Donald Trump prüft Diesel-Exportstopp – so hart träfe es die Schweiz
Steigende Spritpreise in den USA: Präsident Donald Trump prüft kurz vor den Zwischenwahlen einen Diesel-Exportstopp – welche Folgen hätte das für die Schweiz?

Das Wichtigste in Kürze
- Wegen steigender Spritpreise erwägt Donald Trump einen Diesel-Exportstopp.
- Ein Exportstopp hätte mit Sicherheit negative Auswirkungen auf die Schweiz, warnt die Branche.
- Hintergrund für Trumps Idee sind die anstehenden Zwischenwahlen in den USA.
Mitten im US-Wahlkampf steigen die Spritpreise deutlich – vor allem Diesel wird immer teurer. Die Regierung in Washington prüft deshalb sogar einen Exportstopp.
Das könnte Folgen weit über die USA hinaus haben: Europa zählt zu den wichtigsten Abnehmern von US-Diesel.
Auch die Schweiz wäre betroffen, weil sie Diesel aus Europa bezieht und dort steigende Preise mitbezahlen müsste.
Welche Auswirkungen hätte es für die Schweiz, würde Donald Trump den Export-Stopp beschliessen?
«15 Prozent aus den USA»
Ueli Bamert vom Wirtschaftsverband Avenergy Suisse, der die Interessen der Sprit-Importeure vertritt, warnt: «Europa ist auf Dieselimporte angewiesen und mit den USA würde ein wichtiger Lieferant ausfallen.»
Die Schweiz importiert Diesel nicht direkt aus den USA, sondern aus Europa, sagt Bamert. «Dieser kann aber teilweise aus den USA stammen, weshalb wir indirekt von einem Exportstopp betroffen wären.»

Direkt aus den USA werde hingegen Rohöl importiert. «Rund die Hälfte unseres Rohöls – entspricht rund 15 Prozent unserer gesamten Mineralölimporte – stammt aus den USA.»
US-Exportstopp würde Preise nach oben treiben
Zusammengefasst: «Ein Diesel-Exportstopp der USA hätte mit Sicherheit Auswirkungen auf die Dieselpreise. Und in etwas geringerem Masse auch auf die Versorgungslage», sagt Bamert.
Auch Ökonom Mathias Binswanger von der Fachhochschule Nordwestschweiz rechnet mit spürbaren Folgen.
Ein US-Exportstopp würde Diesel zusätzlich verknappen und wäre für Europa «ein weiterer erheblicher Angebotsschock». Das bekäme auch die Schweiz zu spüren.
Für die Folgen eines möglichen Diesel-Exportstopps ist laut Binswanger jedoch vor allem der europäische Dieselpreis entscheidend.
Migrol rechnet mit steigenden Preisen
Beim Tankstellenbetreiber Migrol beobachtet man schon jetzt Aufwärtsdruck bei Diesel und Benzin. Die Märkte reagierten empfindlich auf mögliche Störungen von Lieferketten oder Produktionskapazitäten.
Würde Donald Trump die Exporte stoppen, würde das laut Migrol die Beschaffung von Diesel in Europa weiter erschweren. Und die Preise auch in der Schweiz zusätzlich unter Druck setzen.
Eine schnelle Entspannung an der Zapfsäule erwartet Migrol derzeit nicht. Um wie viel Diesel und Benzin teurer würden, lasse sich nicht seriös vorhersagen.

Aus heutiger Sicht spreche aber mehr für anhaltend hohe oder weiter steigende Preise als für einen raschen Rückgang.
Wie stark die Preise bei einem US-Exportstopp steigen würden, kann Branchen-Insider Bamert nicht beziffern: «Das ist offen.»
Binswanger verweist auf das Handelszentrum Amsterdam–Rotterdam–Antwerpen. Wird Diesel dort wegen ausbleibender US-Lieferungen teurer, steigen auch die Preise für Schweizer Importe. Der niedrige Wasserstand des Rheins verstärke diesen Effekt zusätzlich.
Drohen gar Versorgungsengpässe?
Branchen-Insider sieht Versorgung gewährleistet
Ob es zu Versorgungsengpässen käme, hänge davon ab, ob Europa anderswo auf dem Weltmarkt fündig werde, sagt Binswanger.
Er hält es für möglich, dass andere Lieferanten einen Teil der US-Exporte ersetzen. Kurzfristig ist das aber schwierig: Die naheliegenden Alternativen Oman, Indien und Saudi-Arabien sind derzeit selbst eingeschränkt, gibt er zu bedenken.
Bamert macht sich keine Sorgen, dass der Schweiz der Diesel ausgehen könnte. «Wir verfügen bekanntlich über Pflichtlager, die inländische Dieselversorgung wäre somit auch im Falle eines eingeschränkten Imports gewährleistet.»
Und: Ein Exportverbot werde derzeit lediglich geprüft – beschlossen sei noch nichts.

















