Crans-Montana: Waadt befreit Betroffene nicht von Abschlussprüfung
Von dem Brand in Crans-Montana VS betroffene Jugendliche aus dem Kanton Waadt im letzten Ausbildungsjahr werden nicht von den Abschlussprüfungen befreit.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Brandkatastrophe von Crans-Montana betraf viele Jugendliche aus dem Kanton Waadt.
- Mehrere befinden sich im letzten Ausbildungsjahr und stehen vor Abschlussprüfungen.
- Der Kanton lehnt die Gesuche mehrerer Familien ab, sie von Prüfungen zu befreien.
Der Kanton Waadt will Jugendliche, die von der Bar-Brand in der Silvesternacht betroffen sind, nicht von den Abschlussprüfungen befreien.
Der Kanton hat mehrere Gesuche von Familien abgelehnt, die eine Ausnahme beantragt hatten. Er stellt jedoch verschiedene Anpassungen und Unterstützungsangebote in Aussicht.
Bildungsdirektor Frédéric Borloz (FDP) hält in einem Schreiben vom 15. April fest, dass «der massgebliche rechtliche Rahmen» auf Bundesebene festgelegt ist. Der Brief wurde von der Zeitung «Le Temps» publik gemacht und liegt der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor.
«Kann nicht angepasst werden»
Es liege in der Kompetenz der Eidgenossenschaft, die «Diplome und Abschlüsse anzuerkennen und zu validieren». Die Kantone würden sie ausstellen.
Der Vorsteher des Departements für Unterricht und Berufsbildung (DEF) betont: «Dieser Rahmen kann nicht angepasst werden, und nichts erlaubt es uns, davon abzuweichen.»
Er verweist auf «zahlreiche Gespräche mit verschiedenen Bundes- und interkantonalen Stellen».
Die ausgestellten Abschlüsse müssten bundesweiten Kriterien der Vergleichbarkeit und Anerkennung entsprechen. Diese müssten ihre Bedeutung und Glaubwürdigkeit auf nationaler Ebene gewährleisten, fuhr er fort.
Covid-Massnahmen nicht auf Brandkatastrophe übertragbar
Die während der Covid-19-Pandemie ergriffenen Massnahmen – als die Schulen mehrere Wochen geschlossen waren – seien nicht übertragbar.
«Der aussergewöhnliche Kontext der Pandemie wurde einheitlich auf alle Kantone angewendet. Er kann aus rechtlichen Gründen im vorliegenden Fall nicht übernommen werden», so Borloz.
Kanton will Schüler «bei der Vorbereitung helfen»
Dennoch verfüge der Kanton über einen gewissen Spielraum. Damit kann er «nicht nur den Unterricht, sondern auch die Modalitäten der Prüfungen» gestalten.
Genannt werden unter anderem Tutorate, Massnahmen zum Nachteilsausgleich sowie Semesteraufschübe, um die betroffenen Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Zudem bietet der Kanton Gespräche mit den Schulleitungen an, falls diese noch nicht stattgefunden haben.
In einer Stellungnahme gegenüber Keystone-SDA betont Borloz, dass «der gesamte vorhandene Handlungsspielraum» ausgeschöpft und individuell angewendet werde.
«Wir werden ihnen bei der Vorbereitung helfen und bei Bedarf individualisierte Prüfungen organisieren», versicherte er.
Verletzt oder Geschwister verloren
Im Kanton Waadt leben die meisten vom Brand in Crans-Montana betroffenen Schülerinnen und Schüler.
Er ist auch der einzige Kanton, in dem sich die Frage nach Abschlüssen für Jugendliche im letzten Ausbildungsjahr stellt. Das berichtet «Le Temps».
Gemäss Zahlen des DEF sind 21 Schülerinnen und Schüler der öffentlichen Waadtländer Schulen betroffen.
Darunter Verletzte, aber auch Jugendliche, die indirekt betroffen sind, etwa Geschwister eines verstorbenen Opfers. Von diesen 21 befinden sich zehn im letzten Ausbildungsjahr.

















