Crans-Montana: Opfer müssen hohe Spitalrechnungen nicht zahlen

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Crans-Montana,

Nach der Verunsicherung um hohe Spitalrechnungen für italienische Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana beschwichtigt der Kanton Wallis.

Crans-Montana
Seit der Brandkatastrophe von Crans-Montana sind inzwischen über drei Monate vergangen. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Spital Wallis stellte italienischen Brandopfern Rechnungen für die Behandlung zu.
  • Der Kanton stellt klar: Die Familien müssen die medizinischen Kosten nicht selbst tragen.
  • Wallis-Staatsratspräsident Reynard trifft am Freitag den italienischen Botschafter.

Das Spital Wallis hatte vergangene Woche drei italienischen Familien Kopien von Spitalrechnungen zugestellt. Die Beträge für die Behandlung von drei Verletzten am 1. Januar liegen zwischen 17'000 und 66'800 Franken. Sie sorgten bei den Betroffenen für grosse Verunsicherung.

Nun beschwichtigt der Kanton Wallis und stellt klar, dass die betroffenen Familien die Kosten nicht selbst tragen müssen. «Die im Spital Wallis erbrachten Leistungen gehen nicht zulasten der Familien», teilte die Dienststelle für Gesundheitswesen am Dienstag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Anfrage mit. Sie bestätigte damit frühere Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Wie beurteilst du den Rechnungsversand des Spitals Wallis an die italienischen Familien?

Die Familien seien bereits Ende Februar bis Anfang März schriftlich über das Vorgehen informiert worden, falls sie entsprechende, für sie nicht zahlungspflichtige Rechnungen erhalten, hiess es weiter.

«Familien haben keine medizinischen Rechnungen zu bezahlen»

Konkret wurden die drei Rechnungen demnach an die Gemeinsame Einrichtung KVG weitergeleitet. Diese klärt zusammen mit den italienischen Versicherungen und den zuständigen Verbindungsstellen ab, welche Kosten von welcher Versicherung übernommen werden.

Brandkatastrophe Crans-Montana
Bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana kamen in der Silvesternacht 40 grösstenteils junge Menschen ums Leben. - keystone

Sollte ein Restbetrag offenbleiben, übernehmen ihn die Opferhilfestellen gemäss Opferhilfegesetz. «In jedem Fall haben die Familien keine medizinischen Rechnungen zu bezahlen», bekräftigte der Staat Wallis, um weitere Missverständnisse zwischen Italien und der Schweiz im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe zu vermeiden.

Spital Wallis: «Alles regelkonform»

Alle Rechnungen im Zusammenhang mit dem Ereignis von Crans-Montana seien gemäss den geltenden Abkommen weitergeleitet worden, erklärt das Spital Wallis derweil.

Für in der Schweiz wohnhafte Patientinnen und Patienten gingen sie an die jeweiligen Versicherer, für europäische Patienten an die gemeinsame Einrichtung der Krankenversicherung. Die Rechnungen entsprächen den tariflichen Vorgaben.

Zudem handle es sich bei den zugestellten Dokumenten lediglich um Kopien zur Information der Betroffenen – ein in der Schweiz übliches Vorgehen gemäss Krankenversicherungsgesetz.

Regierungspräsident trifft Botschafter

Um die Lage weiter zu klären, telefonierte der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard (SP) am Montagabend mit dem italienischen Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado. Ein Treffen ist für Freitag im Wallis geplant, um offene Fragen zu klären und Missverständnisse – insbesondere rund um den Versand der Rechnungen – auszuräumen.

Crans-Montana
Der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard will am Freitag den italienischen Botschafter in der Schweiz treffen, um offene Fragen rund um die fälschlicherweise verschickten Spitalrechnungen zu klären. - Nau.ch

Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äusserte sich in sozialen Medien. Sie habe ihren Botschafter in Bern angewiesen, «wachsam zu bleiben». Es wäre «inakzeptabel», wenn solche Kosten von den Familien oder vom italienischen Staat getragen werden müssten.

Kanton schiesst Geld vor

Der Kanton Wallis übernimmt im Auftrag des Bundes zunächst die Auszahlung der von National- und Ständerat beschlossenen Soforthilfe von 50’000 Franken pro Brandopfer. Diese Unterstützung ist für die bei der Neujahrsnacht in Crans-Montana verstorbenen oder hospitalisierten Personen vorgesehen.

Wie der Kanton gegenüber Keystone-SDA mitteilte, werden die Kosten – wie geplant – zunächst vom Kanton vorfinanziert und anschliessend vom Bund zurückerstattet.

Bereits zuvor hatte der Kanton eine eigene Soforthilfe von 10’000 Franken an die Opfer und deren Angehörige ausgerichtet. Die Kontaktaufnahme mit den Betroffenen und ihren Familien hat in dieser Woche begonnen.

Alle Anspruchsberechtigten sollen für die administrativen Schritte kontaktiert werden, insbesondere um ihr Einverständnis für die Auszahlung einzuholen und die Begünstigten zu bestimmen. Sobald diese Informationen vorliegen, können die entsprechenden Entscheide gefällt werden.

Kommentare

User #2584 (nicht angemeldet)

Oh mein Gott, man kann sich aber sich aber alles empören. Hallo, es ist eine Kopie! Ich nehme an, dass es normal ist, dem Patienten eine Rechnungskopie zu schicken. Bekomme ich auch, such wenn meine Franchise schon aufgebraucht ist. Heisst nicht, dass ich es bezahlen muss.

User #4322 (nicht angemeldet)

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