Marc Rüdisüli (Mitte Thurgau): Nein zur Individualbesteuerung
Am 8. März stimmt die Schweiz über die Ablösung der Heiratsstrafe durch eine Individualbesteuerung ab. Marc Rüdisüli (Mitte) sagt: So nicht. Ein Gastbeitrag.

Das Wichtigste in Kürze
- Am 8. März 2026 stimmt die Schweiz über die Einführung einer Individualbesteuerung ab.
- Im Gastbeitrag plädiert Mitte-Kantonsrat Marc Rüdisüli für ein klares Nein.
- Die Fairness-Initiative der Mitte sei die bessere Wahl zur Ablösung der Heiratsstrafe.
Die Diskriminierung verheirateter Paare («Heiratsstrafe») gehört abgeschafft, darin sind sich alle einig.
Heute besteht sie nur noch bei der direkten Bundessteuer. Genau dort muss sie korrigiert werden, nicht mit einem landesweiten Systemwechsel.
Weshalb zerstören, was bereits funktioniert?
Ein Blick in die Kantone zeigt: Sie haben die Heiratsstrafe abgeschafft. Zum Beispiel mit dem Splittingmodell, wie es der Kanton Thurgau anwendet. Es gibt also längst funktionierende, praxiserprobte Lösungen, die Ehepaare entlasten.

Kein Kanton hat die Individualbesteuerung eingeführt. Im Gegenteil: Alle haben bewusst an der gemeinsamen Besteuerung von Ehepaaren festgehalten, weil die Ehe eine Wirtschaftsgemeinschaft ist und nicht ein Verbund von zwei Finanzindividualisten.
Nun will der Bund die bewährten Lösungen mit einem Schlag vom Tisch wischen und alle 26 Kantone in eine einheitliche Individualbesteuerung zwingen. Weshalb zerstören wir, was bereits funktioniert und ersetzen es durch ein milliardenteures Bürokratiemonster?
Mehr Staat, mehr Bürokratie, mehr Formulare?
Damit das Vermögen eines Ehepaars individuell versteuert werden kann, müsste sein Besitz wie bei einer Scheidung aufgeteilt werden: Bankguthaben, Wohneigentum und so weiter.
Für die Steuerverwaltungen bedeutet das rund 1,7 Millionen zusätzliche Dossiers. Dieser Bürokratieausbau ist teuer und bläht den Staatsapparat weiter auf. Das ist kein Fortschritt, das ist ein Beschäftigungsprogramm für die Verwaltungen.
Sind wir wieder in den 50er-Jahren?
Die FDP-Frauen argumentieren, dass die Frauen mithilfe der Individualbesteuerung endlich lernen können, eine Steuererklärung auszufüllen und sich um ihre Finanzen zu kümmern.
Wie bitte? Das ist ein Frauenbild aus den 50ern. Die Frauen brauchen keine Erziehungshilfe der FDP. Was sie brauchen, ist ein liberales Steuermodell, das den Paaren Wahlfreiheit über das Familienmodell lässt.
Moderne Gleichstellung heisst Wahlfreiheit
Moderne Gleichstellung heisst Wahlfreiheit. In einer liberalen Gesellschaft darf es keine Rolle spielen, welche Lebensform Ehepaare wählen. Familien- und Erwerbsarbeit ist beides gleich viel wert.
Sollte ein Paar steuerlich bestraft werden, weil eine Person vorübergehend eine Familienauszeit nimmt, sich um die pflegebedürftige Mutter kümmert oder eine Weiterbildung macht? Ich finde nicht.

Genau diese Wahlfreiheit wird mit der Individualbesteuerung beschnitten. Sie privilegiert das gutverdienende Doppelverdiener-Paar mit ähnlichen Einkommen und bestraft jene, die sich für eine andere Aufteilung entscheiden.
Individualbesteuerung schafft neue Ungerechtigkeit
Viele Paare tragen über das Leben hinweg unterschiedlich zum gemeinsamen Einkommen bei. Es sollte egal sein, wer in einer Ehe wann wie viel zum gemeinsamen Einkommen beiträgt.
Je ungleicher die Einkommen in einer Ehe verteilt sind, desto höher fällt die Steuerrechnung unter der Individualbesteuerung aus. So entsteht aus der versprochenen Abschaffung der Heiratsstrafe eine neue Ungerechtigkeit.
Nein zur Individualbesteuerung
Am 8. März geht darum, ob wir die Heiratsstrafe bei den Bundessteuern mit einem unausgereiften Systemwechsel «lösen», der neue Ungerechtigkeiten schafft. Oder ob wir den Mut haben zu sagen: Nein, nicht so.
Die bessere Lösung liegt auf dem Tisch. Die Fairness-Initiative der Mitte schafft die Heiratsstrafe endlich konsequent ab, entlastet alle Paare unabhängig vom gewählten Lebensmodell, bewahrt die kantonalen Lösungen, statt sie zu zerstören und hält an der gemeinsamen Besteuerung fest.
Wer wirklich will, dass verheiratete Paare nicht länger diskriminiert werden, sagt am 8. März Nein zur Individualbesteuerung – und Ja dazu, Das Problem mit der Fairness-Initiative richtig zu lösen.
Zum Autor
Marc Rüdisüli (*1998) ist Kantonsrat (Die Mitte TG) und Mitglied des Parteipräsidiums Die Mitte Schweiz. Seit seiner Geburt wohnt er im Hinterthurgau in Sirnach.








