Milchbauern verdienen weniger als 9 Franken pro Stunde
Um einen fairen Lohn zu erzielen, müssten die Produzentenpreise laut einer neuen Studie deutlich steigen: Bei Milch wäre ein Aufschlag von 77 Prozent nötig.

Das Wichtigste in Kürze
- Milch- und Rinderbauern verdienen laut einer neuen Studie deutlich weniger als andere Landwirte.
- Für einen fairen Lohn müssten die Produzentenpreise bei Milch um 77 Prozent steigen.
- Ein Wechsel zu lukrativeren Kulturen ist für viele Betriebe kaum möglich.
Eine neue Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) zeigt: Wer in der Schweiz Milch produziert, verdient gerade mal 8.30 Franken pro Stunde.
Die Studie wurde von FHNW-Ökonom Mathias Binswanger im Auftrag des Vereins Faire Märkte Schweiz erstellt. Nun berichtet die «Sonntagszeitung» darüber.
Auch in anderen Bereichen der Tierhaltung sind die Stundenlöhne tief: Wer Rindvieh mästet, verdient 7.90 Franken, bei der Mutterkuhhaltung sind es sogar nur 4.30 Franken pro Stunde.
Deutlich höher sind die Einkommen im Pflanzenbau: Raps bringt bis zu 73.60 Franken pro Stunde, Zuckerrüben 55.90 Franken.
Für Binswanger ist klar: Die Preise, die Landwirte für ihre Produkte erhalten, sind zu tief. Damit ein fairer Lohn erzielt werden kann, müssten die Produzentenpreise deutlich steigen.
Milch müsste 77 Prozent teurer werden
Bei Milch wäre laut Studie ein Aufschlag von 77 Prozent nötig, bei Rindfleisch 39 Prozent. Und bei der Mutterkuhhaltung sogar 101 Prozent.
Höhere Produzentenpreise würden zunächst Detailhändler und Verarbeiter wie Käseproduzenten stärker belasten.
Ob und wie viel davon am Ende die Konsumenten bezahlen müssten, hängt von den Margen der Händler ab. Diese Zahlen sind jedoch nicht öffentlich.
Binswanger kritisiert deshalb, dass unklar bleibt, ob tiefe Produzentenpreise tatsächlich beim Kunden ankommen oder ob Händler davon profitieren.
Bauern können nur schwer umstellen
Bisher scheinen zumindest die Konsumenten von tiefen Produzentenpreisen zu profitieren. Aber das trüge, sagt Binswanger der «Sonntagszeitung». «Schliesslich müssen sie als Steuerzahler für die Direktzahlungen und Soforthilfen an die Landwirte aufkommen.»
Besonders schwierig ist die Situation für Milchbauern in Bergregionen. Ein Wechsel auf lukrativere Kulturen wie Raps oder Zuckerrüben ist wegen Gelände, Klima und Boden oft nicht möglich. Zudem haben viele Bauern viel Geld in Ställe und Melktechnik investiert. Ein Umstieg würde erneut hohe Investitionen erfordern.
Die Milchwirtschaft ist mit rund 35 Prozent aller Schweizer Landwirtschaftsbetriebe der grösste Bereich der Landwirtschaft.
Etwa 20 Prozent der Betriebe leben ausschliesslich von der Milchproduktion, weitere 15 Prozent nutzen sie als eines von mehreren Standbeinen.















