mit anderen Studien vergleicht, könnten gewisse Konzentrationen langfristig problematisch sein.» Das sagt Murielle Bochud, Leiterin der Abteilung Epidemiologie und Gesundheitssysteme bei Unisanté, im Interview mit «24 Heures».

Bochud verweist auf frühere Untersuchungen. Diese bringen PFAS mit geschwächter Immunabwehr, bestimmten Krebsarten, verminderter Fruchtbarkeit sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Deshalb müsse insbesondere für Kinder und Schwangere das Vorsorgeprinzip gelten.
Für die Ernährung empfiehlt sie dennoch keine radikalen Veränderungen. Fisch bleibe eine wichtige Proteinquelle, sagte Bochud. Sinnvoll sei jedoch, den Konsum zu variieren und nicht täglich dieselben Fischarten aus derselben Herkunft zu essen.



















