Edelweiss

Kerosin-Krise: Swiss und Edelweiss erhöhen Treibstoff-Zuschläge

Simon Ulrich
Simon Ulrich

Zürich,

Steigende Preise und mögliche Engpässe sorgen in der Branche für Unruhe. Experten warnen: In Teilen Asiens könnte der Treibstoff für Rückflüge fehlen.

Airlines
Steigende Ölpreise schlagen auf Flugtickets durch. Swiss und Edelweiss passen ihre Zuschläge nach oben an. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nahostkrieg treibt die Kerosinpreise hoch und schürt Sorgen vor Engpässen.
  • Swiss und Edelweiss melden derzeit eine stabile Versorgung und keine Flugplan-Einschnitte.
  • Steigende Ölpreise erhöhen aber bereits die Zuschläge auf Flugtickets.
  • Aviatik-Experte Wittmer sagt: Entscheidend für die weitere Preise bleibt die Nachfrage.

Die internationale Luftfahrtbranche blickt nervös auf den Treibstoffmarkt. Der Krieg im Nahen Osten treibt die Preise für Kerosin nach oben.

Zugleich wächst die Sorge, dass es in einzelnen Regionen bald nicht mehr nur um höhere Kosten geht. Sondern auch um die Frage, ob überhaupt noch genug Treibstoff verfügbar ist.

Besonders kritisch ist die Lage laut Branchenvertretern in Teilen Asiens, wo Flughäfen stark von Lieferungen aus dem Golf abhängig sind. Für Airlines könnte damit das Auftanken für den Rückflug nach Europa zum Problem werden.

Ben Smith, Vorstandsvorsitzender von Air France-KLM, sagte kürzlich gegenüber der «Financial Times»: «Wir können Treibstoff aus Europa beziehen, aber wenn wir in eine südostasiatische Stadt fliegen, können wir das Flugzeug nicht zurückfliegen. Wenn kein Treibstoff da ist, kann man nicht fliegen.»

Zudem warnte Shell-Chef Wael Sawan diese Woche an einer Ölkonferenz: Ohne eine Wiederöffnung der Strasse von Hormus könnten schon im April auch in Europa Engpässe bei Energie und Treibstoffen drohen.

Swiss und Edelweiss: «Versorgung aktuell sichergestellt»

Wie beurteilt man diese ungemütlichen Szenarien bei Swiss und Edelweiss?

Bei den beiden grössten Schweizer Airlines präsentiert sich die Situation nach eigenen Angaben derzeit noch stabil.

«Aktuell ist die Versorgung mit Flugtreibstoff an unserem Drehkreuz Zürich sichergestellt», teilt Swiss auf Anfrage von Nau.ch mit. Auch an den Destinationen sehe man momentan «keine konkreten Einschränkungen für den Flugbetrieb».

Asien
Am ehesten werden Engpässe in der Treibstoff-Versorgung an asiatischen Destinationen erwartet. (Symbolbild) - keystone

Praktisch identisch äussert sich Edelweiss, die ihren Treibstoff wie Swiss zentral über die Lufthansa Group bezieht.

Jedoch beobachte man die Entwicklung sehr aufmerksam, «vor allem in Asien», heisst es bei Swiss. «Wenn es zu Engpässen in der Versorgung kommen sollte, erwarten wir sie dort am ehesten.» Momentan seien aber keine konkreten Einschnitte im Flugplan vorgesehen.

Auch Edelweiss erklärt, bislang habe es «keine Massnahmen wie Kapazitätsreduktionen, Zwischenstopps oder Streichungen aufgrund der Versorgungslage von Flugkraftstoff» gegeben. Möglich seien in Einzelfällen aber «operative Anpassungen wie geänderte Flugrouten».

Airlines erhöhen «Treibstoffzuschläge»

Spürbar verändert haben sich hingegen die Ticketpreise. Swiss und Edelweiss bestätigen, dass sie die sogenannte International Surcharge infolge des gestiegenen Ölpreises erhöht haben.

Mit diesem Zuschlag kompensieren die Airlines der Lufthansa Group einen Teil nicht beeinflussbarer Kosten. «Treibstoff bildet dabei eine Position», erklärt Swiss.

Hast du deine Sommerferien schon gebucht?

Auf die Frage, wie stark die Gebühr angehoben wurde, antwortet die Fluggesellschaft nur vage: «Die Höhe der International Surcharge bemisst sich nach der jeweiligen Strecke.»

Was den Anstieg der Ticketpreise bei Swiss und Edelweiss dämpfen dürfte: Im Gegensatz zu vielen US-Fluggesellschaften nutzen europäische Airlines wie die Lufthansa sogenanntes Hedging. Das heisst, sie kaufen Treibstoffmengen Monate im Voraus zu Festpreisen, um sich gegen volatile Kerosinpreise abzusichern.

Nachfrage entscheidet – unsichere Lage verändert Reiseverhalten

Wie stark die Ticketpreise in den nächsten Wochen noch steigen, hängt aber nicht nur vom Kerosinpreis ab. «Der wichtigste Faktor ist noch immer die Nachfrage», sagt Aviatik-Experte Andreas Wittmer zu Nau.ch.

Kurzfristig dürfte diese bei europäischen Airlines zunehmen. Der Grund: Golf-Airlines wie Emirates oder Qatar haben ihr Angebot stark reduziert oder sind für Reisende derzeit nicht attraktiv. Wer will schon riskieren, dass er in Dubai strandet, weil der Luftraum mal wieder geschlossen wurde?

Andreas Wittmer
Andreas Wittmer ist Dozent für Betriebswirtschaftslehre unter besonderer Berücksichtigung der Luftfahrt an der Universität St. Gallen. - HSG

Vom Ausfall der Konkurrenz profitieren Lufthansa, Air France-KLM und Co. – vor allem auf den Langstrecken nach Asien. «Wo die Nachfrage hoch ist und das Angebot knapper wird, steigt in der Regel auch der Preis», sagt Wittmer.

Gleichzeitig geht er aber auch von einer Gegenbewegung aus: Viele Reisende dürften mit Ferienbuchungen vorerst zuwarten, auf einzelne Reisen verzichten oder auf alternative Ziele ausweichen.

Das gilt aus seiner Sicht nicht nur für Asien, auch wenn sich die Unsicherheit dort besonders stark auswirken könnte. Eher profitieren könnten Destinationen in Amerika oder der Karibik.

Diese Zurückhaltung spricht eher für sinkende Flugpreise. «Letztlich ist die Frage: Wo ist der Mittelwert, wo werden sich die Preise einpendeln?», sagt Wittmer. «Das ist relativ schwierig abzuschätzen.»

Kommentare

User #3935 (nicht angemeldet)

ich wusste sogar daas air france da steht bevor ich es gelsen habe

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