Lehrpersonen zittern um Unterrichtsmaterial von SRF
Für den Schulunterricht nutzen viele Lehrpersonen Material von SRF. Eine Primarlehrerin befürchtet, dass das Angebot bei einem Ja zur SRG-Initiative wegfällt.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Plattform «SRF School» ist bei Lehrpersonen beliebt.
- Eine Primarlehrerin befürchtet, auf das «gut recherchierte» Material verzichten zu müssen.
- Eine SVP-Nationalrätin und Befürworterin der Halbierungsinitiative beschwichtigt.
Ein Ja zur Halbierungsinitiative könnte auch den Schulunterricht auf den Kopf stellen. Dies befürchtet zumindest eine Primarlehrerin. Auf Instagram postet die Lehrerin alias «f.r.a.u.l.e.h.r.e.r.i.n» regelmässig aus ihrem Schulalltag und gibt Tipps.
In einem Video zeigt sie, wie sie die Hand vor das Gesicht hält und kopfschüttelnd ihren Laptop schliesst. So imitiert sie Lehrpersonen, die nicht mehr mit «SRF School» arbeiten können, weil das Angebot wegen der Halbierungsinitiative gekürzt wird.
Sie habe immer gesagt, dass sie auf diesem Profil normalerweise nicht politisiere, schreibt die Lehrerin dazu. Aber hier gehe es «um mega viel».
Konkret: «Um tolle Inhalte und sauber recherchierte Beiträge, die den Schulalltag von mir und meinen Schüler*innen bereichern.»
Von Erklärvideos bis zu Aufgabenblättern
«SRF School» besteht seit 1964. Ursprünglich war es als Schulfernsehen bekannt. Auf der Website von SRF bietet das Medienhaus Schulen ein Angebot, das speziell für den Unterricht konzipiert ist.
Dort können die Lehrpersonen auf Videos in Form von Reportagen, Dokumentationen und Erklärvideoformaten zurückgreifen.
Ein Video erklärt etwa, worum es sich beim ökologischen Fussabdruck handelt oder was Schweizer Neutralität bedeutet. «SRF Kids News» zeigt, wie man Fake News im Netz erkennt oder erklärt die Zölle auf einfache Weise.
Die «SRF Kids News» – kinderfreundliche Nachrichten – zeigt der Sender zudem wöchentlich im Rahmen des Kinderprogramms «SRF Kids».
Auch Aufgaben- und Lösungsblätter können die Lehrpersonen auf der Plattform herunterladen.
«Hochwertig aufbereitet»
Die Instagram-Lehrerin will in den Medien nur ihren Vornamen veröffentlicht haben. Sie heisst Isabelle und unterrichtet im Kanton Bern eine Mehrjahrgangsklasse der 5. und 6. Klasse.
Die Angebote von «SRF School» seien vielseitig, aktuell und gut recherchiert, sagt Isabelle zu Nau.ch.
«Sie haben stets einen klaren Lehrplanbezug und werden hochwertig aufbereitet zur Verfügung gestellt.» Besonders viel Wert legt sie darauf, dass die Inhalte kindgerecht und stufengerecht gestaltet sind.
Das Material der Plattform nutzt Isabelle regelmässig. «Wir schauen jede Woche die ‹SRF Kids News› und bearbeiten dazu passende Aufgaben.»
Zusätzlich nutzten sie regelmässig Lernvideos oder hörten Podcasts. «Im Dezember haben wir beispielsweise täglich den Hörspiel-Adventskalender gehört.»
Sehr wertvoll finde sie auch die Anti-Mobbingkampagne «SayHi», sagt die 35-jährige Primarlehrerin. Dabei setzen sich Kinder tanzend gegen Mobbing und für ein friedliches Miteinander ein.
Auch Lehrerverband lobt SRF-Unterrichtsmaterialien
Die Lehrerin mit knapp 80'000 Followern bittet in ihrem Post alle, die dieses Angebot auch nutzen, die Hände hochzuheben. In den Kommentaren reagierten über 200 Lehrerinnen und Lehrer mit entsprechenden Emojis.
Dem Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) liegt keine aktuelle, repräsentative Nutzungsstatistik zu «SRF School» vor. «Wir wissen aber, dass ‹SRF School› regelmässig als Ergänzung zum Unterricht eingesetzt wird», sagt Beat A. Schwendimann. Er ist Leiter Pädagogik beim LCH.
Dies sei dem Verband aus zahlreichen Rückmeldungen aus der Schulpraxis bekannt. Attraktiv sei das Angebot, weil es lehrplanbezogene Videos und Materialien mit Schweiz-Bezug bereitstelle.

Der LCH empfiehlt laut Schwendimann keine einzelnen Anbieter. Der Verband unterstütze aber ausdrücklich die Nutzung von hochwertigen, ausgewogenen und lehrplankonformen Unterrichtsmedien, sagt Schwendimann.
«Entscheidend ist, dass Lehrpersonen die Materialien professionell auswählen und sie zum Lehrplan passen sowie weltanschaulich und politisch ausgewogen sind.»
In diesem Sinn seien öffentliche Bildungsangebote wie «SRF School» aus Sicht des LCH ein wertvoller Bestandteil des Unterrichtsrepertoires.
«Drastische Folgen»
Die SRG-Initiative will die Serafe-Gebühren von 335 auf 200 Franken pro Jahr senken. Sie befürchtet, dass das Angebot dadurch weniger vielseitig würde, sagt Isabelle. «Und möglicherweise einzelne Formate ganz wegfallen könnten.»
Die SRG wäre mit der Hälfte ihres Budgets ein ganz anderes Unternehmen als heute, schreibt die SRG-Medienstelle auf Anfrage. «Klar ist: Eine solche Budgetreduktion hätte für die SRG in nahezu allen Bereichen drastische Folgen.»
Bei einer Annahme der Initiative müssten jedoch Parlament und Bundesrat die neuen gesetzlichen Grundlagen auf den neuen Finanzrahmen ausrichten.
«Was im künftigen Angebot und Programm der SRG schweizweit dereinst möglich ist, hängt davon ab», so die Medienstelle.
SRF: Zugriffszahlen stiegen kontinuierlich
Stefanie Theil, Leiterin von «SRF School», sagt: Insbesondere die «SRF Kids News» und die Erklärvideoreihe «SRF Kids – Clip und klar!» würden im Unterricht rege genutzt und sehr geschätzt.
Dies gehe aus Gesprächen mit Lehrpersonen an Schulen, Pädagogischen Hochschulen sowie an Fachmessen hervor. «Beide Formate haben sich inzwischen fest im Schulunterricht etabliert.»
Sehr beliebt sind laut Theil zudem die Mitmach-Angebote. «Etwa die dreitägigen Medienworkshops, die wir jährlich zwanzig Mal an Schulen in der gesamten Deutschschweiz durchführen.»
Die Zugriffszahlen des Online-Angebots steigen laut Theil kontinuierlich. «Mehrere tausend Lehrpersonen haben zudem unseren ‹SRF-School-Newsletter› abonniert.»
SVPlerin «hätte nicht Angst», dass Kinderformate gestrichen würden
Die Lehrmittelverlage könnten das Angebot von SRF nicht ersetzen.
Analoge Lehrmittel deckten die Grundlagen des Lehrplans ab, sagt Beat A. Schwendimann. «Aber sie können Aktualitätsbezüge, audiovisuelle Beiträge, regionale Perspektiven und die laufende Arbeit an Medienkompetenz nur begrenzt leisten.»
Deshalb seien unterrichtsergänzende digitale Materialien sinnvoll, wenn sie lehrplankonform seien und den Unterricht qualitativ stärkten.

Katja Riem ist SVP-Nationalrätin und Befürworterin der SRG-Initiative. «Es ist wichtig, dass Lehrpersonen Aktualitäten in den Unterricht einbauen», sagt sie.
Das Mitglied der Bildungskommission des Nationalrats befürchtet aber nicht, den Schülerinnen und Schülern ein wichtiges Lehrmittel zu entziehen.
Bildung gehöre zum Kernauftrag der SRG, sagt Riem. «Darum hätte ich nicht Angst, dass ‹SRF School› gleich das erste Angebot wäre, das gestrichen würde.» Sparpotenzial gebe es andernorts genügend.

















