Krieg

    Gehen wegen Iran-Krieg bald mehr Junge ins Militär?

    Luna Gerber
    Luna Gerber

    Bern,

    Auf der Welt gibt es aktuell mehrere Kriegsherde. Macht das die Rekrutierung für die Schweizer Armee einfacher? Ein Experte ordnet die Situation für Nau.ch ein.

    Schweizer Armee
    Gehen wegen der Kriegslage auf der Welt mehr junge Menschen ins Militär? Oder werden sie durch die Sicherheitslage abgeschreckt? - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Auf der Welt gibt es aktuell viele Krisenherde, die Sicherheitslage hat sich verschärft.
    • Sorgt das bei der Rekrutierung der Schweizer Armee für Aufwind oder für Abschreckung?
    • Beides sei denkbar, erklärt bei Nau.ch ein Militär-Psychologe.

    Mit dem Eintritt in die Volljährigkeit werden alle jungen Schweizer vor dieselbe Frage gestellt: Militär- oder Zivildienst?

    In den Köpfen vieler wirbelt die Entscheidung ohnehin bereits zwischen Pflichtgefühl und moralischen Werten. Doch mittlerweile dürfte sich ein neuer Faktor dazugesellen.

    Die globalen Konflikte in der Ukraine, im Nahen Osten und Iran haben die Sicherheitslage in den letzten Jahren spürbar verschärft.

    Fühlst du dich in der Schweiz sicher?

    Nau.ch hat beim Militärpsychologen Hubert Annen nachgefragt, ob die weltweite Kriegslage die Jungen eher abschreckt – oder für den Armeedienst motiviert.

    Umfeld prägt Entscheidung

    Annen hält fest, dass durchaus «beides möglich» sei.

    Es hänge dabei vor allem vom engeren Umfeld ab: «Die Haltung von Peer Group und Familie hat einen wesentlichen Einfluss darauf, mit welcher Einstellung dem Militärdienst begegnet wird.»

    Entscheidend sei, in welcher politischen Grundstimmung man aufwächst. Und ob das Umfeld ländlich oder städtisch geprägt ist.

    Bei der Tauglichkeitsrate gebe es zudem «doch recht bemerkenswerte Unterschiede zwischen den Kantonen».

    Seit 2022: Sicherheitsempfinden ist gesunken

    Brisant: Auch im Bezug auf seinen Beruf spürt Annen die Auswirkungen der zugespitzten Kriegslage der letzten Jahre.

    «Bis 2022 musste ich mich sehr häufig erklären, weshalb ich als Psychologe für die Schweizer Armee arbeite.»

    Braucht die Schweiz eine Armee?

    Das habe sich seither geändert. Für Annen ein klares Zeichen: «Die Notwendigkeit der Armee scheint stärker als selbstverständlich betrachtet zu werden.»

    Das zeigt sich auch in der jährlichen Studie der ETH Zürich zum Thema Sicherheit. Diese zeigte, dass das Sicherheitsempfinden der Schweizer Bevölkerung seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 gesunken ist.

    Zudem habe die Einschätzung der Notwendigkeit der Armee 2022 merklich zugenommen. Doch: «Wenn es einen selber betrifft, sieht man die Notwendigkeit, Militärdienst zu leisten, eher etwas zurückhaltender.»

    Kommentare

    User #3856 (nicht angemeldet)

    Nee, es gibt mehr doppel-UT‘s.

    User #5379 (nicht angemeldet)

    Vor 30 Jahren hätte ich dieses Land noch verteidigt. Heute würde ich das nicht mehr tun. Das wäre mir die Schweiz nicht mehr wert.

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