Heiratsstrafe bleibt Streitpunkt in der Schweizer Politik
Die Heiratsstrafe steht vor dem Aus. Die Schweiz sagte Ja zur Individualbesteuerung – doch die Mitte-Partei will ihre Initiative nicht aufgeben.

Die Schweiz steht vor einer der grössten Steuerreformen seit Jahrzehnten. Im Zentrum steht die sogenannte Heiratsstrafe für verheiratete Paare.
Rund 54 Prozent der Stimmberechtigten befürworteten die Einführung der Individualbesteuerung, berichtet die «Financial Times».
Damit soll das bisherige System der gemeinsamen Besteuerung von Ehepaaren langfristig ersetzt werden. Die Umsetzung ist schrittweise bis spätestens 2032 geplant.
Warum die Heiratsstrafe politisch umstritten ist
Heute müssen Ehepartner in der Schweiz eine gemeinsame Steuererklärung einreichen. Ihre Einkommen werden zusammengezählt und gemeinsam besteuert.
In einem progressiven Steuersystem kann dies zu einer höheren Steuerbelastung führen. Dieses Phänomen wird seit Jahren als Heiratsstrafe bezeichnet.
Bei der Individualbesteuerung würden Ehepartner künftig separat veranlagt und steuerlich wie unverheiratete Personen behandelt. Das erläutert der Finanzdienstleister «Zurich».
Befürworter erwarten mehr Erwerbstätigkeit
Befürworter sehen in der Reform auch arbeitsmarktpolitische Vorteile. Vor allem Zweitverdienende sollen dadurch stärkere Anreize zur Erwerbstätigkeit erhalten.
Unterstützt wurde das Projekt von mehreren Parteien sowie vom Bundesrat und Wirtschaftsverbänden, berichtet das «SRF».
Die Reform gilt deshalb als eine der grössten Veränderungen des Schweizer Steuersystems seit Jahrzehnten.
Politischer Widerstand bleibt bestehen
Trotz des Volksentscheids bleibt der politische Streit über die Heiratsstrafe bestehen. Besonders konservative Parteien kritisieren das neue System weiterhin deutlich.
Gegner warnen vor zusätzlichen Steuererklärungen und höherem Verwaltungsaufwand für Kantone und Steuerbehörden.

Schätzungen gehen davon aus, dass künftig deutlich mehr Steuerdossiers bearbeitet werden müssten.
Mitte-Partei hält an eigener Initiative fest
Trotz Zustimmung zur Individualbesteuerung will die Mitte-Partei ihren politischen Vorstoss gegen die Heiratsstrafe weiterhin konsequent vorantreiben. Die Partei arbeitet deshalb weiterhin an einer alternativen Lösung zur Abschaffung der steuerlichen Benachteiligung verheirateter Paare.
Ihre Volksinitiative will Ehepaare steuerlich gleich wie Unverheiratete behandeln und die gemeinsame Besteuerung beibehalten, wie der «Schweizer Bauer» berichtet.
Laut der Eidgenössischen Steuerverwaltung werden Ehepaare auf Bundesebene derzeit gemeinsam besteuert, unverheiratete Paare hingegen individuell veranlagt. Die politische Debatte über die Heiratsstrafe begleitet die Schweizer Steuerpolitik bereits seit Jahrzehnten.












