Mikroplastik im Gehirn? Forscher zweifeln an Studie
Mikroplastik im Gehirn, in Arterien, im Wasser: Zahlreiche Studien sorgten für Aufsehen. Nun sagen Fachleute: Alles nicht so schlimm.

Das Wichtigste in Kürze
- Forschende sagen: Die Mikroplastik-Mengen im Körper sind wohl deutlich kleiner.
- Eine Studie zu Plastik im Gehirn wird als «Witz» bezeichnet.
- Manche angeblichen Funde könnten einfach körpereigene Stoffe gewesen sein.
- Trotzdem bleibt Mikroplastik ein reales Umweltproblem – nur nicht überall im Körper.
Immer wieder berichten Forschende über Mikroplastik im menschlichen Körper. Erschreckend dabei, dass der Anstieg der Teile im menschlichen Gehirn stark zunimmt.
Diese Erkenntnisse aus einer Studie sorgten im letzten Jahr für weltweites Aufsehen – und für ebenso grossen Zweifel.
Jetzt will Umweltforscher Dušan Materić vom Helmholtz-Zentrum teilweise Entwarnung geben. «Die Studie zu Mikroplastik im Gehirn ist ein Witz», sagt er im «Guardian».
Das Problem: Das verwendete Messverfahren reagiert auch auf Fette. Diese kommen im Gehirn besonders häufig vor und könnten fälschlicherweise als Plastik identifiziert worden sein.
Methode löst Zweifel aus
Das betroffene Analyseverfahren (Py-GC-MS) steht dabei unter Beschuss. Es erhitzt Proben und analysiert verdampfte Reste. Dabei lassen sich gewisse Kunststoffe nur schwer von natürlichen Fettstoffen unterscheiden.
Laut der australischen Umweltchemikerin Cassandra Rauert ist die Methode «nicht geeignet, um Polyethylen oder PVC verlässlich zu erkennen». Auch sie hält viele Messwerte für «völlig unrealistisch».
Plastik ja, aber wie viel?
Die Existenz von Mikroplastik in der Umwelt gilt als gesichert. Doch wie viel davon wirklich im menschlichen Körper landet, ist unklar. Viele Studien könnten eigene Fehler nicht ausgeschlossen haben.
Laut dem Deutschen Ärzteblatt fehlen derzeit «verlässliche Informationen über die tatsächliche Verteilung von Mikroplastik im Körper».
Sieben Studien wurden bereits in Fachjournalen hinterfragt, bei 18 weiteren gibt es methodische Zweifel.
Forscher verteidigen ihre Arbeit
Einige beteiligte Wissenschaftler zeigen sich offen für Kritik. Sie räumen Ungenauigkeiten ein, betonen aber auch: Die Mikroplastikforschung stecke noch in den Anfängen. Verbesserungen seien bereits in Arbeit.
Sie widersprechen jedoch klar der These, ihre Ergebnisse seien durch Verunreinigungen beeinflusst. Offen bleibt dennoch, welche Gesundheitsgefahr Mikroplastik tatsächlich darstellt.




















