Migros verkauft Sprossen aus China mit Schweizerkreuz – Schwindel?
Die Migros verkauft Mungosprossen mit Schweizerkreuz auf der Verpackung. Doch wer genauer hinschaut, sieht: Das Saatgut kommt aus China.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Migros verkauft Sprossen mit Schweizerkreuz, aber das Saatgut stammt aus China.
- Ein Kunde kritisiert das als Etikettenschwindel.
- Tatsächlich geht die Migros damit aber sogar weiter, als sie müsste.
Als «Etikettenschwindel» bezeichnet der Könizer Andi A.* die Bio-Mungosprossen aus der Migros.
Der Grund für seinen Ärger: Auf der Vorderseite des Produkts prangt gross ein Schweizerkreuz. Dreht man die Packung um, steht bei der Herkunft des Saatgutes allerdings China.
Auf LinkedIn stellt er deshalb die Frage: Inwiefern seien diese Sprossen «aus der Region»? «Weil man sie hier zum Keimen gebracht und verpackt hat? Das ist doch ein Witz.»
Auf Anfrage von Nau.ch präzisiert Andi A. seine Kritik: «Es stört mich als Konsument, dass lediglich der kleinere Teil der Produktion in der Schweiz stattgefunden hat. Und dass man es dann als Schweizer oder regionales Produkt verkauft.»
Seine Forderung ist klar: Das Schweizerkreuz und das Label «aus der Region» sollen künftig weggelassen werden.
«Dann sehe ich auf den ersten Blick, dass ich dieses Produkt nicht kaufen möchte. Weil es nicht meinen persönlichen ethischen Richtlinien entspricht, da es um die halbe Welt gereist ist.»
Migros müsste Saatgut-Herkunft gar nicht deklarieren
Doch es gibt nicht nur Schimpfis für die Migros: «Ich rechne der Migros hoch an, dass sie transparent über die Herkunft des Saatgutes informierte», sagt er.
Tatsächlich wäre die Detailhändlerin dazu gar nicht verpflichtet. Wie Josianne Walpen, Leiterin Ernährung des Schweizerischen Konsumentenschutzes, gegenüber Nau.ch erklärt, schreibt das Gesetz eine solche Deklaration nicht vor.
«Das Lebensmittelgesetz verpflichtet die Anbieterinnen und Anbieter nicht, die Herkunft des Saatgutes oder der Setzlinge zu deklarieren. Dieses kommt für Schweizer Produkte aber sehr oft aus dem Ausland, gerade bei Gemüse», sagt sie.
Konsumentenschutz lobt Migros-Deklaration
Aus Sicht des Konsumentenschutzes ist die Offenlegung deshalb sogar positiv: Die Herkunft des Saatgutes werde «offen deklariert».
Allerdings sieht die Organisation ein anderes, grösseres Problem: «Wir sehen da eine grössere Transparenzlücke im Schweizer Lebensmittelrecht als die Herkunft von Saatgut und Setzlingen zu deklarieren.»
Gefordert wird stattdessen mehr Klarheit bei verarbeiteten Produkten – konkret bei der Herkunft ihrer Rohstoffe.
Auch die Migros selbst zeigt Verständnis für die Diskussion rund um die Sprossen. «Wir können nachvollziehen, dass die Logos mit der Herkunft Schweiz in Kombination mit der Herkunft des Saatgutes aus dem Ausland zu Verwirrung führen können.»
Gleichzeitig betont der Detailhändler, dass «der überwiegende Teil der Wertschöpfung» in der Schweiz beziehungsweise in der Region stattfindet. «Nur das Saatgut stammt aus dem Ausland.»
Damit erfülle das Produkt sowohl die Swissness-Regulierung als auch die Anforderungen des Labels «Aus der Region. Für die Region.» – es sei also «korrekt gekennzeichnet».
Schweiz ist auf ausländisches Saatgut angewiesen
Zudem weist die Migros darauf hin, dass die Schweiz stark auf ausländisches Saatgut angewiesen ist: Rund die Hälfte stammt aus dem Ausland. «Viele Schweizer Gemüse entstehen aus Saatgut aus dem Ausland.»
Ein weiterer Punkt: «Durch die transparente Kennzeichnung der Herkunft des Saatgutes können unsere Kundinnen und Kunden einen informierten Kaufentscheid treffen.»
Trotzdem nimmt die Migros die Kritik ernst. «Wir werden eine Verpackungsanpassung prüfen, um künftig noch klarer und transparenter zu kommunizieren.»
* Name der Redaktion bekannt















