Nach Hitzesommer: Experte warnt vor steigenden Wasserpreisen
Nach dem Hitzesommer sind viele Wasserreserven extrem tief. Experte Quentin Morezzi warnt nun vor höheren Preisen für Trinkwasser.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Grundwasserstände und Quellen sind Ende August extrem tief.
- Gemeinden müssen Wasser teils zum doppelten Preis beim Nachbarn einkaufen.
- Experte Quentin Morezzi rechnet deshalb mit steigenden Wasserpreisen.
Die grosse Hitze ist vorerst vorbei. Doch bei der Wasserversorgung bleibt die Lage angespannt.
Grundwasserstände und unterirdische Reserven seien Ende August extrem tief, warnt Quentin Morezzi. Er ist Präsident des Verbands der Brunnenmeister der Westschweiz.
Das Problem beschränkt sich längst nicht mehr auf tiefer gelegene Gemeinden. Auch Quellen in den Bergen führen ungewöhnlich wenig Wasser.
Morezzi arbeitet derzeit im Wallis – einer Region, die traditionell über reichlich Wasser verfügt. Doch selbst dort sei die Anspannung inzwischen gross, sagt er gegenüber der Westschweizer Zeitung «24 Heures».
Wasser wird literweise analysiert
Die Sorge unter den Verantwortlichen für die Wasserversorgung sei weit verbreitet. Selbst Gemeinden, die noch über Reserven verfügen, beobachten ihre Produktion inzwischen genau.
«Auch wer noch Spielraum hatte, analysiert seine Produktion auf den Liter genau», erklärt Morezzi. Dabei stelle sich überall dieselbe Frage: Reicht das Wasser nicht nur heute, sondern auch noch in zehn Jahren?
Für den Experten ist klar: «Die heutige Hitzewelle wird morgen die Norm sein.»
Dass bislang vielerorts keine vollständigen Unterbrüche bei der Wasserversorgung nötig waren, liege vor allem an der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden.
Immer häufiger werden kommunale Leitungsnetze miteinander verbunden. Dadurch können Gemeinden mit genügend Reserven ihre Nachbarn kurzfristig versorgen.
Früher habe jede Gemeinde eher für sich geschaut, sagt Morezzi. Inzwischen sei klar: «Wer heute Wasser liefert, kann morgen selbst darauf angewiesen sein.»
Wasser muss teuer eingekauft werden
Diese Solidarität hat allerdings ihren Preis. Gerät eine Gemeinde in eine akute Mangellage, muss sie das Wasser vom Nachbarn teilweise zum Doppelten des üblichen Preises einkaufen.
«Wir müssen in den kommenden Jahren mit steigenden Wasserpreisen rechnen», warnt Der Präsident der Westschweizer Brunnenmeister deshalb.
Besonders rasch geraten laut Morezzi jene Gemeinden unter Druck, die ihre Infrastruktur über Jahre vernachlässigt haben. Bleibt der Wasserpreis während Jahrzehnten unverändert, fehlt später das Geld für Investitionen.
Dann können Reservoirs nicht saniert, neue Quellen nicht erschlossen und undichte Leitungen nicht aufgespürt werden. «Diese fehlende Vorsorge wird in einer Krise sehr teuer bezahlt», sagt Morezzi.
Gewitter verschärfen die Lage teilweise
Auch heftige Niederschläge wie am Freitag lösen das Problem nicht. Trifft starker Regen auf ausgetrocknete Böden, fliesst ein Grossteil des Wassers oberflächlich ab, statt im Boden zu versickern.
In Karstgebieten wie dem Jura oder dem Chablais können Gewitter die Situation sogar vorübergehend verschärfen. Starke Niederschläge trüben dort das Quellwasser.
Steigt die Trübung zu stark an, stoppen Sensoren automatisch die Einspeisung. Das Wasser wird abgeleitet und kann während mehrerer Stunden nicht genutzt werden.
«Dann haben wir zeitweise null Liter Zufluss und stehen schlechter da als vor dem Gewitter», erklärt Morezzi. Um die Quellen nachhaltig aufzufüllen, wäre mindestens zwei Wochen lang feiner, anhaltender Regen nötig.














