Kommt ein Asylheim, sinken die Mieten in der Umgebung
Gegen Asylunterkünfte regt sich in Gemeinden oft Widerstand. Es zeigt sich: Die Zentren für Geflüchtete haben einen Einfluss auf die Mietpreise in der Umgebung.

Das Wichtigste in Kürze
- Asylunterkünfte haben in der Schweiz einen schweren Stand. Viele Gemeinde wollen keine Zentren für Geflüchtete.
- Eine neue Studie zeigt nun: rund um Asylzentren sinken die Mieten.
- Und: Die Herkunft der Bewohnenden hat einen Einfluss auf die Höhe des Mietrückgangs.
Es ist in der Schweiz seit jeher ein Zankapfel: Die Eröffnung eines Asylheims.
Wo auch immer die Behörden ein Zentrum für Geflüchtete eröffnen wollen, regt sich Widerstand.
So auch in Kandersteg BE. Dort soll 2028 ein Asylzentrum mit 200 Plätzen entstehen – in einer seit Jahren leerstehenden Unterkunft.
Kandersteg BE hat einen Anwalt eingeschaltet
Dagegen wehrt sich die Gemeinde, wie Nau.ch bereits Mitte Juni berichtet hat. Denn: «So viele Personen auf einmal kann die Gemeinde nicht verkraften.»
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Man fürchtet in der Ortschaft im Berner Oberland, mit bis zu 200 Asylsuchenden die Infrastruktur und die Schule zu überlasten. Sogar ein Anwalt ist bereits eingeschaltet worden.
Studie zeigt: Mieten sinken, wenn Asylzentrum in der Nähe ist
Und auch andernorts geht man gegen geplante Asylzentren auf die Barrikaden, denn: Die meisten Anwohnenden wollen keine Asylunterkünfte an ihrem Wohnort.
Sie fürchten eine abnehmende Sicherheit, Überfremdung – und sinkende Preise für Wohneigentum.
Letzteres bestätigt auch eine neue Studie der Universitäten Lausanne und Lugano.
Denn: Forschende haben untersucht, was mit den Mietpreisen geschieht, wenn eine Asylunterkunft in einer Gemeinde eröffnet wird.
Asylunterkunft lässt Jahresmieten um rund 851 Franken schmelzen
Dazu berücksichtigte die Studie bei 92 Standorten einen Radius von 700 Metern rund um das Asylzentrum. Und über 150’000 Schweizer Mietinserate der Jahre 2004 bis 2014.
Dabei zeigt sich: Die Asylunterkünfte hatten Einfluss auf die Mieten im 700-Meter-Studienradius. Durchschnittlich sanken sie um 3,8 Prozent. Das entspricht rund 851 Franken Jahresmiete.
Brisant: Bei der Schliessung eines Asylzentrums stiegen die Mietpreise wieder an, geht aus der Studie hervor.
«Ein Merkmal spielte eine Rolle – die Hautfarbe»
Doch nicht nur die Asylunterkunft an sich hatte einen Einfluss auf die Mieten, erklärt Studien-Co-Autor Marius Brülhart gegenüber dem «Tagesanzeiger»: «Wir fanden keinerlei statistische Hinweise, dass Kriminalität oder Religionszugehörigkeit der Personen in den Asylunterkünften eine Auswirkung auf die Preise hatte.»
Aber: «Ein Merkmal spielte eine Rolle», so Brühlhart. «Die Hautfarbe.»
So hätten Asylzentren mit hohem Anteil aus der Subsahara-Region zu Mietsenkungen von rund 4,2 Prozent gesorgt. Bei Unterkünften mit unterdurchschnittlichem Anteil an Bewohnenden aus dieser Region liege die Mietsenkung bei nur rund drei Prozent.
Dazu meint Brülhart: «Dieser Befund legt die Folgerung nahe, dass ein beträchtlicher Teil der Preisreaktionen auf rassistischen Vorurteilen basiert.»



















