Gericht

Kommt Barbesitzer Moretti bald auf Kaution wieder frei?

Beim Feuer in der Bar in Crans-Montana starben 40 Menschen, über 100 wurden verletzt. Im Ticker bleibst du über die neusten Entwicklungen im Bild.

Moretti
Kommt Jacques Moretti bald wieder frei? - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In Crans-Montana läuft die Aufarbeitung der Feuer-Katastrophe im «Le Constellation».
  • Bei der Tragödie am Neujahrstag starben 40 Menschen, über 100 wurden verletzt.
  • Im Ticker hält dich Nau.ch auf dem Laufenden.

Nach der Feuer-Tragödie in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana mit 40 Toten steht die Aufarbeitung im Zentrum. Der Bar-Inhaber sitzt in Untersuchungshaft, seine Frau und Mit-Inhaberin ist auf freiem Fuss. Derweil kommen immer mehr Details über das Ehepaar ans Licht.

Im aktuellen Ticker von Nau.ch bleibst du auf dem Laufenden:

Ehemaliger Bar-Betreiber kritisiert Moretti

21.30: In einem Interview bei RTS äussert sich der ehemalige Betreiber der Bar «Le Constellation» Eric Dosdo zu der Feuer-Tragödie. «Ich weiss nicht, warum das Ehepaar Moretti die Treppe verengt hat», kritisiert er.

Das Ehepaar Moretti hatte im Jahr 2015 Sanierungsarbeiten durchgeführt und die Treppe schmaler gemacht. Laut Berichten aus Italien sollen 34 der 40 Todesopfer auf der Treppe gestorben sein.

Eric Dosdo
Eric Dosdo war von 2005 bis 2015 Betreiber der Bar «Le Constellation». - RTS

Medienberichten zufolge soll das Betreiber-Ehepaar die Arbeiten selbst durchgeführt haben. Auch den Schallschutz, der Feuer fing, soll er dann montiert haben. Zu Dosdos Zeit seien noch kein Schallschutz nötig gewesen.

Kommt Jacques Moretti bald wieder frei?

19.20 Uhr: Der Barbesitzer Jacques Moretti sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Doch könnte er bald wieder freigelassen werden?

Wie das Gericht nun mitteilt, seien mildere Ersatzmassnahmen möglich. «Der Beschuldigte gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil als unschuldig», zitiert «Le Temps» das Gericht. In der Regel sei jemand bis zum Urteil in Freiheit – Haft hingegen sei die Ausnahme.

Moretti
Jacques Moretti sitzt aktuell in Untersuchungshaft. - keystone

Das Gericht prüfe daher Alternativen. So käme in Betracht, dass Moretti seine Ausweispapiere abgibt oder eine Kaution hinterlegt.

Als weitere Option könnte er verpflichtet werden, sich regelmässig bei einer Polizeidienststelle zu melden. Denkbar wären zudem Massnahmen wie eine elektronische Fussfessel oder ein Ausreiseverbot.

Morettis Anwalt geht von Freilassung «innerhalb weniger Tage» aus

14:25: Das Zwangsmassnahmengericht hat am Montag entschieden, dass Barbetreiber Jacques Moretti in Untersuchungshaft bleibt.

In einer Medienmitteilung, die «Le Nouvelliste» vorliegt, äussern sich die Anwälte im Namen von Jessica Moretti, der Ehefrau des Inhaftierten.

Sie betont, die Entscheidung des Gerichts werde es ihrem Mann ermöglichen, «seine Freiheit wiederzuerlangen, sobald die Voraussetzungen erfüllt sind».

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Morettis Anwalt, Patrick Michod (links), spricht von einer «günstigen Entscheidung», die voraussichtlich bald eine Freilassung seines Mandanten ermöglichen werde. - keystone

Zudem habe das Gericht «die Lage richtig eingeschätzt», da sich das Ehepaar der «gerichtlichen Prüfung, der sie sich gemeinsam stellen werden», nicht entziehen wolle.

Gegenüber BFMTV zeigte sich Morettis Anwalt Patrick Michod derweil optimistisch: «Dies ist eine günstige Entscheidung für meinen Mandanten. Sie ist konsequent und rechtlich einwandfrei und sollte es meinem Mandanten ermöglichen, innerhalb weniger Tage freigelassen zu werden.»

Staatsanwaltschaft lässt Gemeinde nicht als Zivilklägerin zu

14:11: Die Gemeinde Crans-Montana VS wird im Fall der Brandkatastrophe auf ihrem Gebiet nicht als Nebenklägerin auftreten. Sie hat die Staatsanwaltschaft über diesen Entscheid informiert.

Die Walliser Staatsanwaltschaft bestätigte am Montag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA eine entsprechende Meldung von RTS. Zu Beginn der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft die Gemeinde darüber informiert, dass sie in diesem Fall aufgrund der Rechtsprechung nicht als Strafklägerin auftreten könne.

Nicolas Féraud Crans-Montana
Zwei Tage nach dem Brand hatte der Gemeinderat angekündigt, sich geschlossen als Zivilpartei konstituieren zu wollen, also als Geschädigte. - keystone

Daraufhin setzte die Staatsanwaltschaft den Gemeindebehörden eine Frist von fünf Tagen, um zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Stattdessen strebt die Gemeinde nun an, «Partei des Verfahrens» zu sein. Mit diesem Schritt erhofft sich die Gemeinde Zugang zu den Akten, die Teilnahme an Einvernahmen sowie die Möglichkeit, den befragten Personen Fragen zu stellen.

Über dieses Gesuch der Gemeinde muss die Staatsanwaltschaft noch entscheiden. Nur zwei Tage nach dem verheerenden Brand in der Silvesternacht hatte der Gemeinderat von Crans-Montana mitgeteilt, dass sich die Gemeinde als «Zivilpartei» am Strafverfahren beteiligen wolle.

Barbesitzer von «Le Constellation» offiziell in Untersuchungshaft

12:43: Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Wallis hat am Montag Untersuchungshaft für den Barbesitzer Jacques Moretti in der Folge des Brandes in Crans-Montana angeordnet. Diese Entscheidung gilt zunächst für einen Zeitraum von drei Monaten.

11:32: Astrid und Jérôme Panine aus der südfranzösischen Hafenstadt Sète verloren in der Silvesternacht ihre 24-jährige Tochter Cyane. Die junge Frau arbeitete als Kellnerin in der Todesbar «Le Constellation».

«Für uns ist 2026 die Sonne nicht aufgegangen», sagen die Eltern in einem Interview mit dem französischen Sender France 3. Cyane sei nicht nur äusserlich schön gewesen, betont die Mutter, sondern auch im Herzen.

Der Vater beschreibt sie als das «Maskottchen» des Ortes – sie sei sehr bekannt gewesen und habe deshalb als helfende Hand in der Bar gearbeitet.

Besonders schwer wiegt für die Familie die Tatsache, dass eine Fluchttür in der Bar verschlossen war. «Natürlich wollte sie fliehen», sagt der Vater. «Aber da war diese Tür, die sich nicht öffnen liess.»

Crans-Montana
Astrid und Jérôme Panine haben bei dem Brand in Crans-Montana ihre Tochter verloren. - France 3 Occitanie/YouTube

Laut den Eltern berichteten Freunde von Cyane, dass sie bewusstlos vor der verschlossenen Tür lag, obwohl sie wusste, dass diese normalerweise funktionierte. Ihre Freunde brachten sie in die Bar gegenüber und versuchten 40 Minuten lang, sie wiederzubeleben – vergeblich.

Die Mutter erhebt schwere Vorwürfe gegen den Barbetreiber. Sie vermutet, dass die Tür aus Angst vor Zechprellern verschlossen wurde: «Aber man hätte einen Sicherheitsmann hinstellen können. Vielleicht hätte es dann keine Toten gegeben.“»

Dass man in der Bar 1000 Euro pro Tisch verlange, sich aber keinen Sicherheitsdienst leiste, sei für sie unverständlich.

09:34: Micheline Calmy-Rey (80) forderte am Samstag ein Ende der «Vetternwirtschaft» im Wallis. Die aus Crans-Montana stammende Alt Bundesrätin zeigte sich tief betroffen von der Brandkatastrophe mit 40 Todesopfern in ihrer Heimatgemeinde.

Am Sonntagabend reagierte der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard im Interview mit RTS. Die Kritik bezüglich der Kultur von Vetternwirtschaft im Wallis halte er für «arrogant» und unzureichend: «Mein gesamtes politisches Engagement richtete sich gegen Vetternwirtschaft und Interessenkonflikte.»

Zwar räumte er ein, dass es im Kanton entsprechende Fälle gebe. Doch er mahnte, pauschale Zweifel an allen Verantwortlichen würden der Wahrheitsfindung nicht dienen.

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«Mein gesamtes politisches Engagement richtete sich gegen Vetternwirtschaft und Interessenkonflikte», Mathias Reynard. (Archivbild) - keystone

Reynard stellte klar, dass er Vertrauen in die Gewaltenteilung und die Arbeit der Justiz habe. «Es wäre nicht richtig, wenn sich die Regierung in die Ermittlungen einmischen würde.»

Die Verantwortung für die Untersuchungen liege allein bei der Justiz, so Reynard. Der öffentliche Druck sei hoch, doch es gehe darum, die Wahrheit zu finden und Verantwortliche zu benennen.

Er forderte zudem, dass die Ermittlungen mit grösstmöglicher Unabhängigkeit und Transparenz geführt werden müssten – im Interesse der Opfer, ihrer Angehörigen und der gesamten Gesellschaft.

07.48: Die Karikatur «Die Verbrannten gehen Ski fahren» der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo hat am Wochenende in den sozialen Medien grosse Empörung ausgelöst. Die Zeichnung zeigt schwarze Skifahrer, die in Crans-Montana den Berg hinunterfahren, einige Flammen sind zu sehen.

Wie die Zeitung «Le Nouvelliste» berichtet, haben Béatrice und Stéphane Riand – eine Autorin und ein Anwalt – nun Strafanzeige bei der Walliser Justiz eingereicht.

Charlie Hebdo
Auf X, vormals Twitter, hagelt es Kritik für die Karikatur des französischen Satire-Magazins. - x/Charlie Hebdo

Sie berufen sich auf Artikel 135 des Schweizer Strafgesetzbuchs, der die Verbreitung gewalttätiger Inhalte unter Strafe stellt, wenn diese die Menschenwürde schwer verletzen.

Verschärft werden kann die Strafe, wenn sich die Inhalte auf tatsächliche Gewalttaten gegen Minderjährige beziehen.

Die Anzeige richtet sich somit gegen die Publikation, die aus Sicht der Kläger eine Grenze überschritten hat – vor allem angesichts der Tatsache, dass unter den 40 Todesopfern des Brandes auch Jugendliche waren.

Zeugenaussagen: «Ich habe keine Notausgänge gesehen»

04.48: Neue, brisante Zeugenaussagen werfen ein immer düsteres Licht auf die Sicherheitslage in der Unglücksbar «Le Constellation». Laut den von der «RTS» eingesehenen Ermittlungsakten sagten mehrere Gäste, die sich in der Neujahrsnacht im Untergeschoss aufhielten, sie hätten keine Notausgänge gesehen.

Eine 16-jährige Besucherin schilderte den Ermittlern, es habe «enorm viele Leute» gegeben, die verzweifelt versucht hätten, durch die kleine Eingangstür zu entkommen. «Ich bin mir nicht sicher, ob es im Keller einen Notausgang gab.»

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Bei den Sanierungsarbeiten im Jahr 2015 wurde der untere Teil der Treppe in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS massiv verengt. - x/Chance

Ein 17-Jähriger, der kurz vor Ausbruch des Feuers in den Keller gegangen war, äusserte sich ähnlich. Er sagte, die Gäste hätten zunächst gar nicht begriffen, dass es brenne – und was ihn überrascht habe, sei «der Mangel an Notausgängen» gewesen.

Auch eine ehemalige Serviceangestellte, die an diesem Abend im Keller ausgeholfen hatte, bestätigte gegenüber den Ermittlern, sie habe keine sichtbaren Brandschutzvorrichtungen wahrgenommen. Ihr Freund, der ebenfalls anwesend war, meinte offenbar genauso entschieden: «Ich habe kein System mit den kleinen grünen Schildern für Notausgänge gesehen».

Auf Anfrage von RTS gaben die Anwälte der Angeklagten keine Stellungnahme ab. Am Samstag bekräftigten sie, dass der Notausgang im Keller dauerhaft geöffnet sei.

Bar-Besitzer Moretti: «Mindestens vier Wegweiser zu den Notausgängen»

In den Stunden nach der Tragödie wurde Jacques Moretti von den Ermittlern zu den Fluchtwegen befragt. Zu diesem Zeitpunkt war gegen ihn noch keine formelle Anklage erhoben worden.

Der Franzose erklärte dabei, das Lokal habe über zwei Notausgänge verfügt – einen im Erdgeschoss und einen weiteren im Untergeschoss – und diese hätten den gesetzlichen Vorgaben entsprochen.

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Das Ehepaar Moretti vor seiner Anhörung am Freitagmorgen in Sitten VS. Jacques Moretti befindet sich mittlerweile in Untersuchungshaft. - keystone

Nach seinen Angaben seien die Fluchtwege klar gekennzeichnet gewesen: Die grünen Hinweisschilder mit den entsprechenden Symbolen hätten sich an mehreren Stellen befunden, insgesamt habe es mindestens vier Wegweiser zu den Notausgängen gegeben.

Servicetür im Erdgeschoss von innen verschlossen

Im Kontext der Notausgänge ist auch ein früherer Bericht von «RTS» brisant. Dort hiess es, dass der Besitzer von «Le Constellation» gegenüber den Ermittlern zugegeben hatte, dass die Servicetür im Erdgeschoss von innen verschlossen war. Dies habe er in der Nacht der Tragödie bemerkt.

Dem Bericht zufolge erklärte Jacques Moretti, der erst nach dem Brand am Unglücksort eintraf, er habe die Tür von aussen geöffnet und dabei mehrere leblose Körper vor der Tür vorgefunden. Er gab zudem an, nicht zu wissen, warum der Ausgang blockiert war.

Wichtig: In einer ersten Version war zunächst die Rede von einer Notausgangstür im Untergeschoss, die verschlossen war. Diese Angaben wurden daraufhin von «RTS» korrigiert.

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