PFAS sind überall – diese Krankheiten drohen
PFAS-Chemikalien belasten nicht nur die Böden. Sie sind praktisch überall, wie eine neue Untersuchung zeigt. Was bedeutet das für unsere Gesundheit?

Das Wichtigste in Kürze
- PFAS-Chemikalien wurden zuletzt in über 99 Prozent de Schweizer Böden nachgewiesen.
- Belastetes Trinkwasser und Lebensmittel bergen vermehrt gesundheitliche Gefahren.
- Die Substanz bleibt Jahre im Körper, schädigt Organe und kann Krebs auslösen.
Die Schweizer Böden sind zunehmend von PFAS-Chemikalien verschmutzt.
Eine aktuelle Auswertung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der ETH Zürich ergibt: PFAS sind in über 99 Prozent von 1070 Bodenproben nachweisbar.
Die Frage drängt sich auf, was die zunehmende Belastung für die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung bedeutet. Umweltchemiker Martin Scheringer von der ETH Zürich schätzt die Lage für Nau.ch ein.
Gefährlich werde es insbesondere bei der Aufnahme von Perfluoroktansulfonsäure, kurz PFOS, einer spezifischen Form von PFAS.
Betroffen sind sowohl das Trinkwasser als auch viele Lebensmittel.
«Das grösste Problem ist die Belastung von Fleisch, Fisch, Eiern», so Scheringer.
Dies führte sogar bereits zu einem «Verkaufsverbot für Fisch aus dem Zuger- und Hallwilersee und für Rindfleisch aus der Ostschweiz.»
Politiker will PFAS-Fleisch strecken statt entsorgen
Gegen den Verkaufs-Stopp von Letzterem plant der Bund aktuell Massnahmen. Viele Tiere nahmen zu viel von den Chemikalien auf, was ihre Höchstwerte durch die Decke trieb.
Daher reichte der St. Galler Mitte-Ständerat Benedikt Würth eine Motion ein.
Seine Idee: Man könne belastetes Fleisch mit unbelastetem mischen. So werde man den vorgegebenen Grenzwerten wieder gerecht und könne die Fleischwaren zurück in die Regale bringen.
Schadstoffe bleiben im Körper
Doch nicht nur Fleischesser sind betroffen. Auch einige Pflanzenarten nehmen PFAS stark auf.
Bei der Substanz spricht man auch von sogenannten «Ewigkeitschemikalien». Der Name ist hier Programm, denn: Sie verbleiben «über Jahre im Körper, weil sie nur sehr langsam ausgeschieden werden».

Das heisst: «Sie haben genug Zeit im Körper, um chronische Krankheiten auszulösen.»
Doch um welche Krankheiten geht es konkret?
Scheringer: «PFAS sind chronisch toxisch. Daher schädigen sie unter anderem Leber, Niere und Schilddrüse und den Fettstoffwechsel. Und sie können auch Krebs auslösen.»
Brisant: Ein Dorn im Auge ist dem Wissenschaftler das Einwegbesteck, «da dies immer beschichtet ist und die Beschichtung PFAS enthalten kann».
Für den täglichen Kaffee to go dürfte er daher nicht zu begeistern sein. Scheringer: «Man sollte auf Einwegbecher und -teller verzichten.»
Experte fordert strengere Kontrollen
Ansonsten könnten Einzelpersonen im Alltag jedoch ernüchternd wenig tun, so Scheringer. Da man die PFAS «nicht sieht oder schmeckt, und auch nicht erkennen kann, ob Nahrungsmittel damit belastet sind.»

Umso mehr zieht der Umweltchemiker daher die kantonalen Behörden in die Verantwortung.
Er appelliert, dass man «Nahrungsmittel verstärkt auf PFAS analysiert, um zu wissen, welche Produkte stark belastet sind. Diese müssen aus dem Verkehr gezogen werden.»













