Heilungstherapien von Homosexuellen sollen im Kanton Neuenburg verunmöglicht werden. Eine entsprechende Motion wurde heute Mittwoch angenommen.
Regenbogenflagge
Eine Regenbogenflagge weht im Wind. - pixabay

Das Wichtigste in Kürze

  • Therapien zur Änderung der sexuellen Orientierung von Personen sollen verhindert werden.
  • Eine entsprechende Motion hat der Grosse Rat in Neuenburg angenommen.
  • Es ist nicht bekannt, wie viele solche Therapien in der Schweiz geführt werden.

Der Kanton Neuenburg will Therapien zur Änderung der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität von Personen verhindern. Der Grosse Rat hat am Mittwoch eine entsprechende Motion mit grosser Mehrheit angenommen. Diese kam aus der Fraktionen der Grünen/Partei der Arbeit und der SP. Die Kantonsregierung schlug jedoch einen Änderungsantrag vor, damit sie nicht verpflichtet wird, in dieser Frage ein dringliches Gesetz zu erlassen.

Die Fraktionen der Grünen/Partei der Arbeit und der SP lehnten diesen Änderungsantrag ab, weil dieser die Tragweite der Motion einschränke. Die Abgeordneten hiessen den Änderungsantrag des Staatsrats schliesslich mit 44 Ja-, 41 Nein-Stimmen und 9 Enthaltungen gut.

Bislang kein formelles Gesetz

Der Staatsrat erinnerte daran, dass laut Bundesrat bereits die aktuelle Gesetzgebung die Bevölkerung vor solchen Praktiken schützen könne. Die Landesregierung hatte sich 2019 gegen eine gesetzliche Verankerung des Verbots von sogenannten Konversionstherapien ausgesprochen, obwohl sie diese Praktiken anprangerte.

«Kein Kanton hat bisher formell ein Gesetz erlassen», sagte Staatsrätin Florence Nater (SP). «Wir wollen den fachlichen Ansatz bevorzugen und auf Juristen, Ärzte, Sozialdienste und religiöse Kreise zugehen. Dies um Abklärungen zu treffen, Prävention zu betreiben und den Schutzbedarf zu ermitteln.» Das schliesse eine gesetzliche Verankerung in Zukunft nicht aus.

Justitia
Eine Statue der Justitia. - AFP/Archiv

In mehreren Kantonen, wie in Genf, Waadt und Basel-Stadt wurden bereits parlamentarische Motionen eingereicht oder an die Regierung überwiesen. Dies um solche «Umpolungstherapien» zu untersagen. In St. Gallen wird sich der Kantonsrat voraussichtlich in diesem Jahr mit dem Thema befassen.

Es ist nicht bekannt, wie viele solche Therapien in der Schweiz geführt werden. Immer wieder gelangen jedoch Einzelfälle an die Öffentlichkeit. 2018 hatte ein in den Kantonen Genf und Waadt praktizierender homöopathischer Arzt 2018 angeboten, «Homosexualität zu heilen». Im Jahr 2020 empfahl sich ein Psychiater in Schwyz für solche «Therapien».

Mehr zum Thema:

Bundesrat Regierung Gesetz Arzt SP