Nach Hitze-Sommer drohen höhere Milchpreise
Hitze, Futterknappheit und kranke Kühe treffen Milchbetriebe hart. Der Bauernverband und die Milchproduzenten fordern höhere Milchpreise.

Das Wichtigste in Kürze
- Milchproduzenten stehen unter Druck. Sie kämpfen mit ausserordentlichen Mehrkosten.
- Der Bauernverband und die Schweizer Milchproduzenten fordern höhere Milchpreise.
- Ab Herbst könnten die Preise für Milchprodukte in den Läden steigen.
Schweizer Milchbauern geraten zunehmend unter Druck. Gleich mehrere Faktoren wirken sich diesen Sommer negativ auf die Milchproduktion aus.
Anja Scherz von der Genossenschaft Schweizer Milchproduzenten SMP sagt zu Nau.ch: «Hitze, Trockenheit, Futterknappheit und gesundheitliche Probleme bei den Tieren belasten die Milchproduzentinnen und Milchproduzenten stark.»
Die Kühe würden weniger fressen und dementsprechend weniger Milch geben. «Sie leiden unter Hitzestress.»
Ausserdem gebe es wegen der Trockenheit und der daraus resultierenden Futterknappheit viele Betriebe, die zusätzliches Futter zukaufen müssten. Andere hätten bereits jetzt auf ihre Wintervorräte zurückgegriffen. Und erste Betriebe mussten ihre Tierbestände reduzieren.
«Auch das zirkulierende Orthobunya-Virus belastet einzelne Bestände», sagt Scherz. Dabei handelt es sich um einen Erreger, der Kühe befällt und unter anderem die Milchproduktion mindert.
Milchproduzenten fordern rasche Reaktion
All diese Faktoren führen laut Scherz zu erheblichen Mehrkosten für die Milchbetriebe. Ein automatischer Anstieg des Milchpreises ergibt sich daraus jedoch nicht.
Aber: «Für die SMP ist klar, dass es angesichts der aktuellen Belastungen nun rasch eine Erhöhung der Milchpreise braucht», sagt Scherz. «Damit die zusätzlichen Kosten der Milchproduzentinnen und Milchproduzenten gedeckt werden können.»
Auch Ökonom Mathias Binswanger geht davon aus, dass die aktuellen Probleme Auswirkungen auf den Milchpreis haben sollten.
Allerdings gibt er zu bedenken, dass die Milchbauern ihre Preise nicht frei aushandeln können. «Die höheren Kosten der Bauern führen so nicht direkt zu höheren Milchpreisen», erklärt Binswanger.

Aufgrund der ausserordentlichen Kosten und Risiken der Milchbetriebe, brauche es spezifische Hilfsmassnahmen von Bund und Kantonen.
«Die Kosten trägt dann der Steuerzahler statt die Milchkonsumenten», so Binswanger.
Binswanger schätzt, dass die Forderungen des Schweizerischen Bauernverbands nach höheren Milchpreisen nicht vollständig ignoriert werden könnten. «So dass die Milchpreise tatsächlich etwas ansteigen werden.»
So entsteht der Milchpreis
Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch, erklärt das Preissystem. Es gibt zwei verschiedene Preise.
Zum einen gibt es den Produzentenpreis, den die Bauern erhalten. «Dieser Marktpreis ist jetzt am Steigen, weil das im Sommer ohnehin geschieht», sagt Kohler zu Nau.ch. In der wärmsten Jahreszeit geben Kühe generell weniger Milch.

Zum anderen gibt es den Preis, den Konsumenten im Laden zahlen. Dieser hängt von mehreren Faktoren ab. Neben dem Produzentenpreis spielen Angebot und Nachfrage eine wichtige Rolle.
«Wir hatten im ersten Halbjahr 2026 eine Milchproduktion, die deutlich über dem Vorjahr war. Die Vorräte von Butter, Käse und Milchpulver sind nach wie vor hoch. Eine tiefere Produktion kann der Markt heute gut bewältigen, die Milch ist heute also nicht knapp», so Kohler.
Ab Herbst dürften Preise steigen
Doch Kohler rechnet mit einer Trendwende. «Die Wahrscheinlichkeit, dass die Milchmenge ab Herbst deutlich unter dem Vorjahr liegen wird, ist sehr gross», sagt er.
Auch in den Nachbarländern sei das Futter knapp und teuer. Kohler erwartet dort ebenfalls einen Rückgang der Milchproduktion ab Herbst.
Die Branchenorganisation Milch will die Lage in Kürze besprechen. «Der Vorstand der BO Milch tagt das nächste Mal in zwei Wochen. Dann wird der Richtpreis für A-Milch ein Thema sein», erklärt Kohler. Der Richtpreis ist eine Empfehlung der Branche, wie viel die Bauern für ihre Milch erhalten sollen.
«Sollte der Vorstand einen höheren Richtpreis beschliessen, ist davon auszugehen, dass dann im Herbst auch die Preise für Milchprodukte in den Läden steigen.»













