Franken

    Milchbauern verdienen weniger als 9 Franken pro Stunde

    Riccardo Schmidlin
    Riccardo Schmidlin

    Bern,

    Um einen fairen Lohn zu erzielen, müssten die Produzentenpreise laut einer neuen Studie deutlich steigen: Bei Milch wäre ein Aufschlag von 77 Prozent nötig.

    Milchbauer
    Schweizer Milchbauern verdienen weniger als bislang angenommen. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Milch- und Rinderbauern verdienen laut einer neuen Studie deutlich weniger als andere Landwirte.
    • Für einen fairen Lohn müssten die Produzentenpreise bei Milch um 77 Prozent steigen.
    • Ein Wechsel zu lukrativeren Kulturen ist für viele Betriebe kaum möglich.

    Eine neue Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) zeigt: Wer in der Schweiz Milch produziert, verdient gerade mal 8.30 Franken pro Stunde.

    Die Studie wurde von FHNW-Ökonom Mathias Binswanger im Auftrag des Vereins Faire Märkte Schweiz erstellt. Nun berichtet die «Sonntagszeitung» darüber.

    Auch in anderen Bereichen der Tierhaltung sind die Stundenlöhne tief: Wer Rindvieh mästet, verdient 7.90 Franken, bei der Mutterkuhhaltung sind es sogar nur 4.30 Franken pro Stunde.

    Arbeitest du in der Landwirtschaft?

    Deutlich höher sind die Einkommen im Pflanzenbau: Raps bringt bis zu 73.60 Franken pro Stunde, Zuckerrüben 55.90 Franken.

    Für Binswanger ist klar: Die Preise, die Landwirte für ihre Produkte erhalten, sind zu tief. Damit ein fairer Lohn erzielt werden kann, müssten die Produzentenpreise deutlich steigen.

    Milch müsste 77 Prozent teurer werden

    Bei Milch wäre laut Studie ein Aufschlag von 77 Prozent nötig, bei Rindfleisch 39 Prozent. Und bei der Mutterkuhhaltung sogar 101 Prozent.

    Höhere Produzentenpreise würden zunächst Detailhändler und Verarbeiter wie Käseproduzenten stärker belasten.

    Ob und wie viel davon am Ende die Konsumenten bezahlen müssten, hängt von den Margen der Händler ab. Diese Zahlen sind jedoch nicht öffentlich.

    Binswanger kritisiert deshalb, dass unklar bleibt, ob tiefe Produzentenpreise tatsächlich beim Kunden ankommen oder ob Händler davon profitieren.

    Bauern können nur schwer umstellen

    Bisher scheinen zumindest die Konsumenten von tiefen Produzentenpreisen zu profitieren. Aber das trüge, sagt Binswanger der «Sonntagszeitung». «Schliesslich müssen sie als Steuerzahler für die Direktzahlungen und Soforthilfen an die Landwirte aufkommen.»

    Besonders schwierig ist die Situation für Milchbauern in Bergregionen. Ein Wechsel auf lukrativere Kulturen wie Raps oder Zuckerrüben ist wegen Gelände, Klima und Boden oft nicht möglich. Zudem haben viele Bauern viel Geld in Ställe und Melktechnik investiert. Ein Umstieg würde erneut hohe Investitionen erfordern.

    Die Milchwirtschaft ist mit rund 35 Prozent aller Schweizer Landwirtschaftsbetriebe der grösste Bereich der Landwirtschaft.

    Etwa 20 Prozent der Betriebe leben ausschliesslich von der Milchproduktion, weitere 15 Prozent nutzen sie als eines von mehreren Standbeinen.

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    Kommentare

    User #4258 (nicht angemeldet)

    Seitdem die Milchkontigentierung aufgehoben wurde, ist der Milchpreis massiv gesunken. Und dies obwohl in Bern überproportional viele Bauern (Landwirtschaftsnahen Berufen) sitzten. Ich habe den Verdacht, dass Grossbauern trotzdem ein rentables Geschäft (mit Hilfe von Subventionen und Direktzahlungen) machen und damit Kleinbauern verdrängen. Die SVP sorgt eben nicht umbedingt gut zu ihren eigeten Wählenden. Dies musst ich auch einmal bei einem Besuch im Bundeshaus feststellen, als durch die damaligen Agrarreform zehntausende von Bauernbetrieben eingehen sollten und wie sich dabei SVP-Exponenten dazu äusserten als wäre dies eine "normale" Fluktuation wie sie auch in anderen Wirtschaftzweigen vorkommen würden....

    User #2590 (nicht angemeldet)

    Wenn man nicht davon leben kann, muss man es eben aufgeben und was anderes arbeiten.

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