In diesen Schweizer Städten ist die Mafia stark präsent
Ein Fall eines im Tessin abgewiesenen Mafioso, der im Bündner Misox dennoch eine Aufenthaltsbewilligung erhielt, sorgt für Aufregung.

Das Wichtigste in Kürze
- Europol nahm Ende Februar mehrere Mitglieder eines internationalen Kokainnetzwerks fest.
- Vier Verdächtige hatten ihren Wohnsitz im Bündner Ort Roveredo.
- Einer von ihnen war zuvor im Kanton Tessin wegen Vorstrafen abgewiesen worden.
Eine internationale Polizeiaktion gegen ein mutmassliches Drogenkartell hat auch Verbindungen in die Schweiz offengelegt.
Ende Februar nahm Europol mehrere Mitglieder eines Netzwerks fest, das mit Kokainhandel und Geldwäscherei in Verbindung steht.
Hinter dem Netzwerk sollen laut der «NZZ» die italienischen Mafiaorganisationen Camorra und ’Ndrangheta stehen.
Vier der insgesamt sieben Festgenommenen hatten ihren offiziellen Wohnsitz in der Bündner Gemeinde Roveredo im Misox. Die drei Männer und eine Frau verfügten über eine Aufenthaltsbewilligung B.
Kantone gehen unterschiedlich mit Fall um
Besonders brisant ist der Fall eines 52-jährigen Italieners. Er hatte zuvor im Kanton Tessin eine Aufenthaltsbewilligung beantragt.
Diese wurde ihm jedoch wegen einer Vorstrafe verweigert. Dennoch erhielt er später im Kanton Graubünden eine entsprechende Bewilligung.
Der Bündner Justizdirektor Peter Peyer kündigte an, den Fall prüfen zu lassen. Untersucht werde unter anderem, ob die Bewilligung korrekt erteilt wurde.
Zudem wird abgeklärt, ob mögliche Informationslücken zwischen den Behörden eine Rolle gespielt haben. Der Fall wirft zudem Fragen zum Informationsaustausch zwischen den Kantonen auf. Im Tessin gelten seit Jahren zusätzliche Kontrollen.
Dazu gehört etwa die Pflicht, einen Strafregisterauszug aus dem Heimatland vorzulegen. Anderswo gibt es solche Massnahmen nicht. Experten betonen jedoch, dass das Misox trotz einzelner Fälle kein Zentrum der organisierten Kriminalität sei.
Brennpunkte der Mafiaaktivitäten sind eher im Mittelland
Laut Beobachtern liegen grössere Brennpunkte der Mafiaaktivitäten eher im Schweizer Mittelland. Dazu zählen etwa die Kantone Zürich, Aargau, Basel oder St. Gallen.

Dennoch gilt das Südbündner Tal wegen seiner Nähe zum Tessin als möglicher Rückzugsort für Personen aus dem Umfeld italienischer Mafiaorganisationen. In der Region sorgt zudem die hohe Zahl an Briefkastenfirmen seit Jahren für Diskussionen.



















