Iran-Krieg: «Grösster Wirtschafts-Schock seit fünf Jahrzehnten»
US-Experten warnen wegen dem Iran-Krieg bereits vor dem schwersten wirtschaftlichen Schock seit den 1970er-Jahren.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Iran-Krieg treibt Energiepreise und belastet die Weltwirtschaft massiv.
- US-Ökonomen warnen bereits vor dem grössten wirtschaftlichen Schock seit den 1970ern.
- Steigende Preise könnten Märkte destabilisieren und politische Krisen auslösen.
Die Spannungen rund um den Iran-Krieg greifen zunehmend auf die globale Wirtschaft über. Seit Wochen steigen die Preise für Öl und Gas, Unternehmen und Konsumenten geraten unter Druck. Besonders Länder ohne Reserven stehen bereits vor massiven Problemen.
Der Grund dafür ist die kritische Lage rund um die Strasse von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten für Energie weltweit. Der Iran stellt Bedingungen für eine Öffnung der Route. Eine schnelle Einigung ist nicht in Sicht. Das sorgt für Nervosität an den Finanzmärkten – mit ersten sichtbaren Folgen.
Der US-Aktienindex S&P 500 verzeichnete zuletzt die fünfte Verlustwoche in Folge. Das ist die längste Serie seit rund vier Jahren. Auch in Europa und Asien verschärft die Energiepreiskrise die ohnehin schwache Konjunktur.
Der US-Ökonom Kenneth Rogoff von der Harvard University warnt gegenüber der «Bild» vor deutlichen Auswirkungen. «In den USA steigt die Inflation kurzfristig stark an, und die langfristigen Zinsen dürften weiter steigen. Der Druck auf Europa und Asien ist noch viel schlimmer und verstärkt sich sowohl in Bezug auf die Inflation als auch auf das Wachstum.»
Erinnerungen an die Ölkrisen der 1970er-Jahre
Noch deutlicher wird Rogoff mit Blick auf die Gesamtlage. «Der Iran-Krieg, der auf den Zollkrieg und den anhaltenden Ukraine-Krieg folgt, zeichnet sich als der grösste Schock für Wachstum und Preise ab, der die Weltwirtschaft seit fünf Jahrzehnten getroffen hat.»
Ein solcher Schock erinnert an die Ölkrisen der 1970er-Jahre. Damals führte ein knappes Angebot zu stark steigenden Energiepreisen, wachsender Inflation und schwächerer Industrieproduktion. In der Folge stagnierte das Wachstum weltweit.

Auch jetzt droht eine ähnliche Entwicklung. US-Präsident Donald Trump hatte nach dem starken Anstieg der Ölpreise eine Frist für den Iran verlängert, um die Strasse von Hormus zu öffnen. Doch Teheran kündigte an, die Kontrolle über den Seeweg auch nach dem Krieg behalten zu wollen.
Die Märkte reagierten prompt. Die Aktienkurse gaben nach, während der Preis für Öl der Sorte Brent erneut über 100 Dollar pro Barrel stieg.
Politische Risiken des Iran-Kriegs
Der Politologe Michael A. Bailey von der Georgetown University sieht zudem politische Risiken. Trumps Entscheidungen im Iran würden viele klare Verlierer hervorbringen. Gewinner gebe es nur wenige oder solche, die von schwer kalkulierbaren Vorteilen profitieren.

Bailey erwartet auch innenpolitische Folgen in den USA. Wenn Preise für Benzin, Düngemittel und andere lebenswichtige Güter weiter steigen, könnte sich ein Teil von Trumps Wählerschaft abwenden.
















