Mikroplastik

    Genfersee hat 656-mal mehr Mikroplastik als bisher angenommen

    Stephan Felder
    Stephan Felder

    Lausanne,

    Im Genfersee schwimmen offenbar weit mehr winzige Plastikteilchen als gedacht. Eine neue Messmethode belegt das Ausmass der Belastung.

    Genfersee
    Im Genfersee hat es deutlich mehr Mikroplastik als angenommen. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Im Genfersee wurde bis zu 656-mal mehr Mikroplastik nachgewiesen als bisher bekannt.
    • Winzige Partikel machen bis zu 97 Prozent der Plastikbelastung aus.
    • Ein Teil der Verschmutzung könnte für Wasserorganismen problematisch sein.

    Die Plastikbelastung im Genfersee ist offenbar massiv unterschätzt worden. Forschende aus Lausanne haben mit einer neuen Messmethode bis zu 656-mal mehr Mikroplastik nachgewiesen als bei früheren Untersuchungen.

    Der Grund für die enorme Differenz liegt in der Grösse der untersuchten Teilchen. Herkömmliche Oberflächennetze erfassen Partikel unter 100 Mikrometern kaum. Das entspricht ungefähr dem Durchmesser eines dicken menschlichen Haars.

    Genau diese besonders kleinen Teilchen machen jedoch bis zu 97 Prozent der Plastikverschmutzung im Genfersee aus. Das zeigt eine im Fachmagazin «NPJ Clean Water» veröffentlichte Studie.

    Mikroplastik kann in menschliche Zellen gelangen

    Welche Folgen die Belastung für Mensch und Umwelt hat, ist noch nicht abschliessend geklärt. Die gemessenen Werte bewegen sich aber an einer Schwelle, die für Wasserorganismen problematisch sein könnte.

    Würdest du trotzdem im Genfersee noch baden gehen?

    Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, wie gross die Gefahr tatsächlich ist. Auch gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen sind nicht ausgeschlossen.

    Studien-Hauptautorin Christel Hassler sagt gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS: «Die winzigen Mikroplastikpartikel, sogar Nanoplastikpartikel, sind noch kleiner als das, was ich gemessen habe. Sie können in menschliche Zellen eindringen und somit einen Effekt auf unsere Gesundheit haben.»

    Proben aus bis zu 100 Metern Tiefe

    Für ihre Untersuchung mussten die Forschenden möglichst verhindern, dass die Proben durch ihre eigene Ausrüstung verunreinigt werden. Deshalb verwendeten sie einen Metalleimer und ein Sisalseil ohne Plastikbestandteile.

    Damit holte das Team Wasser aus verschiedenen Tiefen zwischen der Oberfläche und 100 Metern. Danach wurden die Proben gefiltert und die darin enthaltenen Partikel analysiert.

    Bei der Auswertung kam künstliche Intelligenz zum Einsatz. Ein Algorithmus bestimmte die Art des Mikroplastiks. Ein zweiter unterschied Kunststoffteilchen von natürlichen Partikeln.

    Trainiert wurde das System mit Millionen von Teilchen. Diese waren zu verschiedenen Jahreszeiten im Genfersee und in der Rhône gesammelt worden.

    Kläranlagen lösen nur einen Teil des Problems

    Schweizer Kläranlagen entfernen zwar rund 99 Prozent des Mikroplastiks aus dem behandelten Abwasser. Der belastete Klärschlamm wird danach verbrannt, wobei auch das Plastik zerstört wird.

    Damit lässt sich laut den Forschenden aber nur etwa ein Drittel der Belastung verhindern. Zwei Drittel gelangen über diffuse Quellen in die Umwelt. Etwa durch Reifenabrieb, synthetische Textilien oder Abwasser, das nicht durch eine Kläranlage fliesst.

    Bei der Bekämpfung von Mikroplastik ist die EU laut Hassler bereits entlang der gesamten Produktions- und Verschmutzungskette aktiv. Auch die Schweiz hat einen ersten Schritt beschlossen: Seit vergangenem Dezember ist vorgesehen, absichtlich zugesetztes Mikroplastik in Produkten zu verbieten.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    User #6127 (nicht angemeldet)

    Wie kommt denn der Plastik aus China in unsere Seen?

    User #2276 (nicht angemeldet)

    Was denn jetzt, Autoreifen - Abrieb ist ein Problem? Zurück zum Pferdezug mit Erkenntnissen der modernen Zeit. Eisenbereifung, Kummet und Hintergeschirr erstellen, Wagenschmied, Sattler, Wagner, Schlosser ? Wagen mit Scheibenbremsen, Gelenktechniken, Windgeneratoren mit Keilriemenantrieb, Übersetzungswellen zur Beschleunigung, Beleuchtung, leichte Fuhrwerke mit Federung, Pferde - und Maultierzucht. Arbeitslose mit Depressionen? Fehlanzeige, die gibt es in der KI -gesteuerten Roboter-Zukunft mit jeder Garantie noch mehr als jetzt.

    Weiterlesen

    Genf
    2 Interaktionen
    Genfersee
    Eine Schiffparade auf dem Genfersee.
    3 Interaktionen
    Umweltverschmutzung
    Schweizer Technologie
    1 Interaktionen
    éXPLORE

    MEHR IN NEWS

    china
    1 Interaktionen
    Exportbeschränkungen
    Wetterbericht
    11 Interaktionen
    Es wird kalt!
    mailand vergewaltigt
    Mailand
    Drohnen Verkehr überwachung
    134 Interaktionen
    Kontrolle von oben!

    MEHR MIKROPLASTIK

    13 Interaktionen
    Bern
    3 Interaktionen
    Lausanne
    Mikroplastik
    36 Interaktionen
    Untersuchung
    Quetschie
    60 Interaktionen
    Kindernahrung

    MEHR AUS LAUSANNE

    donzallaz
    7 Interaktionen
    Lausanne
    gefängnis
    Lausanne
    CS
    22 Interaktionen
    Bundesgericht