Können unsere Wälder nach der Trockenheit einem Sturm standhalten?
Die Trockenheit in der Schweiz macht auch den Wäldern zu schaffen. Bei stürmischem Wind könnte dies zu einem grösseren Problem werden.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Schweizer Wälder stehen aufgrund der Trockenheit unter Druck.
- Stark geschädigte Äste können abbrechen, selbst ohne äusserliche Einflüsse wie Wind.
- Nau.ch hat bei Experten nachgefragt, ob unsere Wälder einem Sturm standhalten können.
Nach einer scheinbar unendlichen Phase der Hitze und Trockenheit erlebt die Schweiz aktuell eine langersehnte Abkühlung. Vielerorts fällt diese Woche Regen, während die Temperaturen etwas sinken. Auch Gewitter sind zu erwarten.
Damit verbunden sind auch steigende Windgeschwindigkeiten und teilweise stürmische Bedingungen. Besonders den Schweizer Wäldern könnte dies zum Verhängnis werden, da sie unter der anhaltenden Trockenheit leiden und geschwächt sind.
Müssen wir uns in Waldesnähe deshalb vor herabfallenden Ästen und umstürzenden Bäumen fürchten? Nau.ch hat bei der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und beim Verband WaldSchweiz nachgefragt.
«Die aktuelle Lage ist bezüglich Trockenheit und Hitze ausserordentlich, insbesondere auch deshalb, weil sie schon seit längerem anhält. Das ganze erste Halbjahr 2026 war sehr trocken», sagt Benno Schmid vom Verband der Schweizer Waldeigentümer WaldSchweiz.
Die Trockenheit und der Klimawandel erhöhen gemäss Schmid den Druck auf den Wald: «Die Auswirkungen sind schneller und deutlicher sichtbar, als Fachleute erwarteten.» Zudem machen dürre Bäume oder herabfallende Äste die Arbeiten im Wald noch gefährlicher als sie es sowieso schon ist.
Wälder sind regional unterschiedlich stark geschwächt
Die Schweizer Wälder sind jedoch nicht überall gleich stark geschwächt. Die Experten Frank Krumm und Arthur Gessler von der Forschungseinheit Wald- und Bodenökologie an der WSL beschreiben die Situation: «Die Wälder sind regional unterschiedlich stark von Hitze und Trockenheit betroffen.»
Dies hänge vor allem vom Niederschlagsdefizit in den letzten Monaten und von der Wasserhaltefähigkeit der Böden ab. «Zudem ist es wichtig, welche Baumarten betroffen sind», so die Experten.
Selbst ohne Sturmeinfluss können Äste abbrechen
Deutliche Schäden an unterschiedlichen Baumarten seien im Jura und in weiten Teilen des Mittellandes zu sehen.
«Geschwächte Bäume sind bei starken Stürmen grundsätzlich anfälliger für Windbruch», sagen die Experten der WSL. Einzelne Äste können laut Krumm und Gessler bei starker Schädigung durch Hitze und Trockenheit auch ohne Sturmeinfluss abbrechen. Das ist ein bekanntes Phänomen und nennt sich «sommerlicher Astbruch»
Durch Hitze und Trockenheit betroffene Bäume weisen allerdings oft vorzeitigen Blattverlust auf, was die Windangriffsfläche verringert. Die Experten gehen deshalb in diesem Jahr von keiner vergrösserten Gefahr bezüglich der Umstürzen von ganzen Bäumen aus: «Die Standfestigkeit des Stamms sollte durch die Trockenheit in diesem Jahr noch nicht beeinflusst sein», sagen sie.
Bäume könnten in den nächsten Jahren «deutlich geschwächt sein»
Das könnte sich in den nächsten Jahren jedoch ändern: «Wir müssen erwarten, dass die Bäume, die jetzt von vorzeitigem Blattverlust betroffen sind, deutlich geschwächt sein werden.» Dies könnte sich gemäss den Experten auch auf die Wurzeln auswirken und damit die Standfestigkeit erniedrigen.
Ein Sturm könnte gemäss den Experten zusätzlich Feinwurzeln verletzen und somit die Trockenheitssensitivität für die Zukunft weiter verstärken.
Auswirkungen je nach Baumart unterschiedlich
Nicht alle Baumarten seien gleich stark von den Auswirkungen der Trockenheit betroffen: «Gerade Buchen können lange geschwächt bleiben und nach mehreren Jahren auch durch Sekundärschädlinge wie Pilze absterben», so die WSL-Experten.
Andere Arten wie die Eiche werden sich gemäss den Experten wahrscheinlich besser erholen können. Dies hänge aber stark vom Ausmass der Schädigung und vom Standort ab.

Benno Schmid von WaldSchweiz erwartet deshalb, dass der Klimawandel die Wälder verändern wird: «Insbesondere in tieferen Lagen, beispielsweise im Mittelland, werden die Nadelbäume durch Misch- und Laubwälder ersetzt.»















